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Editorial

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31. März 2008

Blackbox freier Journalismus

Editorial

Von Horst Pöttker

poettker_web1.jpgEin Beruf, das sei jene Spezialisierung und Kombination von Leistungen einer Person, die ihr eine kontinuierliche Erwerbschance bieten, so Max Webers berühmte Definition. Seitdem Journalismus zu einem Beruf geworden ist, erwarten Journalisten, mit ihrer Tätigkeit ein Auskommen zu finden. Ihre Gewerkschaften haben sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass das bei Festanstellung gesichert ist. Als freier Beruf dagegen ist Journalismus seit jeher verbunden mit besonderen Risiken wie schwankender Auftragslage, Krankheit und Alter, aber auch mit besonderen Verdienstmöglichkeiten. Freie Journalisten mit überragenden Fähigkeiten wie Heinrich Heine oder Joseph Roth haben zeitweilig von fürstlichen Honoraren ein Luxusleben geführt, dann aber auch wieder am Hungertuch genagt.

28. September 2007

Späte Einsicht

Editorial

Vorn Horst Pöttker

poettker_web1.jpgDeutschland hat eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt und braucht schon deshalb einen kontinuierlichen Zustrom von Einwanderern, um enorm kostspielige Verwerfungen in seiner Ökonomie und in seinen Sozial- und Bildungssystemen zu vermeiden. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, war einer der Ersten außerhalb akademischer Zirkel, der sich öffentlich zu dieser Einsicht bekannt hat. Herr Walter ist nicht nur ein kluger Mann, es war auch seine Position, die ihm diese Weitsicht ermöglicht hat. Wer für ein großes Unternehmen verantwortlich ist, muss in gesellschaftlichen Zusammenhängen denken und überlegen, wie auch noch in zehn oder 20 Jahren Gewinne zu machen sind. In den 90er Jahren, als Walter die Forderung nach besserer Integration von Migranten stellte, hätten Politiker vermutlich noch riskiert, deshalb bei der nächsten Wahl Stimmen zu verlieren.

15. April 2007

Von Traditionalisten und Technikfreaks

Editorial

Vorn Horst Pöttker

poettker_web1.jpgWirft man einen Blick zurück in die Steinzeit des Online-Journalismus, wie es sein Pionier Uly Foerster nicht ohne Genugtuung macht, dann entlarvt das typische Irrtümer der ewig Gestrigen, der Traditionalisten, die es trotz der professionellen Pflicht zur Aktualität natürlich auch im Journalismus gibt. Selbst beim „Spiegel“, wo sich der weitsichtige und innovationsfreudige Fried von Bismarck, heute Sprecher des Deutschen Presserats, zum Experiment mit dem neuen Medium entschloss, blickte man auf das World Wide Web anfangs als eine Art Spielwiese pubertierender Studenten hinab. Für neue Staubsauger, so erfahrene Redakteure damals, werde schließlich auch kein neues Ressort eingerichtet. Es ist noch kein Jahrzehnt her, da war es Journalisten bei deutschen Regionalzeitungen nicht gestattet, online zu recherchieren, weil ihre Bosse die Vorstellung hatten, jede Minute solchen Tuns verursache Netzbenutzungsgebühren wie das Telefonieren nach Amerika. So weit zur Innovationsfreude der deutschen Medienelite.

15. Oktober 2006

Quadratur des Kreises

Editorial

Vorn Horst Pöttker

poettker_web1.jpgJournalismus ist an sich schon ein Ding der Unmöglichkeit. Das Individuum braucht ihn, um Neuigkeiten zu erfahren. Die Psyche des Menschen ist aber so beschaffen, dass er am liebsten von Dingen liest oder hört, die er schon kennt und glaubt, um mit sich selbst in Einklang zu bleiben. Alle journalistischen Arbeitstechniken sind dazu da, die­se Barriere zu überwinden. Hier und da ist dieses Bemühen erfolgreich. Im Großen und Ganzen scheitert es aber an der menschlichen Natur.

