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	<title>Journalistik Journal</title>
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		<title>Mitmachen!</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 20:11:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Editorial]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipativer Journalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Editorial</h3>
<h4>Von Tobias Eberwein</h4>
<img class="alignleft size-full wp-image-774" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2011/09/Eberwein.jpg" alt="" width="100" />Der Begriff Partizipation ist in den vergangenen Jahren zu einem vermeintlichen Zauberwort geworden – nicht nur im politischen Diskurs, sondern auch im Journalismus. Vor dem Panorama der Werbe- und Medienkrise werteten viele Beobachter die st&#228;rkere Einbindung der Nutzer als Wundermittel im Kampf gegen die Erosion redaktioneller Ressourcen. Was genau jedoch unter sinnvoller Nutzerpartizipation zu verstehen ist, blieb vielen der beteiligten Akteure dabei unklar. Viele Verlagsh&#228;user verordneten sich ein „Mitmachen beim Mitmachen“, h&#228;ufig jedoch ohne zielgerichtete Strategie. „Irgendwas 2.0“ nennt Thorsten Quandt derartige Vorst&#246;&#223;e. Liest man seinen Beitrag in dieser Ausgabe des Journalistik Journals, eine pointierte Zusammenfassung einer internationalen Vergleichsstudie zum Status quo des Mitmach-Journalismus, wirkt Partizipation eher wie ein „Plastikwort“, eine jener „sprachlichen Attrappen“ also, die sich  mit Uwe P&#246;rksen auf alles anwenden lassen, im Inneren jedoch leer bleiben. Von Zauber keine Spur!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Editorial</h3>
<h4>Von Tobias Eberwein</h4>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-774" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2011/09/Eberwein.jpg" alt="" width="140" height="210" />Der Begriff Partizipation ist in den vergangenen Jahren zu einem vermeintlichen Zauberwort geworden – nicht nur im politischen Diskurs, sondern auch im Journalismus. Vor dem Panorama der Werbe- und Medienkrise werteten viele Beobachter die st&#228;rkere Einbindung der Nutzer als Wundermittel im Kampf gegen die Erosion redaktioneller Ressourcen. Was genau jedoch unter sinnvoller Nutzerpartizipation zu verstehen ist, blieb vielen der beteiligten Akteure dabei unklar. Viele Verlagsh&#228;user verordneten sich ein „Mitmachen beim Mitmachen“, h&#228;ufig jedoch ohne zielgerichtete Strategie. „Irgendwas 2.0“ nennt <a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=815">Thorsten Quandt</a> derartige Vorst&#246;&#223;e. Liest man seinen Beitrag in dieser Ausgabe des Journalistik Journals, eine pointierte Zusammenfassung einer internationalen Vergleichsstudie zum Status quo des Mitmach-Journalismus, wirkt Partizipation eher wie ein „Plastikwort“, eine jener „sprachlichen Attrappen“ also, die sich  mit Uwe P&#246;rksen auf alles anwenden lassen, im Inneren jedoch leer bleiben. Von Zauber keine Spur!</p>
<p>Das vorliegende <a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?cat=352">Themenheft</a> m&#246;chte dazu beitragen, die Diskussion &#252;ber Partizipation im Journalismus zu systematisieren – und ihr dadurch zu ein wenig mehr Sub­stanz verhelfen. Dazu geh&#246;rt nicht nur eine grunds&#228;tzliche Besch&#228;ftigung mit Begriff und Gegenstand des partizipativen Journalismus, wie <a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=832">Sven Engesser</a> sie anbietet. Dazu geh&#246;rt auch eine Auseinandersetzung mit der historischen Dimension des Themenfeldes. Denn Mitmach-Journalismus ist keineswegs ausschlie&#223;lich an netzbasierte  Anwendungen wie Weblogs, Wikis, Video- oder Netzwerkplattformen gebunden. Wie vor allem Thomas Birkner und Wiebke Loosen zeigen, gab es User Generated Content schon lange vor dem Aufkommen des Web 2.0: „Jahrhunderte der Mediengeschichte w&#228;ren ohne die aktive Partizipation von B&#252;rgern in den Medien gar nicht m&#246;glich gewesen. Im Jahre 1899 bat beispielsweise die Berliner Illustrierte Zeitung ihre Leser darum, Fotos &#8230; einzusenden – bei Ver&#246;ffentlichung gab es daf&#252;r 200 Mark.“ Und auch der klassische Leserbrief, das H&#246;rer-/Zuschauertelefon und die Offenen Kan&#228;le waren (und sind) etablierte Plattformen der Nutzerbeteiligung, die nicht erst auf die Verbreitung des Internets warten mussten, um ihre  unbestrittenen Potenziale unter Beweis zu stellen.</p>
<p>Unbestritten ist allerdings auch, dass die Partizipationsbarrieren durch die technischen M&#246;glichkeiten des Internets heute so niedrig wie nie zuvor sind. Insofern ist es lohnenswert zu analysieren, wie sich die etablierten Instrumente der Publikumsinklusion unter den Bedingungen des Web 2.0 ver&#228;ndern und weiterentwickeln. Die neue JoJo-Ausgabe untersucht dies in verschiedenen Fallstudien: <a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=823">Annika Sehl, Hannah Lobert und Michael Steinbrecher</a> stellen Ergebnisse ihrer Begleitforschung zum partizipativen TV-Lernsender nrwision vor und vergleichen dessen Merkmale mit denen des Social Web. Ilka Lolies er&#246;rtert das diskursive Potenzial von Online-Kommentaren im Vergleich zum herk&#246;mmlichen Leserbrief. <a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=828">Wiebke M&#246;hring</a> diskutiert die besonderen M&#246;glichkeiten der Nutzerbeteiligung im Lokaljournalismus. Und Hanna Jo vom Hofe und Chris­tian Nuernbergk pr&#228;sentieren Befunde einer Redaktionsbefragung zur Nutzung des Microblogging-Dienstes Twitter im professionellen Journalismus.</p>
<p>Zusammengenommen zeigen die Beitr&#228;ge, dass trotz g&#252;nstiger Rahmenbedingungen nach wie vor eine Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit im partizipativen Journalismus klafft. Ebenso geben sie aber zahlreiche Ratschl&#228;ge, wie diesem Missverh&#228;ltnis im Bedarfsfalle entgegenzuwirken ist.</p>
<p>Nicht verschwiegen sei an dieser Stelle, dass auch diese Fr&#252;hjahrsausgabe des Journalistik Journals ohne die Mitwirkung geneigter Nutzer kaum denkbar gewesen w&#228;re. Der im letzten Heft ver&#246;ffentlichten Einladung zum Einsenden von Themenvorschl&#228;gen zum Schwerpunkt Partizipation sind diesmal derart viele Leser gefolgt, dass leider nicht alle Ideen ber&#252;cksichtigt werden konnten – auch dies sicherlich ein Beleg f&#252;r die Strahlkraft des Themas.</p>
<p>Ebenso hat eine weitere Ver&#246;ffentlichung in der letzten JoJo-Ausgabe f&#252;r betr&#228;chtliche Resonanz gesorgt: <a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=738">Frank Lobigs</a> kritische Auseinandersetzung mit der gegenw&#228;rtigen Krise der hochschulgebundenen Journalistenausbildung war nicht nur Gespr&#228;chsthema am Rande mancher Tagungen der Journalistik-Community. Sie hat auch einige schriftliche Entgegnungen provoziert, die wir in diesem Heft dokumentieren.</p>
<p>Sollten Sie weitere Themen haben, &#252;ber die Sie in dieser Zeitschrift lesen m&#246;chten: Einfach schreiben – und mitmachen!</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-746" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2011/09/Unterschrift.jpg" alt="" width="200" height="39" /></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Datenjournalismus: Chance f&#252;r den Journalismus von morgen</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 19:58:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Journalismus in Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipativer Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Datenjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Infografik]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Onlinejournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Präzisionsjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Recherche]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>F&#252;r die Journalistik er&#246;ffnet sich ein interessantes Forschungsfeld</h3>
<h4>Von Annette Le&#223;m&#246;llmann</h4>
<img class="aligncenter size-full wp-image-844" title="Lessm&#246;llmann" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Lessm&#246;llmann.jpg" alt="" width="230" />Die Erkenntnis kam dem praktischen Arzt Jeffrey Brenner in Camden, New Jersey, als er am Rechner „mit Daten herumspielte“: Er hatte die Patientendaten aller medizinischer Einrichtungen in dem verarmten und von Verbrechen geplagten Ort gesammelt, systematisch Wohnblocks zugeordnet und mit Kosten korreliert, die durch Krankenhausaufenthalte entstanden waren. In seinen Excel-Tabellen und Balkendiagrammen fiel es ihm irgendwann auf: Die h&#228;ufigsten und teuersten Klinikaufenthalte trafen Menschen, die in den &#228;rmsten Hochhaussiedlungen lebten. Brenner wusste aus seiner Erfahrung, dass gerade Patienten, die h&#228;ufiger per Notfall in die Klinik kamen, die schlechteste Versorgung erhielten – niemand k&#252;mmerte sich nachhaltig um ihre eigentliche, oft chronische Krankheit, oder auch um fatale Fehlern&#228;hrungen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>F&#252;r die Journalistik er&#246;ffnet sich ein interessantes Forschungsfeld</h3>
<h4>Von Annette Le&#223;m&#246;llmann</h4>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-844" title="Lessm&#246;llmann" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Lessm&#246;llmann.jpg" alt="" width="450" height="297" /></p>
<p>Die Erkenntnis kam dem praktischen Arzt Jeffrey Brenner in Camden, New Jersey, als er am Rechner „mit Daten herumspielte“ (Gawande 2011): Er hatte die Patientendaten aller medizinischer Einrichtungen in dem verarmten und von Verbrechen geplagten Ort gesammelt, systematisch Wohnblocks zugeordnet und mit Kosten korreliert, die durch Krankenhausaufenthalte entstanden waren. In seinen Excel-Tabellen und Balkendiagrammen fiel es ihm irgendwann auf: Die h&#228;ufigsten und teuersten Klinikaufenthalte trafen Menschen, die in den &#228;rmsten Hochhaussiedlungen lebten. Brenner wusste aus seiner Erfahrung, dass gerade Patienten, die h&#228;ufiger per Notfall in die Klinik kamen, die schlechteste Versorgung erhielten – niemand k&#252;mmerte sich nachhaltig um ihre eigentliche, oft chronische Krankheit, oder auch um fatale Fehlern&#228;hrungen. Die Daten und seine Schlussfolgerung &#252;berzeugten die Stadt Camden: Inzwischen finanziert sie Brenner ein Pr&#228;ventionsprogramm f&#252;r diese Patienten. Ergebnis: Den Menschen geht es nachhaltig besser, die Notfall-Klinikaufenthalte sanken signifikant.</p>
