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Sportjournalismus

15. Oktober 2004

Auf dem Weg zu einer zeitgemäßen Selbstkontrolle

Editorial

Vorn Horst Pöttker

poettker_web1.jpgLiebe Kolleginnen und Kollegen, alles fließt, auch der Journalismus. Wie stark er sich gewandelt hat, lässt sich besonders gut an seinem Verhältnis zum Sport studieren, dem sich diese Ausgabe des Journalistik Journals widmet. Veränderungen betreffen die journalistische Tätigkeit und die Anforderungen an diejenigen, die sie ausüben: Musste ein Sportjournalist früher vor allem von der Sache etwas verstehen, vielleicht sogar selbst Leistungssportler (gewesen) sein, sind heute Sinn für „human interest“ und kommunikative Kompetenzen gefragt. Veränderungen betreffen aber auch die Abgrenzung des Journalismus von anderen Tätigkeiten: Die Ränder des Berufs fransen aus; kann man, was die Stadionzeitschriften der Fußball-Bundesligavereine bieten, mit gutem Gewissen noch Journalismus nennen, oder ist es schon Öffentlichkeitsarbeit, wenn nicht Werbung?

15. Oktober 2004

Floskeln, Wortballons und Sensationsmache

Sportreporter kämpfen mit Vorurteilen der Kollegen

Von Marlene Stube

Foto: Stefan SchwenkeSchon Mitte der 1970er Jahre stellte der heutige Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg fest, dass Sportjournalisten im Allgemeinen in der Gesamtredaktion nicht ernst genommen werden und auch bei den Rezipienten ein schlechtes Ansehen besitzen. Befragungen zufolge sehen sich die Sportjournalisten den Vorurteilen der Kollegen ausgesetzt und fühlen sich als Außenseiter des Berufs. Ein Grund dafür ist, dass Journalisten immer mit einer Vorgeschichte in eine Redaktion einsteigen. Im Sportressort liegt die formale Ausbildungsqualität zwar über der im Ressort Lokales, zum Teil aber deutlich unter der in anderen Mantelressorts. Während etwa 38 Prozent der Sportjournalisten ausschließlich ein Volontariat absolviert haben, sind das in der Gruppe aller Journalisten nur etwa 20 Prozent. Von der Gesamtheit aller Journalisten haben ferner etwa 41 Prozent Studium und Volontariat abgeschlossen, im Sportressort sind das rund acht Prozent weniger.

15. Oktober 2004

Tränen, Schweiß und Jubel: Ein Bild von einem Athleten

Wie in der Sportfotografie Helden inszeniert werden

Von Christoph Bertling

Sportbilder sind wenig erforscht und doch überall präsent. Ohne sie wäre der Sport in den Massenmedien nicht denkbar und doch scheint ihr Schicksal wie das der Kommunikation: Sie sind einfach da, alltäglich und damit leicht zu unterschätzen.

15. Oktober 2004

Lockruf der Glamour-Welt: Nackte Haut als Türöffner

Gesicht und Körper gehören zur Vermarktungsstrategie

Von Ulrike Spitz

Foto: Stefan SchwenkeNatürlich war es ein gefundenes Fressen. „Unser Superweib“ titelte die Bildzeitung, nachdem die 42 Jahre alte Birgit Fischer, Mutter von zwei fast erwachsenen Kindern, in Athen ihre insgesamt achte Goldmedaille seit ihren ersten Olympischen Spielen 1980 im Kanufahren gewonnen hatte.

Wobei die Schlagzeile der Boulevardzeitung, wie vorangegangene Texte über die „Gold-Mama“ und „Olympia-Königin“ auch, durchaus Respekt und Anerkennung der sportlichen Leistung Fischers durchblicken ließ. Das ist vielleicht die gravierendste Veränderung, die die Darstellung von Sportlerinnen in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren durchlaufen hat: Es ist nicht mehr allein die äußere Erscheinung, die wahrgenommen wird und berichtenswert erscheint, sondern tatsächlich auch die Leistung. Mit Betonung auf auch. Denn natürlich werden sporttreibende Frauen in vielen Medien, vor allem dem Boulevard, noch immer stärker als ihre männlichen Kollegen über den Körper definiert.

15. Oktober 2004

Der Mediensport und seine ästhetischen Vorstellungen

Sind die Paralympics ohne Erotik unverkäuflich?

Von Thomas Schierl

Foto: Stefan SchwenkeIn der Sportberichterstattung finden die Paralympics im Gegensatz zu den Olympischen Spielen nur wenig Beachtung. Dies ist vor allem in den Printmedien zu beobachten.

Die Berichterstattung über die Weltspiele der Behinderten unterscheidet sich aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ von der Berichterstattung über andere internationale Sportereignisse. Doch was für Gründe lassen sich für das weitestgehende mediale Desinteresse an den Behindertenspielen anführen? Gibt es generelle Tendenzen in der Sportberichterstattung, die Randsportarten sowie Paralympics nicht mehr als wertvolles Informations- bzw. Unterhaltungsgut gelten lassen und somit auch dementsprechend von Redaktionen nicht weiter vermittelt werden?

15. Oktober 2004

Rätsel und Gewinnspiele verlängern die Werbezeiten

Zur Refinanzierung teurer Rechte

Von Thorsten Schauerte

Foto: Wilfried Witters/Sat.1Aufgrund der strukturellen Veränderungen des Mediensystems und der gestiegenen wirtschaftlichen Bedeutung des gesamten Sportsektors haben sich die Erscheinungsformen des Sportjournalismus und die Anforderungen an ihn in den letzten Jahren gewandelt. In der mittlerweile fast ausschließlich ökonomisierten Medienlandschaft und in der zunehmend mediatisierten Sportlandschaft ist eine Symbiose aus Medien, Sport und werbetreibender Wirtschaft entstanden, deren gemeinsame Handlungsintention auf eine breite Publizität ihrer selbst zielt. Dadurch hat die Sportberichterstattung, wie kaum ein anderes Genre, in ihrer Leistungserbringung einen Spagat zwischen publizistischem Auftrag und wirtschaftlichen Interessen zu bewältigen.