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19. April 2013

Wenn das Leben aus den Fugen gerät

Einführung in die Psychotraumatologie für Journalisten

Von Thomas Weber & Monika Dreiner

Gewaltverbrechen, Unfälle oder Naturkatastrophen hinterlassen oftmals nicht nur die direkt Betroffenen in einer Schocksituation, sondern führen in weiten Teilen der Öffentlichkeit zu massiven Gefühlen der Verunsicherung. Bei Betroffenen führt das Ereignis häufig zu einer Zerrüttung des Selbst- und Weltverständnisses. Das Leben kann aus den Fugen geraten. Das Sicherheitsgefühl der Betroffenen und der Umgebung wird nachhaltig zerstört. Insbesondere die von Menschen verursachten Desaster („Man-made-disas­ter“) führen auf etlichen gesellschaftlichen Ebenen zu verbreiteten Gefühlen der absoluten Ohnmacht und Hilflosigkeit.

19. April 2013

Journalisten als Sekundäropfer

Letztorientierungen für die Berichterstattung in Extremsituationen

Von Claus Eurich

Als blutjunger Student und Aushilfsreporter bei einer Regionalzeitung bat mich der Lokalchef an einem Nachmittag, mit dem Redaktionswagen an den Ort eines schweren Verkehrsunfalls zu fahren, die Fakten zu checken, vor allem aber Fotos zu machen. Ich möge mich etwas beeilen und den Redaktionsschluss im Hinterkopf behalten. Es war Winter, der Ort des Geschehens ca. 20 km entfernt, an einer abgelegenen Stelle eines hessischen Mittelgebirges. Auf verschneiten und glatten Straßen war ich viel zu schnell unterwegs, nur den Auftrag im Kopf. Dann der Unfallort; zwei Tote auf der Straße, der Leichenwagen traf gerade ein, die Polizisten, die nicht selber fotografierten, sondern dies meistens der Presse überließen, baten mich, möglichst viele Fotos zu schießen zur Dokumentation und Auswertung. Es waren die ersten toten Menschen, die ich in meinem Leben sah, völlig unvorbereitet, mit der Kamera in der Hand, ganz nah dran, eigentlich wie ein Roboter knipsend.

19. April 2013

Momente, die man nie vergisst

Ein Blick zurück auf den 25. Juli 2010 – den Tag, als die Loveparade zum Desaster wurde

Von Andreas Sträter

Es gibt Tage, die man nicht vergisst. Es gibt Minuten, die man nicht vergisst. Und manchmal sogar Sekunden. Innerhalb von Sekunden kann sich die Welt verändern. Am 25. Juli 2010 gab es einen solchen Moment, der den Tag in eine Richtung gedreht hat, mit der nicht zu rechnen war. Ich war auf der Loveparade. Ich habe als Reporter über diese knallbunte Party im Ruhrgebiet berichtet. Und bis etwa 17.45 Uhr ist sie für mich genau das: eine Techno-Fete mit lauten, pumpenden Beats, mit lustigen, herumwippenden Typen in neonpinken Latzhosen – und viel nackter Haut. Um 17.46 Uhr wird die Party zum Desaster. Menschen werden zu Tode getrampelt, weil sie feiern wollten.

19. April 2013

Todesopfer als Normalfall

Zur gesellschaftlichen Bedeutung des Journalismus in Kriegszeiten

Von Florian Zollmann

Die klassische Maxime von John Stuart Mill, dass die „Freiheit der Presse“ eine Sicherung gegen „korrupte oder tyrannische“ Regierungen ist, hat auch heute nicht an Relevanz eingebüßt. So besteht die wohl wichtigste Funktion des Journalismus darin, politische Entscheidungen zu überprüfen. In gegenwärtigen demokratischen Gesellschaften ist der Handlungsspielraum der Bürger im Wesentlichen auf Wahlen beschränkt. Indem der Journalismus kritische Informationen bereitstellt, ermöglicht er den Bürgern die für politisches Handeln notwendige Meinungsbildung. Außerdem kann Journalismus zeitnah auf Missstände aufmerksam machen und dadurch juristische oder parlamentarische Untersuchungen anregen. Dieses demokratische Kontrollrecht der Öffentlichkeit übt der Journalismus im Namen der Bürger aus.

19. April 2013

Warum Journalisten ausbrennen…

Eine aktuelle Studie zeigt die Ursachen von Burnout im Medienbereich auf

Von Annelen Geuking

„Fast ein Jahr lang hatte ich bei der Arbeit das Gefühl, dass mir jemand im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken sitzt und die Luft abpresst“, sagt die Journalistin Claudia Frank (Name von der Redaktion geändert). Monatelang arbeitete sie in einer Redaktion, in der sie keine Art von Wertschätzung für ihre Arbeit verspürte, in der Überstunden scheinbar zum guten Ton gehörten und deren Arbeitsbedingungen ihr letztlich den Schlaf raubten: „Ich konnte weder einschlafen noch habe ich mal eine Nacht durchgeschlafen. Ich fühlte mich immer, als hätte ich nachts einen Marathon absolviert, überhaupt nicht ausgeruht“, sagt sie. Körperliche Beschwerden kamen hinzu, ständig spontane Tränen, eine absolute Gereiztheit und schließlich das Gefühl, nichts mehr auf die Reihe zu bekommen. Am Ende dann die Krankschreibung und eine sechsmonatige Behandlung in einer Reha-Klinik wegen eines Burnouts.