<p>Jeffrey Brenner hat es als Arzt in diese Geschichte des New Yorker geschafft, nicht als Journalist. Doch er hat getan, was auch Datenjournalisten tun: Stories in Statistiken aufzusp&#252;ren.¹ Dazu geh&#246;rt, Daten &#252;berhaupt erst einmal als relevant zu erkennen, in ihnen also eine Story zu erahnen, und sie dann so aufzubereiten, dass sie eine Geschichte preisgeben. Dazu geh&#246;rt auch, sie mit anderen Daten, aber auch mit Kontextinformationen und Hintergrundwissen in Beziehung zu setzen, sie also einzuordnen – in Brenners Fall war das sein Wissen als praktizierender Arzt &#252;ber den Behandlungsalltag –, um dann schlie&#223;lich Schl&#252;sse daraus zu ziehen, die gesellschaftlich relevant sind.</p>
<p>Auch der erste Schritt des Datenjournalisten ist es, Daten &#252;berhaupt als interessante Quelle zu erkennen, aufzusp&#252;ren und „journalistisch urbar“ zu machen, wie es Simon Rogers (2012) vom britischen Guardian nennt, der die datenjournalistischen Aktivit&#228;ten seiner Redaktion im <a href="http://www.guardian.co.uk/news/datablog" target="_blank">Data Blog</a> begleitet. Hier geht es auch um sensible Daten, also etwa Patienteninformationen. Datenjournalisten brauchen gute Kenntnisse der Datenschutzgesetze ihres Landes, haben es in einem Land mit strenger Gesetzgebung und restriktiver Handhabung wie Deutschland m&#246;glicherweise schwerer und m&#252;ssen um ihr Recht auf Daten k&#228;mpfen.²</p>
<p>Der n&#228;chste Schritt ist die Aufbereitung f&#252;r die Recherche. Hier hilft Software, auch schon der intelligente Umgang mit Excel, um die Daten eines Datensatzes zu korrelieren, Auff&#228;lligkeiten zu entdecken und daraus Schl&#252;sse zu ziehen. Auch Datenjournalisten sto&#223;en auf ihre Geschichten manchmal erst, wenn sie intensiv mit Daten herumspielen, auf die Gefahr hin, dass sie zwar viel Zeit investieren, aber nichts entdecken. Vielleicht ziehen sie dann aber eigene Schl&#252;sse, die vor ihnen noch niemand gezogen hat. Datenjournalismus kann also immer auch investigativer Journalismus sein. Ein Beispiel: Christina Elmer, vormals Datenjournalistin bei <a href="http://www.dpa.com/dpa-DataReporting. 97.0.html" target="_blank">dpa-RegioData</a>, einem Vorreiter des Lokal-Datenjournalismus in Deutschland, arbeitet inzwischen im <a href="http://www.stern.de/blogs/der-investigativ-blog/" target="_blank">Inves­tigativ-Team des Stern</a>.</p>
<p>Der Datenjournalist k&#252;mmert sich nun um die Aufbereitung als Story und um die Wahl der passenden Darstellungsform. Hier geht der Datenjournalismus eine fruchtbare Verbindung mit der Infografik ein. Schon Florence Nightingale wurde vom Data Team des Guardian als eine Vertreterin ihrer Zunft identifiziert (Rogers 2010): Mit einer eindr&#252;cklichen Tortengrafik &#252;ber die Todesraten in der Britischen Armee im Krimkrieg warb sie f&#252;r eine bessere Gesundheitsversorgung der Soldaten. &#220;ber die Visualisierung werden Daten attraktiv, mit &#220;berzeugungskraft ausgestattet, manchmal sogar suggestiv. Sie k&#246;nnen ihre Kernaussage auf einen Blick vermitteln – „im Januar starben in der Armee die meisten Soldaten“ l&#228;sst sich aus Nightingales Grafik rasch ablesen. Datenjournalismus ist, was die journalistische Darstellungsform betrifft, nicht auf das Medium Online beschr&#228;nkt; im Gegenteil: Die preisgekr&#246;nte Infografik-Seite im Ressort Wissen der Zeit zeigt, dass Printredaktionen die grafische Informationsvermittlung (wieder)entdecken. Online sind die M&#246;glichkeiten aber immens, was Erkl&#228;rtiefe und narrative Kraft von Infografiken betrifft.</p>
<p>Ein inzwischen schon ikonisches <a href="http://www.zeit.de/datenschutz/malte-spitz-vorratsdaten" target="_blank">Beispiel</a> daf&#252;r ist ein Ausschnitt aus dem Leben des Gr&#252;nen-Abgeordneten Malte Spitz, dessen Bewegungen und Aktivit&#228;ten die Zeit Online-Redaktion allein aus seinen Handydaten rekonstruieren konnte. Spitz hatte diese bei der Telekom eingeklagt und der Redaktion zur Verf&#252;gung gestellt. Der User sieht, wie sich ein Punkt durch Deutschland bewegt, annotiert mit T&#228;tigkeiten – und begreift schnell, wie eng Datenschutz und Pers&#246;nlichkeitsschutz zusammenh&#228;ngen.</p>
<p>Und noch eine M&#246;glichkeit bietet der Online-Datenjournalismus: Er regt zum Mitmachen an, was einerseits hei&#223;en kann, dass der User selbst bestimmt, wie tief er in ein Thema einsteigen will. Ein Beispiel sind die ber&#252;hmten afghanischen <a href="http://www.guardian.co.uk/world/the-war-logs" target="_blank">War Logs</a>, durch WikiLeaks an die &#214;ffentlichkeit gelangte Milit&#228;rdaten und aufbereitet vom Guardian, die dem Datenjournalismus 2010 zum Durchbruch verhalfen. Sie &#252;berlassen dem User, ob er einfach nur Art und Umfang von Kampfhandlungen in einer interaktiven Grafik nachvollziehen will oder die Logs im Detail liest. Andererseits bekommt der User selbst die M&#246;glichkeit, Werkzeuge zu nutzen, um auf Recherche zu gehen: So stellt der Guar­dian ihm im „<a href="http://www.guardian.co.uk/world-government-data" target="_blank">Data Store</a>“ Regierungsdaten aus vielen L&#228;ndern zur Verf&#252;gung. Auch hier waltet ein aufkl&#228;rerischer Impetus.</p>
<p>Spr&#246;de Excel-Zahlen als interessante und relevante „Tatsachentr&#228;ger“ zu erkennen, ist erst einmal eine journalistische Leistung, die allerdings mathematischen und statistischen Wissens bedarf – aber nat&#252;rlich nicht nur das. Ein Statistiker ist noch kein Datenjournalist, auch reines Computer Assisted Reporting (CAR) ist noch kein Datenjournalismus. Journalistisch am Datenjournalismus ist, dass er Themen aufgesp&#252;rt, Relevanz im Sinne von Nachrichtenwerten entdeckt oder erzeugt und mit journalistischen Darstellungsformen aufbereitet. Vernachl&#228;ssigen Datenjournalisten eines dieser Kriterien, dann sind sie keine Journalisten, sondern Sozialwissenschaftler, Statistiker oder Infografikdesigner. Allerdings m&#252;ssen sie &#252;ber Kompetenzen aus den genannten Disziplinen verf&#252;gen. Sie wenden statistisches Wissen an und wissen &#252;ber Erhebungsmethoden Bescheid, um die Verl&#228;sslichkeit von Daten beurteilen zu k&#246;nnen. Ihre Vorgehensweise ist demnach eine forschende – sie berichten nicht nur, sondern schaffen Erkenntnisse auf der Basis wissenschaftlicher Methoden. Ihre redaktionelle Rolle ist also die der „Pr&#228;zisionsjournalisten“ (vgl. Meier 2011: 186).</p>
<p>Doch das ist nicht alles. Sie brauchen au&#223;erdem Wissen &#252;ber Usability und Nutzbarkeit interaktiver Infografiken, sie m&#252;ssen wissen, wie man mit diesen Geschichten erz&#228;hlt und was im Kopf eines Betrachters passieren (soll), der sich durch eine komplexe Grafik klickt – siehe zum Beispiel die Darstellung „<a href="http://www.nytimes.com/packages/html/national/20050515_CLASS_GRAPHIC/index_03.html" target="_blank">How Class works</a>“ der New York Times, in der Merkmale wie Einkommen, Bildung, Sozialprestige verkn&#252;pft werden k&#246;nnen, dem User Einblick in seine eigene Position erlauben, wenn er diesen Merkmalen glaubt, aber auch einen erhellenden sozialwissenschaftlichen Blick auf die Klassenstrukturen der USA geben. Ohne den kompetenten Umgang mit multimedialen narrativen Strukturen wird der User im Wust bunter K&#228;stchen untergehen. Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel, dass Datenjournalismus in der Lage ist, eine eigenst&#228;ndige Geschichte zu erz&#228;hlen, die mehr ist als Beiwerk.</p>
<p>Das Arbeitsfeld ist also &#228;u&#223;erst komplex, weswegen Datenjournalisten immer im Team arbeiten sollten: Beispiele sind die New York Times, der Guardian, die dpa oder der Stern. Hier bilden sich sowohl Redaktionsstrukturen heraus als auch Gesch&#228;ftsmodelle von Freien, die sich f&#252;r Auftr&#228;ge zu verteilt arbeitenden Teams zusammenfinden.</p>
<p>Datenjournalismus w&#228;re nicht denkbar, ohne weitere Trends mitzudenken: Da ist zun&#228;chst die durch die Open Data-Bewegung angesto&#223;ene Praxis von Beh&#246;rden und Regierungen, Rohdaten zu publizieren (z. B. das Datenportal „<a href="http://data.gov.uk" target="_blank">Opening up government</a>“ von Gro&#223;britannien, in Deutschland eher z&#246;gerlich gefolgt etwa von „<a href="http://daten.berlin.de" target="_blank">Open Data Berlin</a>“, das seit September 2011 online ist). Enth&#252;llungsplattformen wie Wiki­Leaks ver&#246;ffentlichen ihrerseits Daten und sto&#223;en &#252;berdies einen Diskurs &#252;ber Datentransparenz an, der wiederum auf diejenigen einwirkt, die Daten besitzen. Damit bekommt der Datenjournalismus in seinem Tun, aber auch durch seine Themenwahl teilweise einen aufkl&#228;rerischen Impetus, der sich auf die Seite der B&#252;rgerrechte schl&#228;gt – etwa, wenn der Guardian seine Leser auffordert, die Spesenabrechnungen ihrer Parlamentsabgeordneten zu pr&#252;fen, die so via Crowdsourcing zusammengetragenen Ergebnisse datenjournalistisch aufzubereiten und damit den britischen Parlamentsspesenskandal mit aufzudecken (vgl. Hencke 2009).</p>
<p>Substrat des Datenjournalismus sind zudem zug&#228;ngliche und bezahlbare Softwaretools, ohne die eine automatisierte Suche und Aufbereitung nicht m&#246;glich w&#228;re, zudem Visualisierungswerkzeuge, aber auch Redaktionstools, die Daten in wenigen Schritten visuell ansprechend auf Webseiten einbinden.</p>
<p>Der wichtigste Trend ist aber, dass der Journalismus insgesamt interaktiver geworden ist – der Leser/User ist es gew&#246;hnt, eigene Inhalte beizusteuern. Der flankierende Trend ist, dass auch hier der Journalismus keine Gatekeeper-Rolle mehr hat – die Softwareindustrie vertreibt bereits einfache Applikationen f&#252;r den Umgang mit Daten, die von jedem Besitzer eines Computers oder Smartphones verwendet werden k&#246;nnen. Der Journalismus muss also auch hier zeigen, dass er besser, interessanter und relevanter arbeitet, um f&#252;r User von Interesse zu sein. &#220;brigens wenden Datenjournalisten ihr Transparenzgebot auch auf sich selbst an: So ist es typisch, dass sie ihre Arbeit in Blogs dokumentieren, diskutieren und problematisieren. Ein Beispiel aus Deutschland ist das <a href="http://blog.zeit.de/open-data" target="_blank">Data Blog</a>, das Lorenz Matzat f&#252;r die Zeit f&#252;hrt, zudem sein Blog <a href="http://www.datenjournalist.de" target="_blank">Datenjournalist</a> mit zahlreichen Werkstattberichten.</p>
