Suchen

Aktuelle Einträge

Ausgaben

Rubriken

Editorial

Pages: 1 2 Next
19. April 2013

Journalismus als Krisenbewältigung

Editorial

Von Tobias Eberwein

Wer die Beiträge dieses „Journalistik Journals“ liest, der muss zwangsläufig zu der Einsicht gelangen, dass Journalismus ein grauenvoller Beruf ist: ein Beruf ohne langfristig gesicherte ökonomische Grundlage, der seinen Akteuren Äußerstes abverlangt und in letzter Konsequenz krank macht. Dies legen zum einen all die Analysen und Kommentare im vorliegenden Heft nahe, die sich mit der anhaltenden Medienkrise und den von ihr ausgelösten Redaktionsschließungen der vergangenen Monate auseinandersetzen. Dass Journalismus und Grauen häufig Hand in Hand gehen, zeigen zum anderen auch die Diskussionsbeiträge zum eigentlichen Titelthema dieser Ausgabe: „Journalismus und Trauma“. In ganz unterschiedlichen Texten und Textformen erörtern unsere Autoren die besonderen Probleme und Potenziale der journalistischen Berichterstattung in Extremsituationen wie Kriegen, Krisen und Katastrophen.

7. Oktober 2012

Alles, was Recht ist

Editorial

Von Tobias Eberwein

„Ich glaube, wir können Juristen in die Kategorie der Monster einreihen“, räsonierte einst der englische Lyriker John Keats – und es gibt wohl auch heute nicht wenige Menschen, die der Juristerei mit einem Grundgefühl des Unbehagens begegnen. Zu hermetisch erscheint häufig die Sprache des Rechts, zu undurchdringlich der Dschungel unterschiedlicher Paragraphen und Gesetzestexte. Dieses Unbehagen ist auch unter Medientreibenden weit verbreitet. Leider, denn eigentlich müssten gerade Journalisten ein gesteigertes Interesse an rechtlichen Zusammenhängen haben. Sie bilden – im Falle der Gerichtsberichterstattung – ein wichtiges Themenfeld journalistischer Arbeit. Mehr noch: Sie stellen sogar eine wesentliche Grundlage dieser Arbeit dar, sei es indem sie dem Journalisten besondere Rechte bei der Informationsbeschaffung einräumen – oder indem sie die öffentliche Aufgabe der Massenmedien grundsätzlich legitimieren.

29. März 2012

Mitmachen!

Editorial

Von Tobias Eberwein

Der Begriff Partizipation ist in den vergangenen Jahren zu einem vermeintlichen Zauberwort geworden – nicht nur im politischen Diskurs, sondern auch im Journalismus. Vor dem Panorama der Werbe- und Medienkrise werteten viele Beobachter die stärkere Einbindung der Nutzer als Wundermittel im Kampf gegen die Erosion redaktioneller Ressourcen. Was genau jedoch unter sinnvoller Nutzerpartizipation zu verstehen ist, blieb vielen der beteiligten Akteure dabei unklar. Viele Verlagshäuser verordneten sich ein „Mitmachen beim Mitmachen“, häufig jedoch ohne zielgerichtete Strategie. „Irgendwas 2.0“ nennt Thorsten Quandt derartige Vorstöße. Liest man seinen Beitrag in dieser Ausgabe des Journalistik Journals, eine pointierte Zusammenfassung einer internationalen Vergleichsstudie zum Status quo des Mitmach-Journalismus, wirkt Partizipation eher wie ein „Plastikwort“, eine jener „sprachlichen Attrappen“ also, die sich mit Uwe Pörksen auf alles anwenden lassen, im Inneren jedoch leer bleiben. Von Zauber keine Spur!

29. September 2011

Alles neu?

Editorial

Von Tobias Eberwein

Medienkritik ist nichts Neues. Auch wenn der kritische Diskurs über Journalismus und Medien in der heutigen Erregungsgesellschaft, beflügelt durch web-basierte Themenschleudern wie Twitter oder Facebook, so lebendig ist wie nie zuvor – es gibt ihn schon lange, so lange, wie es Medien gibt. In kaum einem Bereich wurde und wird dieser Diskurs jedoch so lautstark und emotional geführt wie im Sportjournalismus. Warum das so ist, zeigen die Beiträge zum Titelthema dieser Ausgabe des „Journalistik Journals“. „Kein anderes Ressort im Journalismus ist derart von Ökonomisierungs- und Kommerzialisierungsprozessen betroffen wie das Sportressort“, stellt Michael Schaffrath in seiner kritischen Bilanz zur bisherigen Sportkommunikatorforschung fest.

29. März 2011

Und?

Editorial

Von Horst Pöttker

Journalismus und Nationalsozialismus. Die Formulierung lässt manches offen. Sind Journalismus und Nationalsozialismus miteinander verbunden, haben sie sich zu einer Firma zusammengetan, J&N? Das wäre nicht völlig verkehrt, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart. Dass viele Journalisten sich dem NS-Regime aus Überzeugung oder aus Opportunismus angedient haben, lässt sich leider nicht bestreiten. So kritisch ist die Formulierung J&N aber gar nicht gemeint. Wir wollen damit nur anzeigen, dass in diesem Themenheft beide Perspektiven Platz haben. Wie der Journalismus vom Nationalsozialismus in Anspruch genommen wurde, aber auch, wie über den Nationalsozialismus vom Journalismus berichtet wird. Beiden Problemfeldern gewinnen die Autorinnen und Autoren dieser JoJo-Ausgabe unerwartete Aspekte ab.

