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Journalismus international

19. April 2013

Zahnlos und lahm?

Die traditionelle Medienselbstregulierung steht in der Kritik – zu Recht? Ein internationales Forschungskonsortium gibt Antworten

Von Susanne Fengler & Tobias Eberwein

Als auf der jüngsten Jahrestagung des Netzwerks Medienethik Journalisten und Medienforscher zusammenkamen, um über die Perspektiven der Medienselbstregulierung zu diskutieren, da schien es, als hätte für den Deutschen Presserat das letzte Stündchen geschlagen. Zwar ist es keine neue Kritik, dass die Wirksamkeit von Presse- und Medienräten als Instrumente der journalistischen Qualitätssicherung mitunter zu wünschen übrig lässt. Immer wieder werden derartige Institutionen als „zahnlose Tiger“ verlacht, die mit ihren Hinweisen auf journalistische Fehltritte zwar ein wichtiges Ziel verfolgen, in der Praxis jedoch oft ohne spürbare Resonanz bleiben. Dieses Problem habe sich durch den digitalen Umbruch jedoch noch einmal verschärft, mahnte der Medienjournalist Thomas Mrazek im Rahmen einer Podiumsdiskussion. „Der Deutsche Presserat kommt angesichts der Dynamik der Netz-Kommunikation nicht mehr mit. Im digitalen Spielfeld ist er außen vor. Seine Arbeitsweise ist viel zu langsam und behäbig.“ Meist reagiere er auf Beschwerden erst nach Monaten. Ist der Presserat also nicht nur ein zahnloser, sondern auch ein „lahmer Tiger“?

29. März 2012

Die regionale Lücke

Europäische Öffentlichkeit ist zu einem Trendthema in der Medienforschung geworden. Das eigentliche Massenmedium wurde dabei aber kaum betrachtet: die Regionalzeitung.

Von Torsten Schäfer

Das Forschungsfeld der europäischen Öffentlichkeit hat sich rasant entwickelt. Doch Regionalzeitungen wurde dabei kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei ist ihr Potenzial zur Europäisierung der Öffentlichkeit, und damit zur Reduktion des Öffentlichkeits- und Demokratiedefi­zits der Europäischen Union, besonders groß: Die Regionalpresse ist das eigentliche Massenmedium; zwei Drittel der Deutschen nutzen sie als tägliche Informationsquelle. Und diese Mediengattung berichtet dort, wo die EU-Politik oft direkt Wirkung zeigt: in der Region, in Kreisen und Kommunen. Vor diesen Hintergründen schien es geboten, die Entstehungsbedingungen der regionalen EU-Berichterstattung zu erkunden und offen zu legen.

29. September 2011

Kaum Transparenz im WWW

Wie europäische Medien ihr Publikum online an redaktionellen Prozessen teilhaben lassen – Ergebnisse einer international vergleichenden Studie

Von Tina Bettels, Susanne Fengler, Andreas Sträter & Mariella Trilling

Journalismusforscher fordern, dass Redaktionen und Journalisten Transparenz über ihre redaktionellen Entscheidungen herstellen, um die Glaubwürdigkeit ihrer Publikationen zu erhöhen und die Rolle der Medien in der Gesellschaft zu legitimieren. In der Wissenschaft wird zum einen danach gefragt, ob Medien ihre Verantwortung zur Selbstkontrolle hinreichend wahrnehmen, und ob sie ihr Publikum zum anderen in ausreichendem Maße an redaktionellen Prozessen teilhaben lassen. Nach Klaus Meier sollte „eine Redaktion möglichst viel Licht in ihre Strukturen und Prozesse lassen, die Berichterstattungsbedingungen offen legen, Quellen angeben und die Güte und Eigeninteressen der Quellen diskutieren, Fehler eingestehen und offen korrigieren“, um ihren Nutzern zu ermöglichen, die Qualität journalistischer Produkte besser einschätzen zu können. Auf diese Weise könne das Vertrauen in Journalismus gestärkt werden; in einer Zeit, in der Journalisten im Netz immer stärker mit nicht-journalistischen Anbietern – von Plattformen über Wikis bis hin zu Bürgerjournalisten – um die Aufmerksamkeit der Nutzer konkurrieren.

28. September 2007

Eine neue Chance für die Pressefreiheit

Zur Entwicklung des Mediensystems in der Ukraine

von Marina Sverdel

Die Bilder gingen um die Welt. Wochenlang säumten Ende 2004 in Orange gekleidete Menschen die Straßenzüge ukrainischer Städte. Die Landeshauptstadt Kiev und ihr Unabhängigkeitsplatz wurden zum sinnbildlichen Versammlungsort der Massenproteste. Die Demonstranten waren Oppositionsanhänger, die gegen die für sie offensichtlichen Fälschungen nach den Präsidentschaftswahlen des Jahres skandierten.

15. April 2007

„Free Africa“ – und was ist mit der Presse?

Kritische Journalisten haben es in Südafrika schwer

Von Sonja Kretzschmar

„50 Morde jeden Tag in Südafrika – und Johannesburg ist die Hauptstadt des Verbrechens weltweit.“ Da war es wieder, das hässliche Bild von Südafrika – ausgestrahlt in einer Dokumentation auf BBC World am Abend des 7. Februar 2007.

15. April 2006

Kaum Spielraum für Eigeninitiative

dpa-Journalisten in Brüssel stehen vor vielen Barrieren

Von Torsten Schäfer

„If we go away, they don’t exist.“ Diesen Satz warf eine Reuters-Korrespondentin wütend ihren Brüsseler Agenturkollegen entgegen. Mehr als eine Stunde hatten sie vor dem EU-Ministerratsgebäude vergeblich auf die europäischen Agrarminister gewartet – in der Hoffnung, vor Beginn der Sitzung noch ein Statement einzufangen. Der spontane Ausbruch der Korrespondentin weist auf die herausragende Stellung hin, die Nachrichtenagenturen im Mediensystem zukommt: Agenturen setzen die Agenda, indem sie an vorderster Stelle Informationen sammeln und anderen Medien bereitstellen. Nachrichten, die sie auswählen, prägen unser Verständnis vom Weltgeschehen.