<p>Fazit: Vielleicht war die dpa mit ihrem Konzept regioData etwas zu fr&#252;h dran, denn die Lokalredaktionen in Deutschland &#252;bernahmen die intelligent aufbereiteten Geschichten der Agentur zu selten f&#252;r ein tragf&#228;higes Gesch&#228;ftsmodell. Aber die Idee geht in die richtige Richtung und wird mit Projekten wie „<a href="http://www.frankfurt-gestalten.de" target="_blank">Frankfurt gestalten</a>“, in denen B&#252;rger Daten und Informationen einstellen, um Einfluss auf ihre st&#228;dtische Umgebung zu nehmen, inzwischen jenseits der etablierten Redaktionen umgesetzt: Datenjournalismus antwortet auf eine verdatete Welt, die ihre gesellschaftlichen Prozesse h&#228;ufig in Datens&#228;tzen dokumentiert und ablegt – ein Fundus f&#252;r relevante journalistische Geschichten („Datenberge sind ein Rohstoff“, vgl. Matzat 2011). Hier kann der Journalismus sein eigentliches Alleinstellungsmerkmal ausbauen, n&#228;mlich seine Relevanz unterstreichen, die ihn von anderen, partikularen oder interessengetriebenen Publikationsformen f&#252;rs Publikum erkennbar unterscheiden sollte. Er kann b&#252;rgernah arbeiten und auf echte Interessen seines Publikums antworten, das zum Beispiel wissen will, was mit seinen Steuergeldern passiert (wie es etwa die Website „<a href="http://wheredoesmymoneygo.org/" target="_blank">Where does my money go?</a>“ vormacht, die eine Stiftung betreibt). Interaktive Infografiken, aber auch Crowdsourcing via Internetschnittstelle und andere im Datenjournalismus genutzte Formen des Internetjournalismus aktivieren bislang ungenutzte Potenziale in diesem Bereich – sie k&#246;nnten Qualit&#228;t und Relevanz des Online-Journalismus unterst&#252;tzen.</p>
<p>Zentral f&#252;r den Erfolg des Datenjournalismus sind allerdings ver&#228;nderte Ausbildungsinhalte f&#252;r den journalistischen Nachwuchs, andere Gesch&#228;ftsmodelle, ein einigerma&#223;en freier Datenzugang und das Interesse von Journalisten, sich sozialwissenschaftlich, investigativ, softwaregest&#252;tzt, visuell und interaktiv dem journalistischen Storytelling zu n&#228;hern – und im Team zu arbeiten. Zudem brauchen Datenjournalisten eine extrem knappe Ressource: Zeit. Sie wird neben &#246;konomischen Beschr&#228;nkungen einer der limitierenden Faktoren sein, was die Ausweitung dieses journalistischen T&#228;tigkeitsfeldes in der Zukunft betrifft.</p>
<p>F&#252;r die Journalistik er&#246;ffnet sich ein interessantes Forschungsfeld, das sich insbesondere um die ver&#228;nderte Rolle sowohl der Journalisten als auch der Nutzer k&#252;mmern sollte: Journalisten als sozialwissenschaftliche Forscher, Nutzer als Datensammler und Gestalter – und insbesondere die Zusammenarbeit zwischen ihnen. Zudem ver&#228;ndern sich die redaktionellen Arbeitsprogramme in Redaktionen und in freien, verteilt arbeitenden Teams durch den Datenjournalismus. Und nicht zuletzt gibt es auch noch Analysepotenziale, was den Umgang des Nutzers mit datenjournalistischen Infografiken und ihrer narrativen Kraft betrifft. Insgesamt lohnt sich die Untersuchung, ob der Journalismus angemessen auf die Herausforderung durch Daten reagiert.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Gawande, Atul (2011): The hot spotters. Can we lower medical costs by giving the neediest patients better care? In: The New Yorker v. 24.1.2011.</li>
<li>Hencke, David (2009): MPs‘ expenses: who claimed what? Online unter: http://www.guardian.co.uk/news/datablog/2009/mar/31/mps-expenses-jacquismith</li>
<li>Matzat, Lorenz (2011): Datenjournalismus. In: Dossier „Open Data“ der Bundeszentrale f&#252;r politische Bildung. Online unter: <a href="http://www.bpb.de/themen/SADSVB,0,Datenjournalismus.html" target="_blank">http://www.bpb.de/themen/SADSVB,0,Datenjournalismus.html</a></li>
<li>Meier, Klaus (2011): Journalistik. 2. Auflage. Wien etc.</li>
<li>Rogers, Simon (2010): Florence Nightingale, datajournalist: information has always been beautiful. Online unter: <a href="http://www.guardian.co.uk/news/datablog/2010/aug/13/florence-nightingale-graphics" target="_blank">http://www.guardian.co.uk/news/datablog/2010/aug/13/florence-nightingale-graphics</a></li>
<li>Rogers, Simon (2012): Change – Wie Daten den Journalismus ver&#228;ndern. Online unter: <a href="http://diskurs.dradio.de/2012/02/22/change-wie-daten-den-journalismus-verandern/" target="_blank">http://diskurs.dradio.de/2012/02/22/change-wie-daten-den-journalismus-verandern/</a></li>
</ul>
<p><em>Fu&#223;noten:</em></p>
<ol>
<li>Zum Weiterlesen sei das medienjournalistische Dossier „<a href="http://www.datenjournal.de" target="_blank">Datenjournal</a>“ empfohlen, das Online-Journalisten der Hochschule Darmstadt in einem Seminar von meinem Kollegen Lorenz Lorenz-Meyer und mir erstellt haben.</li>
<li>So hatte etwa der Dienst <a href="http://www.mapnificent.net" target="_blank">Mapnificent</a>, der Usern die besten Transportm&#246;glichkeiten mit &#246;ffentlichen Verkehrsmitteln in den St&#228;dten der Welt anzeigen soll, in Deutschland gro&#223;e Schwierigkeiten, die entsprechenden Daten zu erhalten.</li>
</ol>
<p><em>Foto: himberry/photocase.com</em></p>
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		<title>Videojournalisten: Genauso gut, aber nicht besser bezahlt</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 19:28:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Eine aktuelle Studie pr&#228;sentiert die Ergebnisse der bislang gr&#246;&#223;ten Befragung von Videojournalisten in Deutschland</h3>
<h4>Von Guido Vogt</h4>
<img class="aligncenter size-full wp-image-838" title="Vogt" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Vogt.jpg" alt="" width="230" />Videojournalisten (VJs) gelten entweder als rund um die Uhr verf&#252;gbare, kosteng&#252;nstige Flie&#223;band-Produzenten, die – mit einfachsten Mitteln ausgestattet – schnell gestrickte Nachrichten fabrizieren. Oder sie werden beschrieben als innovative Einzelautoren, die unbelastet vom hinderlichen Team individuell, eigenst&#228;ndig und experimentell Filmprojekte realisieren. Die Studie „Videojournalismus: Funktionalit&#228;t – Geschichte – Empirie“ scheint beide Positionen in Frage zu stellen. Der typische Videojournalist arbeitet beim Privatfernsehen, ist fest angestellt und verdient weniger als 3.000 Euro brutto im Monat. Thematisch deckt er vor allem die Bereiche Unterhaltung/Lifestyle, Nachrichten/Aktuelles sowie Vermischtes ab. Dabei realisiert er &#252;berwiegend Personen bezogene Kurzbeitr&#228;ge und ist f&#252;r Programme mit regionaler Reichweite t&#228;tig.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Eine aktuelle Studie pr&#228;sentiert die Ergebnisse der bislang gr&#246;&#223;ten Befragung von Videojournalisten in Deutschland</h3>
<h4>Von Guido Vogt</h4>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-838" title="Vogt" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Vogt.jpg" alt="" width="450" height="300" /></p>
<p>Videojournalisten (VJs) gelten entweder als rund um die Uhr verf&#252;gbare, kosteng&#252;nstige Flie&#223;band-Produzenten, die – mit einfachsten Mitteln ausgestattet – schnell gestrickte Nachrichten fabrizieren. Oder sie werden beschrieben als innovative Einzelautoren, die unbelastet vom hinderlichen Team individuell, eigenst&#228;ndig und experimentell Filmprojekte realisieren. Die Studie „Videojournalismus: Funktionalit&#228;t – Geschichte – Empirie“ scheint beide Positionen in Frage zu stellen.</p>
<p>Der typische Videojournalist arbeitet beim Privatfernsehen, ist fest angestellt und verdient weniger als 3.000 Euro brutto im Monat. Thematisch deckt er vor allem die Bereiche Unterhaltung/Lifestyle, Nachrichten/Aktuelles sowie Vermischtes ab. Dabei realisiert er &#252;berwiegend Personen bezogene Kurzbeitr&#228;ge und ist f&#252;r Programme mit regionaler Reichweite t&#228;tig. Das ist das Ergebnis der mit 104 Teilnehmern bislang gr&#246;&#223;ten Befragung von Videojournalisten in Deutschland.</p>
<p>Videojournalisten sehen sich, analog zu den meisten Journalisten in Deutschland, am h&#228;ufigsten in der Rolle des neutralen Informationsvermittlers. Mit ca. 50 Wochenstunden ist das Arbeitspensum von VJs in etwa so hoch wie bei den deutschen Journalisten allgemein. Wie Fernsehjournalisten sind Videojournalisten &#252;berwiegend m&#228;nnlich (62%) und gut ausgebildet – meist mit Hochschulabschluss und Volontariat. Unterschiedlich ist nur das Alter: VJs sind mehrheitlich 30 bis 34 Jahre alt, TV-Journalisten meist 36 bis 45 Jahre.</p>
<p>„Die Arbeit eines guten VJs l&#228;sst sich heute kaum mehr von der Arbeit eines guten EB-Kameramanns unterscheiden“, behauptet der fr&#252;here Sat.1-Chefredakteur Nik Niethammer, der ebenfalls im Rahmen der Studie befragt wurde. Und der RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel erg&#228;nzt: „Alle Abg&#228;nger der RTL-Journalistenschule k&#246;nnen im Prinzip die Kamera in die Hand nehmen“. Auch er selbst habe schon Angela Merkel im Flugzeug begleitet und eigenh&#228;ndig gedreht.</p>
<p>Eine Einzellfall-Analyse bei der Deutschen Welle (DW), die ebenfalls im Rahmen der hier vorgestellten Studie durchgef&#252;hrt wurde, scheint, zumindest f&#252;r diesen Sender, die Qualit&#228;t von VJ-Beitr&#228;gen zu best&#228;tigen. Gepr&#252;ft wurde, inwiefern technische Defizite wie Wackeln, Fehlbelichtungen, Unsch&#228;rfen oder Tonprobleme in VJ-Beitr&#228;gen der Deutschen Welle auftraten. In den 112 im Rahmen der Studie untersuchten Filmen konnten praktisch keine technischen Fehler gefunden werden. Einzig im Interview traten in Einzelf&#228;llen Schw&#228;chen wie schlechte Ausleuchtung, angeschnittene H&#228;lse, schweifende Blicke u. &#228;. auf. Die inhaltliche Detailanalyse von VJ-Beitr&#228;gen im Vergleich zu thematisch &#228;hnlich gelagerten Teambeitr&#228;gen der Deutschen Welle f&#246;rderte keine nennenswerten Unterschiede zutage. Eine besondere N&#228;he und Emotionalit&#228;t der VJ-Beitr&#228;ge konnte aber auch nicht ausgemacht werden. Die Formatierung des Programms als seri&#246;ser Nachrichtensender &#252;berlagert in dieser Hinsicht offenbar die Produktionsweise.</p>
