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Journalismus und Recht

7. Oktober 2012

Alles, was Recht ist

Editorial

Von Tobias Eberwein

„Ich glaube, wir können Juristen in die Kategorie der Monster einreihen“, räsonierte einst der englische Lyriker John Keats – und es gibt wohl auch heute nicht wenige Menschen, die der Juristerei mit einem Grundgefühl des Unbehagens begegnen. Zu hermetisch erscheint häufig die Sprache des Rechts, zu undurchdringlich der Dschungel unterschiedlicher Paragraphen und Gesetzestexte. Dieses Unbehagen ist auch unter Medientreibenden weit verbreitet. Leider, denn eigentlich müssten gerade Journalisten ein gesteigertes Interesse an rechtlichen Zusammenhängen haben. Sie bilden – im Falle der Gerichtsberichterstattung – ein wichtiges Themenfeld journalistischer Arbeit. Mehr noch: Sie stellen sogar eine wesentliche Grundlage dieser Arbeit dar, sei es indem sie dem Journalisten besondere Rechte bei der Informationsbeschaffung einräumen – oder indem sie die öffentliche Aufgabe der Massenmedien grundsätzlich legitimieren.

7. Oktober 2012

Was will der lokale Leser?

Ergebnisse einer crossmedialen Fallstudie

Von Daniel Süper

Um sich anno 2012 ein zustimmendes Nicken vor lokaljournalistischem Fachpublikum zu verschaffen, verspricht eine These besonderen Erfolg: Im Ringen um die knappe Aufmerksamkeit des Publikums seien dessen Vorlieben und Interessen stärker als in der Vergangenheit zu berücksichtigen. Das klingt wohlfeil – und ist faktisch schwer von der Hand zu weisen. Denn in der Tat hat sich die deutsche Rezeptionsforschung – sei sie privatwirtschaftlicher oder akademischer Natur – über Jahre und Jahrzehnte nur recht randständig mit lokalen Lesern, Nutzern, Zuschauern oder Hörern beschäftigt. Unter dem Eindruck wachsender ökonomischer Zwänge – und demokratietheoretischer Implikationen – scheint das Forschungsinteresse in jüngster Zeit spürbar belebt und das „Lokale“ eine gewisse Renaissance auf Podien und in schriftlichen Veröffentlichungen zu erfahren.

7. Oktober 2012

„Mitmach-Medium Internet“: Die Macher im Dialog mit den Usern?

Eine Untersuchung professioneller News-Angebote

Von Birgit Stark

Das „Mitmach-Medium Internet“ ist nach wie vor in aller Munde. Als Schlüsselwort und Kennzeichen neuer Informations- und Kommunikationstechnologien prägt es den Diskurs seit Jahrzehnten: Konsumenten werden zu Prosumenten oder – mit den Worten von Axel Bruns – Prosumer werden zu Produsern. Diese konsumieren nicht nur Informationen im Netz, sondern produzieren und verteilen sie auch selbst. Dabei tauchen immer wieder neue Varianten nutzergesteuerter Inhalte auf digitalen Medienplattformen auf. Mittlerweile werden die verschiedenen Möglichkeiten der Partizipation sehr weit und kontrovers diskutiert. Auch die Begriffszuweisungen variieren stark, Schlagwörter wie „User Generated Content“, „Citizen Journalism“ oder „Partizipativer Journalismus“ finden sich in der Fachliteratur.

7. Oktober 2012

Justizberichterstattung in Forschung und Lehre

Ein Überblick

Von Udo Branahl

Justiz ist ein Teil der Staatsgewalt. Deshalb liegt es nahe, die Funktionen, die den Medien zugeschrieben werden, auch auf die Berichterstattung über die Judikative anzuwenden. Dementsprechend sollte die Justizberichterstattung das Publikum idealiter über die Tätigkeit der Gerichte informieren, soweit diese für die öffentliche Meinungsbildung von Bedeutung ist oder die Rezipienten die Information benötigen, um ihr eigenes Verhalten auf die durch die Justiz bestimmte Rechtslage einzustellen, Entscheidungen der Justiz und die Rahmenbedingungen, unter denen sie getroffen werden, öffentlich zur Diskussion zu stellen und kritisch zu begleiten und damit Chancen zu einer allgemeinen Kommunikation über Recht zu eröffnen. Zu klären, inwieweit die vorfindliche Justizberichterstattung diese Aufgaben erfüllt, und Vorschläge dafür zu entwickeln, wie sie sie unter den Bedingungen der journalistischen Praxis möglichst gut erfüllen kann, ist meines Erachtens die zentrale Aufgabe der Journalistik auf diesem Feld.