7. Oktober 2012

Justizberichterstattung in Forschung und Lehre

Ein Überblick

Von Udo Branahl

Justiz ist ein Teil der Staatsgewalt. Deshalb liegt es nahe, die Funktionen, die den Medien zugeschrieben werden, auch auf die Berichterstattung über die Judikative anzuwenden. Dementsprechend sollte die Justizberichterstattung das Publikum idealiter über die Tätigkeit der Gerichte informieren, soweit diese für die öffentliche Meinungsbildung von Bedeutung ist oder die Rezipienten die Information benötigen, um ihr eigenes Verhalten auf die durch die Justiz bestimmte Rechtslage einzustellen, Entscheidungen der Justiz und die Rahmenbedingungen, unter denen sie getroffen werden, öffentlich zur Diskussion zu stellen und kritisch zu begleiten und damit Chancen zu einer allgemeinen Kommunikation über Recht zu eröffnen. Zu klären, inwieweit die vorfindliche Justizberichterstattung diese Aufgaben erfüllt, und Vorschläge dafür zu entwickeln, wie sie sie unter den Bedingungen der journalistischen Praxis möglichst gut erfüllen kann, ist meines Erachtens die zentrale Aufgabe der Journalistik auf diesem Feld.

7. Oktober 2012

Komplexe Medienwirkungen

Zum Einfluss der Medien auf Strafverfahren

Von Hans Mathias Kepplinger

Im Februar 2004 verurteilte das Amtsgericht Karlsruhe den Versuchsingenieur Rolf Fischer in einem Indizienprozess wegen fahrlässiger Tötung zu 18 Monaten Haft ohne Bewährung. Er war für schuldig befunden worden, mit seinem Wagen die Fahrerin eines Kleinwagens bedrängt und dadurch den Tod der Fahrerin und ihrer Tochter verur­sacht zu haben. Vorangegangen war eine beispiellose Kampagne einiger Medien gegen den so genannten „Autobahnraser“. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im deutschen Anwaltsverein, Hans-Jürgen Gebhardt, hielt die Höhe der Strafe für „erstaunlich“. Es sei „nicht auszuschließen, dass öffentlicher Druck eine wichtige Rolle gespielt hat“. Zur Begründung führte er aus, dass „nach Alkohol-Unfällen selbst mit Todesfolge im Allgemeinen Bewährungsstrafen verhängt werden“.

7. Oktober 2012

Ist ein „Leistungsschutzrecht“ für Presseverlage sinnvoll?

Zur Notwendigkeit der Entwicklung eines publizistischen Wettbewerbsrechts

Von Karl-Heinz Ladeur

Die Bundesregierung hat Ende August einen Gesetzentwurf zum so genannten Leistungsschutzrecht für Presseverlage verabschiedet. Ziel ist es, Verleger von Zeitungen und Zeitschriften in ihrer Wertschöpfung im Internet zu schützen. Zuvor ist insofern eine Gefährdungslage eingetreten, weil von Suchmaschinenbetreibern organisierte Nachrichtendienste wie Google News automatisiert – also ohne menschliche Bearbeitung – auf Titel und Auszüge von Nachrichten zugreifen. Viele Nutzer des Dienstes begnügen sich dabei bereits mit einem Blick auf die bei Suchmaschinen wie Google News verfügbaren Ausschnitte. Wer dagegen die Beiträge ganz lesen möchte, klickt auf eine Titelzeile und wird direkt auf die entsprechende Seite geleitet. Das geschieht regelmäßig unter Umgehung von Werbung, da diese sich meist alleine auf der Einstiegsseite der Online-Zeitungsangebote befindet.

7. Oktober 2012

Digitale Anker

Zur Bedeutung von Medienrechtsblogs

Von Lars Harden

Der englische Schriftsteller Michael Frayn hat kürzlich gesagt: „Die echte Welt ist eigentlich ein komplexes Gewirr von verschiedenen Strängen, und das ist schon schwer, sich dem direkt auszusetzen“. So mag es einem auch mit dem Internet gehen oder z. B. mit der Juristerei, oder genauer mit dem Medienrecht. Denn Rechtsexperten pflegen eine Fachsprache, die schwer zugänglich ist. Am besten verstehen sie sich – manchmal – untereinander. Viele von ihnen erkennen jedoch zunehmend Bedarf, sich der Öffentlichkeit zuzuwenden. Das können wir u. a. daran sehen, dass inzwischen nicht nur Anwälte medienwirksam die von ihnen betreuten Prozesse kommentieren, sondern auch Staatsanwälte. Ein Teil dieser verstärkten Zuwendung zur Öffentlichkeit oder zumindest zur Teilöffentlichkeit der Internetnutzer zeigt sich in der so genannten „Blawgosphäre“.

29. März 2012

Partizipativer Journalismus

Eine Einführung in Begriff und Gegenstand

Von Sven Engesser

Beim Partizipativen Journalismus (oder Bürgerjournalismus) be­teiligen sich Menschen an der Herstellung von Medienöffentlichkeit, ohne damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dieses Phänomen ist im Prinzip nichts Neues. So offenbart ein Blick in die Mediengeschichte mehrere Hochphasen des Partizipativen Journalismus, z. B. zur Zeit der Französischen Revolution, der Weimarer Republik und der Neuen Sozialen Bewegungen in den 1960er und 1970er Jahren. Damals spielte sich der Partizipative Journalismus auf analogen Medienplattformen wie Leserbrief, Hörertelefon und Offenen Kanälen ab. In diesen Blütezeiten waren die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen besonders günstig für die Entwicklung des Partizipativen Journalismus. Auch heutzutage finden sich in vielen demokratischen Industriestaaten wieder derartige Konstellationen.

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