<p>Betrachtet man die Kameraarbeit der DW-Beitr&#228;ge im Detail, zeigt sich, dass Videojournalisten im Vergleich zu Teams weniger komplexe Schwenks und Zooms bzw. kombinierte Bewegungen drehen. Das hat vermutlich sowohl mit dem Handling der kleineren Kameras als auch mit der fehlenden Routine der Videojournalisten bei der Deutschen Welle zu tun: Diese stammen fast ausschlie&#223;lich (zu 90%) aus der Redaktion. Au&#223;erdem realisieren sie meist (zu 68%) h&#246;chstens einen VJ-Beitrag im Monat. Beim Schnitt der VJ-Beitr&#228;ge sind ein gro&#223;z&#252;gigerer Umgang mit klassischen Schnittregeln sowie h&#228;ufigere Jumpcuts zu beob­achten. Offenbar wird von den Videojournalisten bei der Deutschen Welle weniger ,auf Anschluss‘ gedreht bzw. Zwischenschnitte oder Inszenierungen werden eher vermieden.</p>
<p>Dem Zuschauer scheinen solche Unterschiede allerdings auch kaum aufzufallen: Ein im Rahmen der Studie durchgef&#252;hrtes Screening, bei dem zwei Gruppen von Laienzuschauern (und einer Vergleichsgruppe von Journalisten) Beitr&#228;ge von Videojournalisten vorgef&#252;hrt wurden, zeigte: VJ-Beitr&#228;ge waren f&#252;r die Laien-Testgruppe &#252;berhaupt nicht von Teambeitr&#228;gen zu unterscheiden – f&#252;r die TV-Profis schon. Diskutiert wurde zudem, sowohl bei den Laien als auch den Profis, weniger &#252;ber die Kameraarbeit oder den Schnitt als vielmehr &#252;ber Inhalte. Der fr&#252;here Sat.1-Chefredakteur Nik Niethammer meint: „Der Zuschauer nimmt ein unscharfes Bild gerne in Kauf, wenn die Geschichte stimmt. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich je ein Zuschauer bei uns beklagt hat, weil ein Protagonist im Gegenlicht stand.“</p>
<p>Es scheint keinen Themenbereich zu geben, der f&#252;r Videojournalisten von vornherein tabu ist. VJs werden allerdings, wie von einigen Experten vermutet, offenbar bevorzugt im Bereich Unterhaltung eingesetzt. &#220;berraschend ist allerdings, dass der Bereich Nachrichten/Aktuelles – trotz der immer wieder vermuteten &#220;berforderung – fast gleichauf an zweiter Stelle zu finden ist. Auch der Bereich Vermischtes, unter den z. B. Verkehrsunf&#228;lle, Br&#228;nde oder Ungl&#252;cke zu rechnen sind, wird offenbar h&#228;ufig mit VJs abgedeckt.</p>
<p>Die Vorstellung, dass das Fernsehen, wie der amerikanische TV-Consultant Michael Rosenblum vermutet, durch eigenproduzierte Videos vielf&#228;ltiger und demokratischer w&#252;rde, l&#228;sst sich kaum untermauern. Laut der f&#252;r die Studie befragten Senderchefs und Chefredakteure wird nur extrem selten so genannter User Generated Content ins Programm genommen – und wenn, dann wird er in der Reaktion &#252;berarbeitet. Der Chefredakteur von n-tv Volker Wasmuth verweist auch auf den m&#246;glicherweise zweifelhaften Wahrheitsgehalt solcher Videos – und auf den Aufwand, um sie zu verifizieren. Wasmuth betont: „Nachrichten sind Vertrauenssache. Die Bilder m&#252;ssen schon von Journalisten, wirklichen Profis gemacht werden.“</p>
<p>In Lokalsendern wie Center.tv, Hamburg 1 oder m&#252;nchen.tv finden Zuschauervideos zwar Sendepl&#228;tze, „obwohl das Thema ‚selbst Videos machen‘ nicht in den Ma&#223;en von Publikum angenommen wird, wie wir uns das w&#252;nschen“, wie J&#246;rg van Hooven, der Chefredakteur von m&#252;nchen.tv, beobachtet. Kritiker halten Zuschauervideos ohnehin nur f&#252;r billige Programmf&#252;ller, wenn die Sender „dann auch noch von Demokratisierung reden, muss ich schmunzeln“, kommentiert Andreas Kl&#246;cker, Referent der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung beim Sender Rhein Neckar Fernsehen.</p>
<p>Insgesamt werden Beitr&#228;ge von Videojournalisten mittlerweile weder von Gewerkschafts-Vertretern noch von der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) als Gefahr f&#252;r die Qualit&#228;t des Journalismus angesehen. Allerdings, so Hannes Karnick von der AG DOK, m&#252;ssten „Arbeitsbedingungen und Bezahlung gesichert werden“. Gerade hier liegt das Problem: Fast 70% der f&#252;r die Studie befragten Videojournalisten zeigen sich durch das Multitasking teilweise &#252;berlastet. Knapp die H&#228;lfte gibt an, keine Mehreinnahmen durch die T&#228;tigkeit als Videojournalist zu erzielen. Wille Bartz von der Gewerkschaft ver.di sagt: „H&#246;here Honorare f&#252;r Videojournalisten beobachte ich nicht“. Stattdessen bef&#252;rchtet er, dass die Arbeit von VJs k&#252;nftig sogar unterhalb der von Redakteuren angesiedelt wird, denn „der Videojournalist ist ja auch Techniker“ – und Techniker w&#252;rden am Ende immer schlechter bezahlt.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Vogt, Guido (2012): Videojournalismus: Funktionalit&#228;t – Geschichte – Empirie. Neu-Isenburg: MMD-Verlag.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.videojournalismus.12hp.de" target="_blank">www.videojournalismus.12hp.de</a></li>
</ul>
<p><em>Foto: Guido Vogt</em></p>
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		<item>
		<title>Partizipativer Journalismus</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 19:20:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Partizipativer Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Titelthema]]></category>
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		<category><![CDATA[Forschungsüberblick]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Journlismus]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Social Web]]></category>

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		<description><![CDATA[<h3>Eine Einf&#252;hrung in Begriff und Gegenstand</h3>
<h4>Von Sven Engesser</h4>
<img class="aligncenter size-full wp-image-833" title="Engesser" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Engesser.jpg" alt="" width="230" />Beim Partizipativen Journalismus (oder B&#252;rgerjournalismus) be­teiligen sich Menschen an der Herstellung von Medien&#246;ffentlichkeit, ohne damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dieses Ph&#228;nomen ist im Prinzip nichts Neues. So offenbart ein Blick in die Mediengeschichte mehrere Hochphasen des Partizipativen Journalismus, z. B. zur Zeit der Franz&#246;sischen Revolution, der Weimarer Republik und der Neuen Sozialen Bewegungen in den 1960er und 1970er Jahren. Damals spielte sich der Partizipative Journalismus auf analogen Medienplattformen wie Leserbrief, H&#246;rertelefon und Offenen Kan&#228;len ab. In diesen Bl&#252;tezeiten waren die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen besonders g&#252;nstig f&#252;r die Entwicklung des Partizipativen Journalismus. Auch heutzutage finden sich in vielen demokratischen Industriestaaten wieder derartige Konstellationen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Eine Einf&#252;hrung in Begriff und Gegenstand</h3>
<h4>Von Sven Engesser</h4>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-833" title="Engesser" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Engesser.jpg" alt="" width="450" height="319" /></p>
<p>Beim Partizipativen Journalismus (oder B&#252;rgerjournalismus) be­teiligen sich Menschen an der Herstellung von Medien&#246;ffentlichkeit, ohne damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Dieses Ph&#228;nomen ist im Prinzip nichts Neues. So offenbart ein Blick in die Mediengeschichte mehrere Hochphasen des Partizipativen Journalismus, z. B. zur Zeit der Franz&#246;sischen Revolution, der Weimarer Republik und der Neuen Sozialen Bewegungen in den 1960er und 1970er Jahren. Damals spielte sich der Partizipative Journalismus auf analogen Medienplattformen wie Leserbrief, H&#246;rertelefon und Offenen Kan&#228;len ab. In diesen Bl&#252;tezeiten waren die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen besonders g&#252;nstig f&#252;r die Entwicklung des Partizipativen Journalismus. Auch heutzutage finden sich in vielen demokratischen Industriestaaten wieder derartige Konstellationen.</p>
<p>Die Unsicherheit nach dem Ende des Kalten Krieges, den Anschl&#228;gen vom 11. September 2001 und der Zunahme des globalen Terrorismus f&#252;hrte zu einem gesteigerten Mitteilungsbed&#252;rfnis der Bev&#246;lkerung. Das Scheitern der gro&#223;en Ideologien und eine Entfremdung von der Parteipolitik trugen zu einer Besinnung der Menschen auf ihr direktes soziales Umfeld sowie ein Erstarken des b&#252;rgerschaftlichen Engagements und der Amateurbewegung bei. Mit der Verbreitung des Internets gewann auch die Netzbewegung an Bedeutung, was sich in der Prominenz von Anonymous, Chaos-Computer-Club, Piratenpartei und WikiLeaks niederschl&#228;gt. Gleichzeitig spannte sich die finanzielle Situation vieler Medien angesichts der Dot-com- und der Subprime-Krise sowie der Abwanderung ihrer Werbekunden ins Internet so stark an, dass von einer Krise des professionellen Journalismus oder zumindest der Qualit&#228;tspresse gesprochen werden kann. Als Bew&#228;ltigungsstrategie bem&#252;hten sie sich um eine st&#228;rkere Einbindung der Nutzer.</p>
<p>Trotz der langen Tradition des Partizipativen Journalismus zeichnet sich die gegenw&#228;rtige Hochphase durch einige Besonderheiten aus. Erstens erstreckt sie sich trotz der in dieser Hinsicht dominanten Stellung Nordamerikas, Europas und Ostasiens auf alle f&#252;nf Kontinente. Zweitens sind durch die technischen M&#246;glichkeiten des Internets die Partizipationsbarrieren so niedrig wie nie zuvor. Drittens bildete sie eine fast un&#252;berschaubare Vielfalt an digitalen Plattformen heraus, die von Weblogs &#252;ber Wikis bis zu Sozialen Netzwerken reicht. Viertens wurde bisher keine Hochphase des Partizipativen Journalismus mit so hohen gesellschaftlichen Erwartungen verbunden, derart gr&#252;ndlich theoretisch reflektiert und kontrovers in der &#214;ffentlichkeit diskutiert.</p>
