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Medienselbstkontrolle im Wandel

7. Oktober 2010

Ein Zauberwort

Editorial

Von Horst Pöttker

Gezählt habe ich es nicht. Aber es fällt auf, wie oft in dieser JoJo-Ausgabe zur journalistischen Selbstkontrolle und ihrem Wandel das Wort „Transparenz“ vorkommt. Das wird kein Zufall sein. Offenbar ist Transparenz, Durchsichtigkeit des Mediengeschehens eine Bedingung dafür, dass Journalismus sich „selbst“ kontrollieren und regulieren kann. Transparenz – was ist das eigentlich? Zunächst ist festzuhalten, dass es sich dabei um einen zutiefst negativen Begriff handelt – nicht im moralischen, aber im logischen Sinne. Durchsichtigkeit lässt sich nur durch ihr Gegenteil, durch die Abwesenheit von etwas, konkret bestimmen. Wo Transparenz gegeben ist, fehlen optische Barrieren, die den Blick auf etwas versperren.

7. Oktober 2010

Lob der Fremdkontrolle

Zu einem Tabu des Diskurses über Medienkontrolle

Von Horst Pöttker

Im Selbstverständnis deutscher Medienräte nimmt das Wort Selbstkontrolle eine zentrale Stellung ein, während das Wort Fremdkontrolle in den einschlägigen Texten kaum vorkommt (vgl. Avenarius 2005; Desgranges/Wassink 2005; Nickel 2005). Dass das etwas Schlimmes sei, geht nur indirekt aus der Betonung des Selbst hervor. Weil sie unausgesprochen bleibt und deshalb kaum Widerspruch erregt, ist die Annahme, Fremdkontrolle sei etwas Verwerfliches, selbstverständlich geworden. Dazu tragen auch Nebenbedeutungen des Ausdrucks fremd bei.

6. Oktober 2010

Fehler über Fehler

Forschungsprojekt über Präzision und Glaubwürdigkeit im Journalismus fördert überraschende Ergebnisse zu Tage

Von Colin Porlezza, Stephan Ruß-Mohl & Marta Zanichelli

Dass Journalismus schnelllebig und damit anfällig für Fehler ist, dessen sind sich die meisten erfahrenen Medienpraktiker bewusst. Wie häufig sich indes Redaktionen irren und fehlerhafte Berichterstattung in Umlauf setzen, war zumindest in Europa bislang kaum bekannt. Jetzt gibt es für die Schweiz und Italien immerhin erste Zahlen, die aufhorchen lassen. Auch in den USA sind die Forschungsergebnisse, die zu diesem Thema dort seit Jahrzehnten erstellt wurden, vom Umfang her überschaubar. Aber sie überraschen selbst heute noch „alte Füchse“ aus der Medienpraxis.

6. Oktober 2010

Medienselbstkontrolle im Wandel

Brauchen wir einen Presserat für den Online­journalismus – und wenn ja, wie viele?

Von Tobias Eberwein

Der Journalismus erfindet sich im Internet gegenwärtig neu, doch neben unbestrittenen Chancen bringt die onlinebasierte Kommunikation auch viele Fallstricke mit sich. Häufig sind diese ethisch-moralischer Natur. Ein Beispiel: Im März berichtete das WAZ-Portal „DerWesten“ über die Vergewaltigung eines elfjährigen Mädchens, das in der Wohnung seiner Eltern überfallen worden war. Dem handwerklich soliden Text war – wie fast allen Beiträgen des Internet-Portals – eine Webanwendung beigefügt. Mit Hilfe des so genannten „Geotaggings“ konnten die Nutzer des Portals dabei helfen, in einem interaktiven Stadtplan den „Ort des Geschehens“ herauszufinden. Im Kontext des geschilderten Falles sorgte diese prinzipiell spannende Interaktionsmöglichkeit verständlicherweise für Unmut.

6. Oktober 2010

Medienselbstkritik aus Nutzerperspektive

Grundlegende Anmerkungen zu den Möglichkeiten und Fallstricken von Programmbeschwerden in Deutschland

Von Leif Kramp, Jörg-Uwe Nieland & Stephan A. Weichert

Die aktuelle Debatte um die Notwendigkeit und Grenzen des Datenschutzes verweist auf eine Kluft zwischen dem Verhalten der Mediennutzer und den Anforderungen des Verbraucherschutzes und der Medienpolitik. Unsere Alltagserfahrungen sowie die Ausreden der Politik und die Geschäftsmodelle zahlreicher Unternehmen liefern dafür Belege. Die Kommunikationswissenschaft aber hat grundlegender zu fragen nach dem Bedingungs- und Ergänzungsverhältnis zwischen Publikum, institutioneller Medienkritik und der Medienpolitik, denn erst durch die diskursive Thematisierung von Publikumsinteressen kann in der breiten Öffentlichkeit eine ausreichende Resonanz für Medienselbstkontrolle entfaltet werden. Eine solche Resonanz könnte das bestehende System aus Selbst- und Ko-Regulierung ergänzen.

6. Oktober 2010

Eine gewisse Skepsis

Potenziale von Medienblogs zwischen Qualitätssicherung und PR

Von Kristina Wied

Unter der Überschrift „Der neue Ricken ist der alte Ricken“ verweist „Bildblog“ am 11. August 2010 um 13.14 Uhr auf einen Fehler in einem Bericht der „Bild“-Zeitung. Nur knapp zwei Stunden später meldet das Medien-Watchblog weiter: „Bei Bild.de sind Rickens Alter und der Satz über den ‚jüngsten Dortmunder Erstliga-Spieler‘ inzwischen unauffällig korrigiert worden.“ Das öffentliche Anprangern der unpräzisen Berichterstattung war erfolgreich; es hat zu einer raschen Korrektur der Ungenauigkeit geführt.

6. Oktober 2010

Zwischen Ethik und Profit

CSR in Medienunternehmen: ein zentraler Bestandteil gelingender Medienselbstkontrolle

Von Matthias Karmasin

CSR hat Hochkonjunktur. Nicht erst seit der „Finanzkrise“ – aber seitdem wohl besonders intensiv – wird das Verhältnis von Profit und Ethik unter Begriffen wie „corporate social responsibility, corporate citizenship, corporate philanthropy, corporate giving, corporate community involvement, community relations, community affairs, community development, corporate responsibility, global citizenship, and corporate social marketing“ (Kotler/Lee 2005: 2) abgehandelt. Es geht im Kern um eine Antwort auf die grundlegende Frage: „what is business for and what contribution does it make to society“? (Crane et al. 2008: 3f.)

6. Oktober 2010

Zahnloser Tiger oder Exportschlager für Europa?

Das Forschungsprojekt „MediaAcT“ sucht nach Anreizen für Selbstkontrolle

Von Susanne Fengler

Auf dem „zahnlosen Tiger“, den der Deutsche Presserat angeblich darstellt, ist in den vergangenen Jahren von Medienpraxis und Medienforschung in Deutschland so häufig herumgehackt worden, dass man kaum anders kann als Mitleid zu empfinden für diese unglückliche Kreatur. Man sieht ihn förmlich vor sich, wie er einsam durch den Mediendschungel streift. Anstatt Journalisten und Medienmanagern kräftig in die Waden zu beißen, hocken diese feixend hoch oben in den Ästen.