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400 Jahre Zeitung

15. April 2005

400 Jahre Zeitung — 400 Jahre Journalismus?

Editorial

Vorn Horst Pöttker

poettker_web1.jpgAn den ersten Zeitungen waren Journalisten nicht beteiligt, die wurden von geschäftstüchtigen Druckern gemacht. So wird Johannes Weber nicht müde, in seinem kenntnisreichen Artikel zu betonen. Wir müssen also unterscheiden zwischen der Geschichte der Zeitung oder anderer Medien und der Geschichte des Journalismus. Natürlich haben sich Journalistenberuf und Medien nicht unabhängig voneinander entwickelt. Was Journalisten herausfinden und wie – vor allem wie schnell – sie es welchem Publikum vermitteln können, wurde immer begrenzt und geprägt von den technischen, ökonomischen und organisatorischen Voraussetzungen, die Menschen einer Epoche vorfanden, um (öffentlich) zu kommunizieren, also von der Medienwelt einer Epoche. Aber Medien und Journalismus sind auch nicht identisch. Denn lange bevor die erste Zeitung gedruckt wurde, hat es schon Menschen gegeben, die sich zur Aufgabe gemacht haben und besonders begabt waren, andere Menschen möglichst rasch mit Informationen über wichtige Vorgänge zu versorgen. Thomas Mann hat diesen frühen Journalisten in seinem Josephs-Roman mit Naphtali, dem sechsten Sohn des biblischen Jakob, ein Denkmal gesetzt.

15. April 2005

Wie 1605 in Straßburg die moderne Zeitung entstand

„Unscheinbar und ohne jede journalistische Idee“

Von Johannes Weber

Die Geburt der modernen Zeitung vollzieht sich im Herbst 1605, und zwar an der politischen Peripherie des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, im elsässischen Straßburg. Für die Historiographie ist es ein besonderer Glücksfall, dass sich eine Geburtsurkunde erhalten hat, die den Akt in vollkommen unmissverständlicher Weise dokumentiert. Es handelt sich um eine „supplication“, eine Bittschrift also, die der junge Buchhändler, Zeitungsschreiber und Druckereiinhaber Johann Carolus an den Rat der Stadt richtet. Ziel seiner Eingabe ist es, die „Freyheit“ – also ein Privileg, und das heißt: ein örtliches Herstellungsmonopol – für ein neuartiges Produkt seiner Presse zu erhalten.

15. April 2005

Russlands erste Zeitung per Gesetz gegründet

Propaganda für den Zaren

Von Alexandr Iwanowitsch Stanko

Die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedürfnisse Russlands des 18. Jahrhunderts waren die Voraussetzung für die Entstehung der ersten Zeitung „Wedomosti“ (1702-1727). Diese Zeitung hat über die widersprüchliche Epoche des Zaren Peter der Große berichtet. Einerseits wurde sie zu einem wichtigen Element der Nationalkultur: Sie trug zur Demokratisierung der Sprache und der Aufklärung der Menschen bei. Andererseits diente sie der Propaganda der Innen- und Außenpolitik der Regierung und übte Einfluss auf die Leser im Sinne der Monarchie aus.

15. April 2005

Die Maternpresse im Zeitungsgewerbe

In Pappe gepresst: Propaganda für die Dörfer?

Von Simone Szydlak

Foto: Stefan SchwenkeDer Begriff des „Maternsystems“ wurde nach 1945 zum Synonym für die Beeinflussbarkeit der Presse in der Weimarer Republik durch politisch gelenkte Materndienste, wie sie beispielsweise von Alfred Hugenberg angeboten wurden. Dem Teil der deutschen Presse, der Materndienste bezogen und so der nationalsozialistischen Progaganda – bewusst oder unbewusst – bis in die kleinsten Dörfer Vorschub geleistet hatte, warfen die Alliierten eine besondere Mitschuld am Untergang der Weimarer Republik vor. Der Zeitungsmarkt, wie man ihn heute in Westdeutschland vorfindet, vor allem die Verbreitung von großen Regionalzeitungen, ist zum Teil auf diese Ächtung der Maternpresse nach dem Zweiten Weltkrieg zurückzuführen.

15. April 2005

Polens Presse galt als Synonym für die Nation

Zeitungen als Hüter von Sprache und Kultur

Von Katharina Hadamik

Ein modernes Layout, Vierfarbdruck und gute Papierqualität – das Image der hässlichen, bleiwüstenartigen Entlein aus der Ära der Volksrepublik haben polnische Zeitungen längst abgeschüttelt. Viele Texte sind kürzer als in der Vergangenheit, aktueller, ereignisbezogener und orientieren sich mehr an den Erwartungen der Leser. Einige Besonderheiten, deren historische Wurzeln weit zurückreichen, sind dennoch nicht verloren gegangen.