<p>Die mit dem Partizipativen Journalismus seit jeher verbundenen Forschungsfragen stellen sich daher derzeit mit besonderer Sch&#228;rfe: Werden durch den Partizipativen Journalismus Personen zur medialen Beteiligung angeregt, die sich gegen&#252;ber den traditionelleren Partizipationsformen eher verschlie&#223;en, z. B. Jugendliche? Unterlaufen sie dadurch eine Form des demokratischen Trainings, das als Vorstufe oder Teilaspekt der sozialen oder politischen Partizipation verstanden werden kann? Welche Motive verfolgen Anbieter und Nutzer des Partizipativen Journalismus und welche Spannungsverh&#228;ltnisse entstehen daraus? Bilden sich durch Partizipativen Journalismus Alternative &#214;ffentlichkeiten heraus, in der marginalisierte Themen und Akteure zur Sprache und zu Wort kommen? Welche Qualit&#228;t(en) hat der Partizipative Journalismus? Stellt er eine Konkurrenz oder Erg&#228;nzung zum professionellen Journalismus dar? Erreicht der Partizipative Journalismus ein nennenswertes Publikum oder bietet er den Kommunikatoren lediglich „Ausdrucksm&#246;glichkeiten in einer risikoarmen Umgebung“, wie es der renommierte Stanford-Professor Theodore L. Glasser ausdr&#252;ckte?</p>
<p>Die Forschung zum Partizipativen Journalismus hat uns in manchen dieser Fragen weitreichende Erkenntnisse beschert. In anderer Hinsicht steht die wissenschaftliche Gemeinde noch immer fast am Anfang.</p>
<p>So zeichnet sich erstens ab, dass f&#252;r eine zeitgem&#228;&#223;e und zukunftsf&#228;hige Journalismusforschung ein neuer Journalismusbegriff erforderlich ist. Die Vorstellung, dass Journalismus nur von professionellen Akteuren oder Organisationen hervorgebracht werden kann, greift heute mehr denn je zu kurz. Sie wird weder dem Chefredakteur gerecht, der auf Twitter pers&#246;nliche Erlebnisse postet (eher kein Journalismus), noch dem Amateur, der auf seinem Expertenblog politische Kommentare oder wissenschaftsjournalistische Berichte ver-fasst (eher Journalismus). Als Orientierungshilfe bei der Definition k&#246;nnen normativ begr&#252;ndete und theoretisch abgeleitete Qualit&#228;tskriterien dienen, die neben den klassischen Kriterien Aktualit&#228;t, Objektivit&#228;t und Relevanz auch Dimensionen wie Argumentativit&#228;t und Authentizit&#228;t umfassen. Auf einem abstrakten Fadenkreuz aus diesen Qualit&#228;tskriterien k&#246;nnen konkrete Gegenst&#228;nde eingeordnet und dadurch eher dem Zentrum oder der Peripherie des Jour-nalismus zugerechnet werden.</p>
<p>Zweitens sollte der Gegenstand des Partizipativen Journalismus kontinuierlich beschrieben und systematisiert werden. Er ist zu dynamisch, heterogen und weitl&#228;ufig, um undifferenziert betrachtet und pauschal beurteilt zu werten. Es gibt Anzeichen daf&#252;r, dass die bestehenden theoretischen Kategorien wie ‚Weblogs‘ oder ‚Wikis‘ nicht mehr geeignet sind, um die real existierenden Plattformen pr&#228;zise zu beschreiben. Stattdessen sollten die Plattformen anhand ihrer Merkmale wie z. B. der kommerziellen, geografischen und thematischen Ausrichtung unterschieden werden. Diese leisteten teilweise auch bereits bei der Systematisierung von analogen Medien, z. B. der Zeitungen, gute Dienste. Ein Ableger eines kommerziellen Webangebots, an dem sich die Nutzer zahlreich und rege, aber relativ oberfl&#228;chlich beteiligen („Kommerzielle Spielwiese“), unterscheidet sich grundlegend vom virtuellen Schwarzen Brett einer Kommune („Lokaler Medienspiegel“) oder vom spezialisierten Webangebot eines enthusiastischen Politikbeobachters oder Vogelkundlers, das die Nutzer weitgehend von der Partizipation ausschlie&#223;t („Exklusive Themenseiten“). Auch die partizipativen Journalisten lassen sich in verschiedene Gruppen unterteilen, z. B. nach ihren Motiven. Bei manchen steht eher das Sammeln journalistischer Erfahrung, bei einigen die Information des Publikums und bei anderen die Selbstdarstellung im Vordergrund.</p>
<p>Drittens sollte der Partizipative Journalismus im Zeitverlauf und im internationalen Vergleich analysiert werden. Dies erm&#246;glicht eine Einordnung der Ph&#228;nomene in ihren Gesamtzusammenhang. Die Erkenntnis, dass es sich beim Partizipativen Journalismus nicht um eine historische oder geografische Singularit&#228;t handelt, beugt &#252;berm&#228;&#223;iger Euphorie und Pessimismus vor. Au&#223;erdem hilft der Vergleich bei der Generalisierung von wissenschaftlichen Theorien. Als besonders lohnenswert k&#246;nnte sich ein Blick ins Musterland des Partizipativen Journalismus, nach S&#252;dkorea, in die Transformationsstaaten der Arabischen Welt und die autorit&#228;ren Systeme Afrikas und Asiens erweisen.</p>
<p>Viertens sollten die empirischen Forschungsmethoden weiterentwickelt werden. Besonders bei der Auswahl der Stichproben, der Recherche und Archivierung des fl&#252;chtigen Analysematerials und der Kontaktierung der h&#228;ufig anonymen Kommunikatoren im Web k&#246;nnen noch gro&#223;e Fortschritte gemacht werden.</p>
<p>Insgesamt sollte die Forschung zum Partizipativen Journalismus den Blick &#252;ber den Tellerrand wagen. Die theoretische Anbindung an die politikwissenschaftliche Partizipationsforschung, Theorien des Sozialen Kapitals, betriebswissenschaftliche Ans&#228;tze und die Berufsnormen der journalistischen Praxis erweisen sich als fruchtbar. Auch sollten die empirischen Befunde stets als Bausteine zur Beantwortung gesamtgesellschaftlicher Fragestellungen angesehen werden. So n&#228;hert sich das Zahlenverh&#228;ltnis zwischen nicht-partizipierenden und partizipierenden Kommunikatoren und Nutzern im Journalismus teilweise der sehr unausgeglichenen Quote von 100 zu 1 an. Doch eine derart schiefe Verteilung findet sich auch bei anderen Partizipationsformen (z. B. Foren der B&#252;rgerbeteiligung) und schl&#228;gt sich sogar in der gesamten Angebots- und Anbieterstruktur des Internets nieder („Long Tail“). Erst durch die gemeinsame Betrachtung derartiger Ph&#228;nomene lassen sich universelle Gesetzm&#228;&#223;igkeiten ableiten. Dazu kann und soll die Forschung zum Partizipativen Journalismus ihren Beitrag leisten.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Engesser, Sven (2012): Die Qualit&#228;t des Partizipativen Journalismus im Web: Bausteine f&#252;r ein integratives theoretisches Konzept und eine explanative empirische Analyse. (im Erscheinen)</li>
</ul>
<p><em>Foto: Rainer Sturm/pixelio.de</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Briefe, Beitr&#228;ge, Blogs: Nutzer-Partizipation im Lokaljournalismus</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 19:12:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Partizipativer Journalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Wie professionelle Journalisten mit Laien-Inhalten umgehen</h3>
<h4>Von Wiebke M&#246;hring</h4>
<img class="aligncenter size-full wp-image-829" title="M&#246;hring" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/M&#246;hring.jpg" alt="" width="230" />Nutzer-Partizipation im Journalismus besch&#228;ftigt Wissenschaft und Praxis seit einigen Jahren. Vor allem das demokratietheoretische Potenzial von Partizipation steht dabei im Mittelpunkt der Hoffnungen und Erwartungen, die verbesserte Teilhabe an &#246;ffentlichen Prozessen und das aktive Aus­&#252;ben freier Meinungs&#228;u&#223;erung – jeder kann sich &#228;u&#223;ern und, gerade im Internet, auch Plattformen finden oder selber er&#246;ffnen, die ihm den Zugang in die &#214;ffentlichkeit erm&#246;glichen. Im Zusammenhang mit Nutzer-Partizipation ist aber auch das Zusammenspiel zwischen professionellem Journalismus auf der einen und Rezipienten, also den Nutzern, auf der anderen Seite von Interesse. Wie reagieren Journalisten darauf, dass pl&#246;tzlich Laien aktiv teilnehmen am medialen Diskurs und an der Entstehung der &#246;ffentlichen, medial vermittelten Meinung? Und wieso wollen B&#252;rger in die mediale &#214;ffentlichkeit?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Wie professionelle Journalisten mit Laien-Inhalten umgehen</h3>
<h4>Von Wiebke M&#246;hring</h4>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-829" title="M&#246;hring" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/M&#246;hring.jpg" alt="" width="450" height="324" /></p>
<p>Nutzer-Partizipation im Journalismus besch&#228;ftigt Wissenschaft und Praxis seit einigen Jahren. Vor allem das demokratietheoretische Potenzial von Partizipation steht dabei im Mittelpunkt der Hoffnungen und Erwartungen, die verbesserte Teilhabe an &#246;ffentlichen Prozessen und das aktive Aus­&#252;ben freier Meinungs&#228;u&#223;erung – jeder kann sich &#228;u&#223;ern und, gerade im Internet, auch Plattformen finden oder selber er&#246;ffnen, die ihm den Zugang in die &#214;ffentlichkeit erm&#246;glichen. Im Zusammenhang mit Nutzer-Partizipation ist aber auch das Zusammenspiel zwischen professionellem Journalismus auf der einen und Rezipienten, also den Nutzern, auf der anderen Seite von Interesse. Wie reagieren Journalisten darauf, dass pl&#246;tzlich Laien aktiv teilnehmen am medialen Diskurs und an der Entstehung der &#246;ffentlichen, medial vermittelten Meinung? Und wieso wollen B&#252;rger in die mediale &#214;ffentlichkeit?</p>
<p>F&#252;r Lokaljournalisten ist Nutzerbeteiligung zun&#228;chst nichts wirklich Neues. So zeigt etwa eine Untersuchung von Sch&#246;nhagen, das bereits im sp&#228;ten 18. und 19. Jahrhundert Leserbriefe insbesondere in Heimatzeitungen eine wichtige Rolle spielten, dass die lokale Zeitung damals ihre Leser aktiv zur Mitarbeit aufforderte und die Zeitung ihren Lesern auch als Forum ihrer eigenen Ansichten diente. &#220;ber den Stellenwert des Leserbriefs nach dem zweiten Weltkrieg und seine Stellung heute hat Mlitz promoviert, sie kann zeigen, dass Leserbriefe in allen Zeitungen eine wichtige Rolle spielen und dass insbesondere in Regionalzeitungen der Umgang mit ihnen ernst genommen wird. Lokalredaktionen haben schon immer Wert darauf gelegt, den Leser einzubinden, etwa mit Leser-Aktionen, herausgestellten Telefonnummern in den Lokalteilen oder Diskussionsveranstaltungen mit Lesern. Unterh&#228;lt man sich mit Lokaljournalisten, so kriegt man zudem ein Bild davon, dass der Leserbrief bei weitem nicht das einzige Mittel ist, mit welchem sich Leser bei ihrer Redaktion melden. Das Spektrum geht von Briefen und Anrufen zu Besuchen und Einladungen, versehen mit Themenvorschl&#228;gen, Verbesserungsw&#252;nschen, gut gemeinten Ratschl&#228;gen, Alltagsanekdoten und skizzierten Beitr&#228;gen – und auch mal Beschimpfungen. Heute gibt es zus&#228;tzlich E-Mails und Kontaktaufnahmen &#252;ber Homepages und Soziale Netzwerke.</p>