7. Oktober 2010

Ein Zauberwort

Editorial

Von Horst Pöttker

Gezählt habe ich es nicht. Aber es fällt auf, wie oft in dieser JoJo-Ausgabe zur journalistischen Selbstkontrolle und ihrem Wandel das Wort „Transparenz“ vorkommt. Das wird kein Zufall sein. Offenbar ist Transparenz, Durchsichtigkeit des Mediengeschehens eine Bedingung dafür, dass Journalismus sich „selbst“ kontrollieren und regulieren kann. Transparenz – was ist das eigentlich? Zunächst ist festzuhalten, dass es sich dabei um einen zutiefst negativen Begriff handelt – nicht im moralischen, aber im logischen Sinne. Durchsichtigkeit lässt sich nur durch ihr Gegenteil, durch die Abwesenheit von etwas, konkret bestimmen. Wo Transparenz gegeben ist, fehlen optische Barrieren, die den Blick auf etwas versperren.

8. April 2010

Kulturjournalismus, Journalismuskultur

Editorial

Von Horst Pöttker

Kultur versus Politik, Wirtschaft, Sport; Kultur versus Natur; eine Kultur versus andere Kulturen; Kultur versus Kulturlosigkeit. Von den diversen Begriffen, die mit dem Ausdruck „Kultur“ verbunden sein können, geht es in dieser JoJo-Ausgabe zunächst um den ersten. Als Teilbereich, vornehm ausgedrückt: Teilsystem der Gesellschaft, das von anderen Teilsystemen abgegrenzt ist, kann Kultur zum Gegenstand journalistischer Tätigkeit werden und bildet dann ein Ressort, das in deutschen Zeitungen mit „Feuilleton“ oder einfach nur „Kultur“ überschrieben wird. In diesem Ressort wird „Kulturjournalismus“ betrieben, der sich wiederum auf verschiedene Teilbereiche der Kultur – Musik, Theater, Literatur, Kunst – beziehen kann: Musikjournalismus, Theater- und Literaturkritik usw.

8. Oktober 2009

Die Aufgabe Öffentlichkeit

Editorial

Von Horst Pöttker

In einer Diskussion über die Bedeutung von Medien für die Integration von Migranten begann sich die Ansicht durchzusetzen, noch schlimmer, als Minderheiten gar nicht zu thematisieren, sei es, wenn über sie negative Stereotypen verbreitet würden – etwa das Vorurteil, Einwanderer neigten besonders zur Kriminalität. Widerspruch kam bezeichnenderweise von Teilnehmern der Diskussion, die als Journalisten oder deren Ausbilder arbeiten. Die Gegenansicht, Vernachlässigung von Themen in der Öffentlichkeit sei problematischer als verzerrtes Thematisieren, begründete Kenneth Starck, Nestor der akademischen Journalistenausbildung in den USA, mit einem Vergleich: Das sei so ähnlich wie mit der Liebe, deren Gegensatz auch nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit sei.

31. März 2009

Ökonomisierung des Journalismus?

Editorial

Von Horst Pöttker

Heute wird viel über die Ökonomisierung des Journalismus geklagt. Angeblich sei der Beruf in die Fänge von global operierenden Medienkonzernen geraten, die mit ihren Produkten nichts als Profit machen wollten, während Journalismus – so wird vorausgesetzt – früher in erster Linie wegen des demokratischen Nutzens von öffentlicher Information betrieben worden sei. Historisch Inter­essierte fragen sich allerdings, wann dieser ideale Gipfelpunkt gewesen sein soll, von dem die Aufklärung in die Niederungen des bloßen Geschäfts abgleitet. Bei näherer Betrachtung stellt sich nämlich heraus, dass auch Journalisten – nicht anders als Wissenschaftler, Künstler oder Sportler – ihrem Handeln stets auch ein rationales Kalkül zu Grunde legen, um ihren persönlichen Nutzen bei möglichst geringen Kosten zu mehren. Ökonomie ist zwar nicht alles, wie manche Ökonomen meinen, aber Ökonomie ist überall dabei.

9. Oktober 2008

Bis zum Bug oder weiter?

Editorial

Von Horst Pöttker

Zwischen den Städten Dortmund und Rostov am Don, speziell ihren Universitäten und noch spezieller deren Fakultäten für philologische Fächer und Journalistik, besteht seit Anfang der 1990er Jahre eine gelebte Partnerschaft. Fährt man mit der Eisenbahn, dauert es drei Tage und zwei Nächte. Auf der Hinfahrt wurde mir die Welt draußen bereits fremd, nachdem wir bei Frankfurt die Oder passiert hatten. Auf der Rückfahrt, nachdem ich in Brest, wo die Spurweite wieder auf das mitteleuropäische Maß reduziert wird, nachts wegen eines ungültig gewordenen Transitvisums aus dem Zug geholt worden war und mir einen ganzen Tag lang das Foto Präsident Lukaschenkos in weißrussischen Amtsstuben angeschaut hatte, fühlte ich beim Überqueren des Bugs erleichtert: Du bist zu Hause angekommen. Polen war damals gerade der EU beigetreten.

Pages: 1 2 Next