15. April 2006

Special-Interest-Journalismus und seine Grenzen

Editorial

Vorn Horst Pöttker

poettker_web1.jpgModezeitschriften sind fast so alt wie der Journalismus selbst. Schon Ende des 18. Jahrhunderts erlebten sie nicht nur in Paris und London eine Blütezeit, sondern auch in der deutschen Provinz, wo das „Journal des Luxus und der Moden“ und das „Magazin des neuesten Geschmacks“ Frauen aus dem aufstrebenden Bürgertum nicht nur einen zeitgemäßen Lebensstil, sondern auch politische Informationen zu vermitteln suchten, um ihre Mündigkeit zu fördern.

15. Oktober 2005

Journalistik als Motor des Berufs

Editorial

Vorn Horst Pöttker

poettker_web1.jpgDas „Journalistik Journal“ ist kein „penny paper“, das sich auf beliebige Fakten beschränkt, um niemanden abzuschrecken. Es verfolgt das Konzept, den Journalistenberuf an den Diskussionen und Erkenntnissen der Wissenschaft Journalistik teilhaben zu lassen. Dieses Konzept ist ein Ausdruck der Vorstellungen, die wir uns im Institut für Journalistik der Universität Dortmund von Aufgabe und Wesen unserer Wissenschaft machen. Journalistik, wie wir sie verstehen, unterstützt die Journalisten wie die Pädagogik die Lehrer oder die Medizin die Ärzte: indem sie fragt, wie sie die Aufgabe ihres Berufs – in diesem Fall das Herstellen von Öffentlichkeit – noch besser erfüllen können, und indem sie dazu logisch und empirisch begründete Vorschläge macht.

15. April 2005

400 Jahre Zeitung — 400 Jahre Journalismus?

Editorial

Vorn Horst Pöttker

poettker_web1.jpgAn den ersten Zeitungen waren Journalisten nicht beteiligt, die wurden von geschäftstüchtigen Druckern gemacht. So wird Johannes Weber nicht müde, in seinem kenntnisreichen Artikel zu betonen. Wir müssen also unterscheiden zwischen der Geschichte der Zeitung oder anderer Medien und der Geschichte des Journalismus. Natürlich haben sich Journalistenberuf und Medien nicht unabhängig voneinander entwickelt. Was Journalisten herausfinden und wie – vor allem wie schnell – sie es welchem Publikum vermitteln können, wurde immer begrenzt und geprägt von den technischen, ökonomischen und organisatorischen Voraussetzungen, die Menschen einer Epoche vorfanden, um (öffentlich) zu kommunizieren, also von der Medienwelt einer Epoche. Aber Medien und Journalismus sind auch nicht identisch. Denn lange bevor die erste Zeitung gedruckt wurde, hat es schon Menschen gegeben, die sich zur Aufgabe gemacht haben und besonders begabt waren, andere Menschen möglichst rasch mit Informationen über wichtige Vorgänge zu versorgen. Thomas Mann hat diesen frühen Journalisten in seinem Josephs-Roman mit Naphtali, dem sechsten Sohn des biblischen Jakob, ein Denkmal gesetzt.

15. Oktober 2004

Auf dem Weg zu einer zeitgemäßen Selbstkontrolle

Editorial

Vorn Horst Pöttker

poettker_web1.jpgLiebe Kolleginnen und Kollegen, alles fließt, auch der Journalismus. Wie stark er sich gewandelt hat, lässt sich besonders gut an seinem Verhältnis zum Sport studieren, dem sich diese Ausgabe des Journalistik Journals widmet. Veränderungen betreffen die journalistische Tätigkeit und die Anforderungen an diejenigen, die sie ausüben: Musste ein Sportjournalist früher vor allem von der Sache etwas verstehen, vielleicht sogar selbst Leistungssportler (gewesen) sein, sind heute Sinn für „human interest“ und kommunikative Kompetenzen gefragt. Veränderungen betreffen aber auch die Abgrenzung des Journalismus von anderen Tätigkeiten: Die Ränder des Berufs fransen aus; kann man, was die Stadionzeitschriften der Fußball-Bundesligavereine bieten, mit gutem Gewissen noch Journalismus nennen, oder ist es schon Öffentlichkeitsarbeit, wenn nicht Werbung?

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