<p>Und doch hat sich in den letzten zehn Jahren die Nutzer-Partizipation auch in der Lokalkommunikation ver&#228;ndert. Um das Potenzial von echter Nutzer-Partizipation absch&#228;tzen zu k&#246;nnen, sollte man sich vor Augen f&#252;hren, dass die Lokalberichterstattung eine ganze Reihe von Defiziten und M&#228;ngeln aufweist. Sie ist gekennzeichnet durch eine hoch personalisierte Berichterstattung, durch eine &#220;berrepr&#228;sentation der lokalen Elite und durch Kritiklosigkeit bzw. -hemmung ihnen gegen&#252;ber (Hofberichterstattung). Sie weist einen starken Ereignisbezug auf (Terminjournalismus) und bietet zu wenig Hintergrundinformationen &#252;ber kausale und finale Ereigniszusammenh&#228;nge. Lokalberichterstattung enth&#228;lt zu wenig politische Information, stattdessen dominieren darstellende, referierende Inhalte (Verlautbarungsjournalismus). Vernachl&#228;ssigt werden die Bereiche und Themen, die den Lokaljournalisten entweder mehr Recherchen abverlangen, die nicht den g&#228;ngigen Nachrichtenfaktoren entsprechen oder nicht Sensationen beinhalten und die, die innerhalb des lokalen Raumes als zu ‚hei&#223;‘ gelten und daher nur ungern journalistisch aufgegriffen werden. Gleichzeitig sind die Gruppen, die nicht &#252;ber pressewirksame Mitteilungsmethoden verf&#252;gen, strukturell benachteiligt, ihre Anliegen bei den Lokalredaktionen einzubringen. Entsprechend spielen au&#223;erhalb von Unf&#228;llen und Ungl&#252;cken kaum einzelne, namentlich genannte B&#252;rger in der Presse eine Rolle – sie haben kaum Artikulationschancen.</p>
<p>Trotz dieser M&#228;ngel und Probleme ist der Lokalteil das Herzst&#252;ck etwa der Tageszeitungen, kaum ein anderer Zeitungsteil wird so regelm&#228;&#223;ig gelesen. Lokalkommunikation, auch au&#223;erhalb der Zeitung, bietet dem Rezipienten Orientierung und Teilhabe am t&#228;glichen Leben, soziale N&#228;he und Alltagsinformationen. Lokaler Journalismus interessiert – und ist direkt erleb- und nachvollziehbar. Dadurch ist die Arbeit des Lokaljournalisten f&#252;r den Einzelnen in vielen Bereichen leichter &#252;berpr&#252;fbar, und es ist vor allem f&#252;r den Einzelnen leichter festzustellen, was nicht in den Medien steht, wor&#252;ber nicht oder einseitig berichtet wurde.</p>
<p>Auf dieser Basis haben sich in den letzten Jahren neue Kommunikatoren der Lokalkommunikation zugewandt. Gerade im lokalen Umfeld k&#246;nnen sich Laien im Netz schreibend bet&#228;tigen und k&#246;nnen so aktiv am Entstehungsprozess der &#246;ffentlichen Meinung teilnehmen – Lokaljournalisten sehen sich durch eine Reihe neuer Kommunikatoren auf der lokalen und hyperlokalen Ebene neuen Herausforderungen gegen&#252;ber. Professionell arbeitende Lokalredaktionen verlieren ihr Informationsmonopol, da es jetzt &#246;ffentlich zug&#228;nglich alternative Informationsplattformen gibt, die von B&#252;rgern betrieben werden. Kennzeichen des lokalen partizipativen Lokaljournalismus ist dabei, dass die dort Schreibenden dies au&#223;erhalb ihrer Berufst&#228;tigkeit tun und dass sie am Produktionsprozess lokaler Inhalte und damit an der Gestaltung der lokalen Medien&#246;ffentlichkeit mitwirken. Es kann jeder zu Wort kommen und Themen auf die Agenda bringen, die er f&#252;r wichtig h&#228;lt.</p>
<p>Die Erscheinungsformen dieser lokalen partizipativen Angebote sind vielf&#228;ltig. In Anlehnung an Engesser k&#246;nnen vier Typen unterschieden werden, n&#228;mlich individuelle Formate wie Weblogs (beispielsweise der heddesheimblog.de oder ruhrbarone.de), Bottom-Up-Kollektivformate wie Regiowikis, partizipativ-professionelle Formate, die h&#228;ufig von Tageszeitungsverlagen initiiert sind (z. B. myheimat.de), und Leserreporter-Rubriken in Verlagspublikationen (z. B. Bild-Reporter).</p>
<p>Wenn Rezipienten partizipatorische Beitr&#228;ge lesen, so sind ihre Nutzungsmotive vergleichbar mit denen f&#252;r die Nutzung im professionellen Lokaljournalismus: Information &#252;ber das lokale Geschehen, Orientierung, soziale Integration in das lokale Geschehen, Pflegen der eigenen lokalen Identit&#228;t, lokale Interaktionen und im Internet auch der Austausch mit Gleichgesinnten. Am Beispiel von Nutzern einer professionell-partizipativen Lokalnachrichtenseite – dadurch gekennzeichnet, dass die weitaus meis­ten Beitr&#228;ge von Nutzern erstellt werden, gleichzeitig jedoch eine professionelle Redaktion diese selektiert und kontrolliert – konnte gezeigt werden, dass die Nutzer sich den zugrunde liegenden Unterschieden zwischen partizipativen und professionellen Beitr&#228;gen bewusst sind und dass das eine (bisher) nicht das andere ersetzen kann. Partizipative Lokalbeitr&#228;ge erg&#228;nzen das Spektrum um Themen, die sonst zu kurz kommen, und vor allem erg&#228;nzen sie durch Unterhaltsames und Leichtes. Das k&#246;nnte langfristig aber auch dazu f&#252;hren, dass sich die Erwartungshaltung gegen&#252;ber den traditionellen Lokalmedien ver&#228;ndern wird und der Wunsch entsteht, dort faktenreiche, rechercheintensive oder auch heikle Themen rezipieren zu wollen.</p>
<p>Wer selber aktiv ist, der m&#246;chte, ebenso wie professionelle Journalisten, unterhalten und informieren. Damit verbunden geht es um eigene Meinungen, Ideen und Ziele, um soziale Anerkennung und Impression Management. Es geht aber auch, so die Nutzer einer professionell-partizipativen lokalen Nachrichtenseite, um Spa&#223; am Schreiben, um thematische Erg&#228;nzung, neutrales Informieren und um Aufmerksamkeit f&#252;r die Sch&#246;nheit und Besonderheiten der eigenen Region.</p>
<p>Und wie nun gehen Lokaljournalisten mit den Laien und den von ihnen produzierten Inhalten um? Aus Verlegersicht bieten partizipativ erstellte Inhalte zum einen die M&#246;glichkeit, preiswert Beitr&#228;ge in eigene Medien zu &#252;bernehmen, zum anderen die Leser-Blatt-Bindung (oder generell die Bindung an das Medium) zu st&#228;rken. Lokaljournalisten haben die M&#246;glichkeit, eine st&#228;rkere Bindung an ihr Publikum zu erreichen und es vor allem neu kennenzulernen, sie sehen, welche Themen interessieren, welche Meinungen formuliert werden. Und sie erhalten auf einem zus&#228;tzlichen Kanal Feedback von ihren Nutzern, Feedback, welches &#246;ffentlich formuliert ist und so eine Diskussion unter den Nutzern hervorrufen kann – dies zeigt auch eine aktuelle Untersuchung von Sehl.</p>
<p>Lokaljournalisten k&#246;nnen sich also aus neuen Quellen zu Geschichten anregen lassen und sich Kritik stellen – was auch zu Skepsis und abwertenden Einsch&#228;tzungen f&#252;hrt. So zeigt eine aktuelle Befragung, dass zumindest die Beitr&#228;ge einer professionell-partizipativen Nachrichtenseite im eigenen Verbreitungsgebiet von ihnen (bisher) nicht als Lokaljournalismus wahrgenommen werden, sondern in erster Linie als Beitr&#228;ge minderer Qualit&#228;t. Die Studie zeigt aber auch, dass diejenigen, die sich mit den Beitr&#228;gen intensiver besch&#228;ftigen, das Potenzial positiver einsch&#228;tzen.</p>
<p>Aus publizistischer Perspektive ist Nutzer-Partizipation auf jeden Fall zu begr&#252;&#223;en, insbesondere im Lokalen. Ob sie eine tats&#228;chliche Erg&#228;nzung zum herk&#246;mmlichen Lokaljournalismus bieten kann, wird immer vom Engagement der einzelnen Nutzer abh&#228;ngen – und auch von der Professionalit&#228;t der Lokaljournalisten im Umgang mit den neuen M&#246;glichkeiten, die sich ihnen hier bieten.</p>
<p><em>Foto: imago/Steffen Schellhorn</em></p>
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		<title>Fernsehen und Partizipation – ein Zukunftsmodell?</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 19:04:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Erste Ergebnisse der Begleitforschung zu nrwision</h3>
<h4>Von Annika Sehl, Hannah Lobert &#38; Michael Steinbrecher</h4>
<img class="aligncenter size-full wp-image-824" title="Sehl et al" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Sehl-et-al.jpg" alt="" width="230" />Die Journalistik steht vor gro&#223;en Herausforderungen. So viele Umbr&#252;che, so viele Fragen, so viele Forschungsans&#228;tze wie selten zuvor besch&#228;ftigen uns. Welche Medien werden zuk&#252;nftig in welcher Intensit&#228;t zu welchem Zweck genutzt? Wie ver&#228;ndern sich journalistische Berufsbilder und welche neuen, innovativen Formen der Partizipation werden sich auf Dauer etablieren? Die Antworten scheinen sich zu b&#252;ndeln in der Feststellung: „Die Zukunft liegt im Internet“. Wer besch&#228;ftigt sich schon noch mit dem alten, anscheinend so gar nicht im Trend liegenden Leitmedium Fernsehen? Ist dieses Medium &#252;berhaupt tauglich, um neue Formen von Partizipation zu erproben? Oder noch grunds&#228;tzlicher: Ist das Fernsehen, auch wenn es noch so modern &#252;ber Flachbildschirme angepriesen wird, in Zeiten von YouTube nicht l&#228;ngst ein Auslaufmodell?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Erste Ergebnisse der Begleitforschung zu nrwision</h3>
<h4>Von Annika Sehl, Hannah Lobert &amp; Michael Steinbrecher</h4>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-824" title="Sehl et al" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Sehl-et-al.jpg" alt="" width="450" height="300" /></p>
<p>Die Journalistik steht vor gro&#223;en Herausforderungen. So viele Umbr&#252;che, so viele Fragen, so viele Forschungsans&#228;tze wie selten zuvor besch&#228;ftigen uns. Welche Medien werden zuk&#252;nftig in welcher Intensit&#228;t zu welchem Zweck genutzt? Wie ver&#228;ndern sich journalistische Berufsbilder und welche neuen, innovativen Formen der Partizipation werden sich auf Dauer etablieren?</p>
<p>Die Antworten scheinen sich zu b&#252;ndeln in der Feststellung: „Die Zukunft liegt im Internet“. Wer besch&#228;ftigt sich schon noch mit dem alten, anscheinend so gar nicht im Trend liegenden Leitmedium Fernsehen? Ist dieses Medium &#252;berhaupt tauglich, um neue Formen von Partizipation zu erproben? Oder noch grunds&#228;tzlicher: Ist das Fernsehen, auch wenn es noch so modern &#252;ber Flachbildschirme angepriesen wird, in Zeiten von YouTube nicht l&#228;ngst ein Auslaufmodell?</p>
