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Journalismus und Nationalsozialismus

29. März 2011

Und?

Editorial

Von Horst Pöttker

Journalismus und Nationalsozialismus. Die Formulierung lässt manches offen. Sind Journalismus und Nationalsozialismus miteinander verbunden, haben sie sich zu einer Firma zusammengetan, J&N? Das wäre nicht völlig verkehrt, weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart. Dass viele Journalisten sich dem NS-Regime aus Überzeugung oder aus Opportunismus angedient haben, lässt sich leider nicht bestreiten. So kritisch ist die Formulierung J&N aber gar nicht gemeint. Wir wollen damit nur anzeigen, dass in diesem Themenheft beide Perspektiven Platz haben. Wie der Journalismus vom Nationalsozialismus in Anspruch genommen wurde, aber auch, wie über den Nationalsozialismus vom Journalismus berichtet wird. Beiden Problemfeldern gewinnen die Autorinnen und Autoren dieser JoJo-Ausgabe unerwartete Aspekte ab.

29. März 2011

Verdrängung, Öffnung, Instrumentalisierung

Was vom Umgang mit der NS-Vergangenheit über den Nachkriegsjournalismus zu lernen ist

Von Horst Pöttker

Keine andere Gesellschaft hatte einer so fürchterlichen eigenen Vergangenheit ins Auge zu blicken wie die deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn professioneller Journalismus die Selbstbeobachtung der Gesellschaft in Form von unabhängiger Fremdbeobachtung ist, wie Siegfried Weischenberg sagt, dann muss vom Umgang des deutschen Nachkriegsjournalismus mit der NS-Vergangenheit einiges zu lernen sein – sowohl über die Entwicklung der deutschen Nachkriegsgesellschaft als auch über die Professionalität ihres Journalismus. Wie sind die Journalisten der Bundesrepublik mit dem NS-Regime und seinen monströsen Verbrechen umgegangen?

29. März 2011

Zwischen den Weltkriegen

Zum Wandel des Pressejournalismus im Nationalsozialismus

Von Gabriele Toepser-Ziegert

Die Presselandschaft der Weimarer Republik war geprägt durch die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs. 1914 wurde auf Drängen der damaligen Obersten Heeresleitung (OHL) eine zentrale Pressekonferenz eingerichtet, die sicherstellte, dass die Pressevertreter einheitliche, also gleichlautende Informationen bekamen. In den Jahren zuvor hatte sich jeder Journalist seine Informationsquellen in den einzelnen staatlichen Stellen gesichert, die für ihn von Bedeutung waren. So konnten Unterschiede in der Informations- und Interessensituation der ministeriellen Öffentlichkeitsarbeiter ausgenutzt werden. Je nach politischer Ausrichtung konnten die Zeitungen ein deutlich geschärftes Profil für ihre Leserschaft entwickeln und somit den Wettbewerb verstärken.

29. März 2011

Im Schatten von Joseph Goebbels

Otto Dietrich war einer der ranghöchsten Vertreter im Propagandaministerium

Von Stefan Krings

Otto Dietrich war „Reichspressechef der NSDAP“, SS-Obergruppenführer und als „Pressechef der Reichsregierung“ einer der ranghöchsten Vertreter des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda. Mehr als 13 Jahre gehörte er zum engsten Stab Adolf Hitlers. In der kommunikationshistorischen Forschung blieben seine Person und sein Status im NS-Machtapparat allerdings jahrzehntelang von der Überpräsenz des Propagandaministers Goebbels überschattet. Was steckte hinter Dietrichs Ämtern und seiner Nähe zum „Führer“? Wie groß war sein Einfluss tatsächlich?

29. März 2011

Derricks Erfinder fesselte schon die Hitlerjugend

Die große Frage nach der Mitschuld am Hitler-Regime hat sich Herbert Reinecker nie stellen lassen

Von Christina Kiesewetter

Es wird Herbert Reineckers letzter Artikel als SS-Kriegsberichter sein. In seiner Autobiografie erinnert sich der Derrick-Autor 1990 an die Aufmachung „Völker, höret die Signale…!“ im SS-Blatt „Das Schwarze Korps“ vom 5. April 1945: „Ich weiß heute nicht mehr den genauen Wortlaut, aber es stand darin, daß der Krieg verloren sei (…) Goebbels reagierte mit äußerster Schärfe: Wer hat den Artikel geschrieben, der Verfasser muß zur Verantwortung gezogen werden.“ Es ist eine der seltenen Stellen, an denen Reinecker in seiner sehr vage gehaltenen Biografie auf Details seiner Karriere im Nationalsozialismus eingeht. Wohl deshalb, weil diese Anekdote ihn nicht als überzeugten Schreibtischtäter, sondern als distanzierten Journalisten erscheinen lässt.

29. März 2011

Produkte der Krise

Warum die Auseinandersetzung mit der Publizistik des Exils höchst aktuell ist – eine Verteidigungsrede

Von Gaby Falböck

Die Exilforschung hat ihr konjunkturelles Hoch längst überschritten. Repliziert man heute auf die Frage nach den wissenschaftlichen Arbeitsgebieten mit dem Hinweis auf den Journalismus des Exils, erntet man entweder Desinteresse oder Unverständnis: Die Felder sind längst bestellt, die biografischen Studien und Monografien zu den prominenten Emigranten und deren Werk geschrieben, die Nachlässe scheinen gehoben, die Zahl der lebenden Zeitzeugen schwindet. Also: Cui bono Exilforschung?

29. März 2011

Achtsamkeit – Grundzüge eines integralen Journalismus

Leitwerte zur Fortführung der Qualitätsdebatte auf der Ebene der Tiefenkultur

Von Claus Eurich

Über das Alltagsverständnis hinausgehend, haben Begriff und Bedeutung von „Achtsamkeit“ in den letzten Jahrzehnten eine steile Karriere erlebt. Die Verbreitung buddhistischer Philosophie/ Spiritualität im Westen hat daran einen entscheidenden Anteil, aber auch die Integration von Achtsamkeitskonzepten in Medizin, Psychotherapie, Pädagogik und Führungshandeln. Eine transdisziplinär verbindliche Definition von Achtsamkeit/Mindfullness gibt es zwar nicht, doch lassen sich einige zentrale Eckwerte markieren, die über Einzelsichtweisen hinausgehend allgemeine Akzeptanz finden.

29. März 2011

Kooperation kann sich auszahlen

Auswirkungen des gemeinsamen Newsdesks auf Qualität und Vielfalt in der Mantelberichterstattung von WAZ, NRZ und WR

Von Lars Rinsdorf

Große Verlagsgruppen wie der Axel-Springer-Verlag oder die Mediengruppe DuMont Schauberg verzahnen in jüngster Zeit die bisher eigenständigen Redaktionen ihrer Zeitungstitel enger miteinander. Auch die WAZ-Gruppe hat 2009 für ihre Ruhrgebietstitel NRZ, WAZ und „Westfälische Rundschau“ (WR) einen gemeinsamen Newsdesk (Contentdesk) für die Mantelberichterstattung eingerichtet. Die Kooperation zwischen Redaktionen hat sich also längst zu einem Trend entwickelt. Damit gewinnt auch die Frage an Bedeutung, wie sich redaktionelle Kooperationen auf die Produktqualität der beteiligten Titel auswirken.