7. Oktober 2012

Komplexe Medienwirkungen

Zum Einfluss der Medien auf Strafverfahren

Von Hans Mathias Kepplinger

Im Februar 2004 verurteilte das Amtsgericht Karlsruhe den Versuchsingenieur Rolf Fischer in einem Indizienprozess wegen fahrlässiger Tötung zu 18 Monaten Haft ohne Bewährung. Er war für schuldig befunden worden, mit seinem Wagen die Fahrerin eines Kleinwagens bedrängt und dadurch den Tod der Fahrerin und ihrer Tochter verur­sacht zu haben. Vorangegangen war eine beispiellose Kampagne einiger Medien gegen den so genannten „Autobahnraser“. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im deutschen Anwaltsverein, Hans-Jürgen Gebhardt, hielt die Höhe der Strafe für „erstaunlich“. Es sei „nicht auszuschließen, dass öffentlicher Druck eine wichtige Rolle gespielt hat“. Zur Begründung führte er aus, dass „nach Alkohol-Unfällen selbst mit Todesfolge im Allgemeinen Bewährungsstrafen verhängt werden“.

7. Oktober 2012

Ist ein „Leistungsschutzrecht“ für Presseverlage sinnvoll?

Zur Notwendigkeit der Entwicklung eines publizistischen Wettbewerbsrechts

Von Karl-Heinz Ladeur

Die Bundesregierung hat Ende August einen Gesetzentwurf zum so genannten Leistungsschutzrecht für Presseverlage verabschiedet. Ziel ist es, Verleger von Zeitungen und Zeitschriften in ihrer Wertschöpfung im Internet zu schützen. Zuvor ist insofern eine Gefährdungslage eingetreten, weil von Suchmaschinenbetreibern organisierte Nachrichtendienste wie Google News automatisiert – also ohne menschliche Bearbeitung – auf Titel und Auszüge von Nachrichten zugreifen. Viele Nutzer des Dienstes begnügen sich dabei bereits mit einem Blick auf die bei Suchmaschinen wie Google News verfügbaren Ausschnitte. Wer dagegen die Beiträge ganz lesen möchte, klickt auf eine Titelzeile und wird direkt auf die entsprechende Seite geleitet. Das geschieht regelmäßig unter Umgehung von Werbung, da diese sich meist alleine auf der Einstiegsseite der Online-Zeitungsangebote befindet.

7. Oktober 2012

Digitale Anker

Zur Bedeutung von Medienrechtsblogs

Von Lars Harden

Der englische Schriftsteller Michael Frayn hat kürzlich gesagt: „Die echte Welt ist eigentlich ein komplexes Gewirr von verschiedenen Strängen, und das ist schon schwer, sich dem direkt auszusetzen“. So mag es einem auch mit dem Internet gehen oder z. B. mit der Juristerei, oder genauer mit dem Medienrecht. Denn Rechtsexperten pflegen eine Fachsprache, die schwer zugänglich ist. Am besten verstehen sie sich – manchmal – untereinander. Viele von ihnen erkennen jedoch zunehmend Bedarf, sich der Öffentlichkeit zuzuwenden. Das können wir u. a. daran sehen, dass inzwischen nicht nur Anwälte medienwirksam die von ihnen betreuten Prozesse kommentieren, sondern auch Staatsanwälte. Ein Teil dieser verstärkten Zuwendung zur Öffentlichkeit oder zumindest zur Teilöffentlichkeit der Internetnutzer zeigt sich in der so genannten „Blawgosphäre“.