<p>In Nordrhein-Westfalen hat die Landesanstalt f&#252;r Medien (LfM) auf den ersten Blick gegen den Trend in der Nachfolge der Offenen Kan&#228;le ein neues TV-Modell etabliert: einen Lernsender, der landesweit im digitalen Kabelnetz zu empfangen ist und von der TU Dortmund betrieben wird. Zwei Ziele, die mit diesem Sender verbunden werden, sind eine St&#228;rkung der publizistischen Vielfalt und die Vermittlung von Medienkompetenz. Wie kann das funktionieren?</p>
<p>Anders als die gro&#223;en TV-Sender setzt nrwision voll auf Partizipation. Jeder Hobby-Fernsehmacher, der Interesse am Medium hat, kann das Programm mitgestalten. Dies gilt auch f&#252;r Berufssch&#252;ler und Studierende aus sehr unterschiedlichen Fachrichtungen, denen in „Lehr- und Lernredaktionen“, gef&#246;rdert von der LfM, gezielt Fernsehkompetenzen vermittelt werden. Hinzu kommen angehende Profis, die sich bereits in einer professionellen Medienausbildung befinden.</p>
<p>Diese drei Gruppen liefern jeweils Programm zu, das von der „Zentrale“ in Dortmund in einem w&#246;chentlichen Programmschema geb&#252;ndelt wird. Erfahrene Studierende der Dortmunder Journalistik, die in der Regel bereits ein Volontariat absolviert haben, nehmen als Programmredakteure die Beitr&#228;ge der Zulieferer entgegen und geben jedem, der bei nrwision mitmacht, individuelle technische, dramaturgische oder journalistische Feedbacks.</p>
<p>Somit entspricht nrwision weder dem Modell des reinen B&#252;rgerjournalismus noch dem in gro&#223;en Sendern &#252;berwiegend praktizierten traditionellen Journalismus. Die besondere Form der angeleiteten Partizipation macht dieses Modell auch f&#252;r die Forschung interessant. Ist der Sender eine Alternative zur Partizipation &#252;ber YouTube? Setzt er auf &#228;hnliche Motivationsstrukturen wie das Social Web oder entwickelt der Lernsender ein eigenes Profil?</p>
<p>Ein laufendes Lehrforschungsprojekt am Institut f&#252;r Journalis­tik der TU Dortmund unter Leitung von Annika Sehl und Mitarbeit von Hannah Lobert hat die Zulieferer von nrwision unter die Lupe genommen. Es wurden alle befragt, die im Jahr 2011 bis einschlie&#223;lich Oktober eine Sendung zugeliefert hatten. Dazu verteilten Studierende die Frageb&#246;gen vor Ort in den Redaktionen oder verschickten sie auf Wunsch per Post. Von 83 zuliefernden Redaktionen forderten etwas mehr als die H&#228;lfte Frageb&#246;gen an. Bisher kamen mit 168 Frageb&#246;gen &#252;ber 40 Prozent der angeforderten Exemplare ausgef&#252;llt zur&#252;ck. Da die Anonymit&#228;t der Teilnehmer gewahrt werden sollte, sind keine R&#252;ckschl&#252;sse auf den R&#252;cklauf in einzelnen Redaktionen m&#246;glich. Weiterhin kann das Verh&#228;ltnis der Befragten zu allen Zulieferern nur gesch&#228;tzt werden, da die Ansprechpartner in den Redaktionen nicht in allen F&#228;llen die genaue Anzahl ihrer Redaktionsmitglieder angeben konnten.</p>
<p>Schwerpunkte der Befragung waren u. a. die Motivation der Zulieferer, ihre Selbsteinsch&#228;tzung im Vergleich zum professionellen Journalismus und das Zusammenspiel zwischen den Zulieferern und der Programmredaktion. In diesem Artikel besch&#228;ftigen wir uns vorwiegend mit der Abgrenzung von nrwision zum Social Web und den Merkmalen, die die Zulieferer diesen beiden Angeboten jeweils zuordnen.</p>
<p>Zun&#228;chst aber eine kurze Beschreibung der Befragten: Mit Blick auf das Alter f&#228;llt auf, dass die Zulieferer eine breite Altersspanne abdecken. Der j&#252;ngste Befragte ist 14 Jahre, der &#228;lteste Befragte 79 Jahre alt. Die H&#228;lfte der Teilnehmer ist 24 Jahre oder j&#252;nger, davon wiederum die meisten zwischen 20 und 24 Jahren. Im Vergleich zu einer Studie &#252;ber die ehemaligen Offenen Kan&#228;le in Nord­rhein-Westfalen (vgl. Volpers/Werner 2007) zeigt sich hiermit eine j&#252;ngere Altersstruktur. Eine genauere Auswertung ergibt, dass dies vor allem durch die Gruppen der angehenden Medienprofis und der Studierenden in Lehr- und Lernredaktionen bedingt ist. Bei der Gruppe der Hobby-Fernsehmacher sind Zulieferer aller Altersgruppen relativ gleichm&#228;&#223;ig vertreten. Entsprechend ergibt sich f&#252;r die derzeitige Besch&#228;ftigung der Zulieferer: Jeder zweite ist noch Studierender. Die Hobby-Fernsehmacher befinden sich im Gegensatz zu den anderen beiden Gruppen in sehr unterschiedlichen Besch&#228;ftigungssituationen. Von Sch&#252;lern, Auszubildenden und Studierenden &#252;ber Arbeiter, Arbeitslose, Angestellte/Beamte oder Selbst&#228;ndige bis hin zu Rentnern ist eine gro&#223;e Bandbreite vertreten. Die meisten Zulieferer sind in einem Team organisiert, die wenigsten produzieren alleine.</p>
<p>M&#228;nner und Frauen sind nahezu gleich h&#228;ufig bei nrwision als Zulieferer vertreten. Auf den ersten Blick k&#246;nnte man denken, dass sich diese Verteilung im Vergleich zur oben angesprochenen Studie &#252;ber die Offenen Kan&#228;le ge&#228;ndert hat. Dort waren vor allem M&#228;nner aktiv. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich auch bei nrwision: In der Gruppe der Hobby-Fernsehmacher haben nach wie vor mehrheitlich die M&#228;nner die Z&#252;gel in der Hand. Im Gegensatz dazu dominieren die Frauen in der Gruppe der angehenden Medienprofis.</p>
<p>Der Einfluss der Medienprofis in Ausbildung und der Studierenden in Lehr- und Lernredaktionen auf das Ergebnis zeigt sich auch beim h&#246;chsten Bildungsabschluss. Von allen Zulieferern haben rund drei Viertel Abitur gemacht oder sogar einen Hochschulabschluss in der Tasche. Bei den Hobby-Fernsehmachern verteilt sich die formale Bildung allerdings breiter – von Volks-/Hauptschule bis ebenfalls zum Hochschulabschluss.</p>
<p>Kommen wir jetzt zum Vergleich der Merkmale, die nrwision oder dem Social Web zugeschrieben werden. Das Social Web beinhaltet Formate wie Weblogs, YouTube oder Social Networks. Dabei wurden die Zulieferer gefragt, ob sie bestimmte Merkmale eher nrwision, eher dem Social Web oder beiden im gleichen Ma&#223;e zuordnen: Die Ergebnisse zeigen, dass die Zulieferer sehr deutlich differenzieren und nrwision und das Social Web unterschiedlich charakterisieren. „Trifft eher auf nrwision zu“ sagen die Zulieferer vor allem in den Bereichen „journalistisch dazulernen“ (76% nrwision versus 9% Social Web), „R&#252;ckmeldung bekommen“ (50% versus 16%) und „Anerkennung bekommen“ (41% versus 15%). Die ersten beiden Punkte liefern ein erstes Indiz daf&#252;r, dass die Intention des Lernsenders, Medienkompetenz zu vermitteln, von den Zulieferern deutlich registriert wird. Interessant ist, dass auch der Punkt „Anerkennung bekommen“ nrwision st&#228;rker zugeschrieben wird als Angeboten im Social Web. Hier ist zu vermuten, dass durch die redaktionelle Gesamtstruktur die soziale Interaktion mit der Programmredaktion und anderen Zulieferern deutlicher wahrgenommen wird.</p>
<p>Umgekehrt ist das Profil des Social Web ebenso deutlich zu erkennen. Sowohl das Vernetzen (70% Social Web versus 4% nrwision) als auch das Erreichen eines breiten Publikums (38% versus 23%) werden eindeutig st&#228;rker dem Social Web als nrwision zugeordnet. Dass ein Fernsehsender trotz aller Online-Aktivit&#228;ten nicht mit den Vernetzungsoptionen des Social Web konkurrieren kann, war vorhersehbar und unterstreicht, dass die Zulieferer von nrwision dem Lernsender andere Qualit&#228;ten zuordnen als dem Social Web.</p>
<p>Bedeutet diese Differenzierung der Angebote insgesamt, dass das Medium Fernsehen doch eine Partizipations-Option der Zukunft sein kann? F&#252;r eine Beantwortung der Frage ist es noch zu fr&#252;h. Fest steht, selbst wenn nrwision bezogen auf die Reichweite nicht mit gro&#223;en Sendern konkurriert, k&#246;nnte der Lernsender als Modell eine interessante Perspektiv-Diskussion ansto&#223;en. Er kann zur Kl&#228;rung der Frage beitragen, welche Partizipations-M&#246;glichkeiten das als eher unbeweglich abgestempelte Medium Fernsehen grunds&#228;tzlich er&#246;ffnen kann.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Volpers, Helmut/Werner, Petra (Hrsg.) (2007): B&#252;rgerfernsehen in Nordrhein-Westfalen. Eine Organisations- und Programmanalyse. Berlin: Vistas.</li>
</ul>
<p><em>Foto: nrwision</em></p>
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		<title>Planlos in die Partizipation?</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 18:36:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Eine internationale Studie zum Status quo des Mitmach-Journalismus</h3>
<h4>Von Thorsten Quandt</h4>
<img class="aligncenter size-full wp-image-816" title="Quandt" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Quandt.jpg" alt="" width="230" />„Sie k&#246;nnen uns helfen!“ Der Redakteur eines kleinen Special-Interest-Verlags schaut mich erwartungsfroh an. Nach einem Vortrag &#252;ber ein Forschungsprojekt zu sozialen Netzwerken und Partizipationsformen im Internet hat er mich angesprochen, offenbar mit der vagen Hoffnung, dass der Uni-Experte schon wissen werde, wie man das mit der Nutzerbeteiligung im Netz so macht. Er erl&#228;utert mir, dass man im Verlag jetzt „irgendwie Nutzer einbinden“ wolle, aber nicht so recht wisse, wie man das anpacken solle. Auf meine – vermutlich akademisch anmutende – Frage, warum man denn &#252;berhaupt Nutzerpartizipation anstrebe, bekomme ich zun&#228;chst einen irritierten Blick und dann eine aufschlussreiche Antwort: Weil das die Verlagsleitung halt so wolle.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Eine internationale Studie zum Status quo des Mitmach-Journalismus</h3>
<h4>Von Thorsten Quandt</h4>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-816" title="Quandt" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Quandt.jpg" alt="" width="450" height="306" /></p>
<p>„Sie k&#246;nnen uns helfen!“ Der Redakteur eines kleinen Special-Interest-Verlags schaut mich erwartungsfroh an. Nach einem Vortrag &#252;ber ein Forschungsprojekt zu sozialen Netzwerken und Partizipationsformen im Internet hat er mich angesprochen, offenbar mit der vagen Hoffnung, dass der Uni-Experte schon wissen werde, wie man das mit der Nutzerbeteiligung im Netz so macht. Er erl&#228;utert mir, dass man im Verlag jetzt „irgendwie Nutzer einbinden“ wolle, aber nicht so recht wisse, wie man das anpacken solle. Auf meine – vermutlich akademisch anmutende – Frage, warum man denn &#252;berhaupt Nutzerpartizipation anstrebe, bekomme ich zun&#228;chst einen irritierten Blick und dann eine aufschlussreiche Antwort: Weil das die Verlagsleitung halt so wolle.</p>
<p>Diese kleine Episode ist kein Einzelfall: Forscht man zum Thema Nutzerpartizipation und Online-Kommunikation, wird man des &#214;fteren mit dieser ‚Strategie‘ des „Mitmachens beim Mitmachen“ konfrontiert. Partizipation sei jetzt wichtig, Internet sowieso, und man m&#252;sse das alles mitnehmen, um als Medienunternehmen nicht den Anschluss zu verlieren. Bei genauerer Betrachtung sind die Motive jenseits dieses Bandwagon-Effekts jedoch unklar und uneinheitlich. In vielen Verlagen besteht eine diffuse Angst, von origin&#228;ren Online-Angeboten abgeh&#228;ngt zu werden und mit dem traditionellen Offline-Gesch&#228;ftsmodell nicht mehr konkurrenzf&#228;hig zu sein. Allerdings: Angst ist bekannterma&#223;en ein schlechter Berater.</p>
<p>&#196;ngste bestehen jedoch nicht nur davor, von der Online-Welt abgekoppelt zu werden – sondern umgekehrt auch davor, sich ihr st&#228;rker anzun&#228;hern. Eine Einbindung des Nutzers, „irgendwas 2.0“, wird zwar von Verlagsleitungen und manchen redaktionellen Reformern angemahnt, doch gleichzeitig bestehen in Redaktionen reichlich Vorbehalte, was die Einbindung von Nutzern angeht.</p>
<p>Diese Skepsis hat auch das besagte Forschungsprojekt offengelegt: In zehn L&#228;ndern hatte ein internationales Forschungsteam um die US-amerikanische Kollegin Jane Singer (2011) mit knapp 70 Redaktionsleitern, Online-Redakteuren und Community-Betreuern ausf&#252;hrliche Interviews gef&#252;hrt, um den Status quo des „partizipativen Journalismus“ besser bestimmen zu k&#246;nnen. Zu den untersuchen Medien geh&#246;rten u. a. USA Today, Washington Post, The Times, The Guardian, El País, Le Figaro, Le Monde, Spiegel, Focus, S&#252;ddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, um nur einige zu nennen.</p>
<p>Die Ergebnisse sind weder f&#252;r alle L&#228;nder noch f&#252;r alle befragten Personengruppen einheitlich. Manche Befragte hielten aktiven Mitmach-Journalismus f&#252;r die Zukunft, andere sahen in der webbasierten Nutzerpartizipation lediglich „alten Wein in neuen Schl&#228;uchen“, oder noch schlimmer: eine Bedrohung. Redakteure sprachen von einer „Lawine“, die einen &#252;berrollt, oder einer „siebenk&#246;pfigen Schlange“ (vgl. ebd.), wenn sie Foren-Partizipation beschrieben. Die direkte Einbindung von Nutzern als Produzenten journalistischen Inhalts wurde als noch problematischer eingesch&#228;tzt.</p>
<p>Diese &#196;ngste beruhen in Teilen auch darauf, dass unter Partizipation die unterschiedlichsten Dinge subsumiert werden. Letztlich k&#246;nnen Nutzer nat&#252;rlich in allen Stufen des journalistischen Arbeitsprozesses aktiv werden: vom Informationszugang bzw. der Beobachtung &#252;ber die Selektion und Filterung, das Produzieren und Editieren, die Distribution bis hin zur Interpretation (vgl. Domingo et al. 2008). In unserem Forschungsprojekt zeigte sich, dass insbesondere der Mittelteil dieses Prozesses als journalistische Kernaufgabe gesehen wird, als professionelles Hoheitsgebiet, das weitgehend vor dem Einfluss der Nutzer zu sch&#252;tzen sei. Die strukturelle Planung des Angebots, die Auswahl von Informationen und deren journalistische Aufarbeitung waren in den meisten F&#228;llen den Nutzern nicht zug&#228;nglich – und das fanden die Befragten auch gut so.</p>
<p>Zulieferungen in Form von Augenzeugen-Berichten, Fotos vom Ort des Geschehens, aber auch die Kommentierung von Beitr&#228;gen waren hingegen die gel&#228;ufigen Formen der Partizipation, die im Rahmen professioneller News-Angebote stattfanden. Freilich wurde uns gegen&#252;ber auch einger&#228;umt, dass man damit den Nutzer nicht auf Augenh&#246;he mit den Journalisten sah: Denn letztlich werden die Nutzer bei diesen Formen einerseits als Quellen der Berichterstattung angesehen, andererseits als moderne ‚Leserbrief-Schreiber‘, keinesfalls aber als echte Produzenten von Inhalt.</p>
<p>Diese Sichtweise kann man als r&#252;ckw&#228;rtsgewandt brandmarken, insbesondere angesichts der Ver&#228;nderungen in der arabischen Welt und der Rolle sozialer Netzwerke sowie Blogs bei diesen Ver&#228;nderungen. Staunte nicht der westliche Journalismus, wie die internetaffine arabische Jugend durch ihr kollaboratives Publizieren eine politische Bewegung in Gang brachte, die schlie&#223;lich zum Sturz ganzer Regimes f&#252;hrte? Und wird uns nicht fast t&#228;glich vor Augen gef&#252;hrt, dass Normalb&#252;rger mit Mobiltelefonen die Rolle von Korrespondenten &#252;bernommen haben, um uns Bilder direkt vom nachrichtenrelevanten Geschehen zu liefern? Keine Demonstrationen, keine Katastrophen, keine Konflikte, von denen man nicht Bilder oder Vor-Ort-Berichte bek&#228;me.</p>
<p>Jedoch gilt es hier zu fragen, wie diese Bilder zum Publikum gelangen, und ob dieses Publikum selbst in gro&#223;em Ma&#223;e am interaktiven Produktionsprozess teilnimmt. Denn wiederholt haben Studien gezeigt, dass einerseits die Partizipationsbereitschaft der Nutzer insgesamt eher gering ist, auch im Web 2.0 (vgl. z. B. von Pape/Quandt 2010), andererseits der Informationsfluss zum Publikum immer noch in hohem Ma&#223;e &#252;ber klassische ‚Massenmedien‘ erfolgt, die weiterhin eine Orientierungsfunktion erf&#252;llen (vgl. Leskovec/Backstrom/Kleinberg 2009).</p>
<p>Wenn man diese Ergebnisse wirklich ernst nimmt, so m&#252;sste man eigentlich eher f&#252;r eine St&#228;rkung des professionellen Journalismus als gegen diese argumentieren: Wenn die Partizipation nur von einzelnen Aktiven im Netz wahrgenommen wird, kann keine Pluralit&#228;t der Inhalte und Sichtweisen erwartet werden. Und auch die Orientierung in der Informationsvielfalt kann wohl nicht bedenkenlos von einer unbestimmten ‚Masse‘ &#252;bernommen werden.</p>
<p>Allerdings sind dies angesichts des ungebrochenen Partizipations-Hypes eher unpopul&#228;re Aussagen – f&#252;r solche gab es auch schon in der Vergangenheit reichlich negatives Feedback, insbesondere aus der Blogosph&#228;re selbst. Der eine oder andere Kritiker musste bereits einen so genannten ‚shitstorm‘ der Netzaktiven &#252;ber sich ergehen lassen. Freilich waren auch die professionellen Journalisten mit ihrer Kritik bez&#252;glich der partizipierenden Nutzer in der Vergangenheit nicht gerade zimperlich (und auch dies wurde uns in den Interviews des genannten Forschungsprojekts immer wieder best&#228;tigt).</p>
<p>M&#246;glicherweise sind dies beiderseits eher Kritik-Reflexe am jeweils anderen, die den eigentlichen Kern des Problems nicht treffen: Denn man kann weder die Uhr einfach zur&#252;ckdrehen noch ein journalistisches ‚anything goes‘ ausrufen. Insofern besteht die Aufgabe f&#252;r die Medien in Zeiten der Partizipation vor allem darin, sinnvolle M&#246;glichkeiten der Einbeziehung von Nutzern zu finden – und zwar sinnvoll in Hinblick auf die Gr&#252;nde, die Ziele und den Verlauf des journalistischen Prozesses.</p>
<p>Und hier setzt dann auch die eingangs genannte Frage an, die ich dem Redakteur des Special-Interest-Verlages gestellt hatte: Ist die Einbeziehung von Nutzern &#252;berhaupt angebracht, gibt es daf&#252;r einen guten Grund? Wenn man den jenseits von „Mitschwimmen im Mainstream“ nicht findet, dann sollte man vielleicht nochmal die Strategie &#252;berdenken. Partizipation um jeden Preis und ohne Plan – daran muss man nicht unbedingt partizipieren.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Domingo, D./Quandt, T./Heinonen, A./Paulussen, S./Singer, J./Vujnovic, M. (2008): Participatory journalism practices in the media and beyond: an international comparative study of initiatives in online newspapers. In: Journalism Practice, 2 (3), S. 326-342.</li>
<li>Leskovec, J./Backstrom, L./Kleinberg, J. (2009): Meme-tracking and the dynamics of the news cycle. KDD 2009, 28. Juni – 1. Juli 2009. Paris.</li>
<li>v. Pape, T./Quandt, T. (2010): Wen erreicht der Wahlkampf 2.0? Eine Repr&#228;sentativstudie zum Informationsverhalten im Bundestagswahlkampf 2009. In: Media Perspektiven, 9/2010, S. 390-398.</li>
<li>Singer, J./Hermida, A./Domingo, D./Heinonen, A./Paulussen, S./Quandt, T./Reich, Z./Vujnovic, M. (2011): Participatory journalism: Guarding open gates at online newspapers. Malden, Oxford, Chichester: Wiley-Blackwell.</li>
</ul>
<p><em>Foto: boing/photocase.com</em></p>
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		<title>Die (Wieder-)Entdeckung des Publikums</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 18:19:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Partizipativer Journalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[<h3>Neues DFG-Projekt am Hans-Bredow-Institut</h3>
<h4>Von Nele Heise &#38; Julius Reimer</h4>
<img class="aligncenter size-full wp-image-808" title="Heise&#38;Reimer" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/HeiseReimer.jpg" alt="" width="230" />Der Blog der Tagesschau, die „Leserartikel” auf zeit.de, der YouTube-Kanal von Maybrit Illner – ganz offenkundig hat das Web 2.0 die deutsche Medienlandschaft stark ver&#228;ndert. Anwendungen wie Facebook und Twitter finden zunehmend Verbreitung, neuere Studien zu den gro&#223;en Verlagsh&#228;usern best&#228;tigen diesen Trend. Dabei scheint sich insbesondere die Rolle des Publikums zu wandeln: Rezipienten werden nun nicht mehr nur als Leser, H&#246;rer oder Zuschauer angesprochen, sondern sind immer h&#228;ufiger auch eingeladen, mitzumachen im Journalismus – sei es als Kommentatoren, Feedback-Geber und Diskutanten oder als Augenzeugen, Experten und Informanten. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um ein Potenzial zur Beteiligung: Erste Nutzerstudien legen nahe, dass ein Gro&#223;teil des Publikums keinen gro&#223;en Wert darauf legt, sich einzubringen und mit Journalisten zu interagieren. Diese sind der Nutzerbeteiligung gegen&#252;ber ebenfalls nicht immer aufgeschlossen, wehren sich mitunter gegen die Ver&#228;nderung traditioneller Strukturen hin zu mehr Partizipation.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Neues DFG-Projekt am Hans-Bredow-Institut</h3>
<h4>Von Nele Heise &amp; Julius Reimer</h4>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-808" title="Heise&amp;Reimer" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/HeiseReimer.jpg" alt="" width="450" height="301" /></p>
<p>Der Blog der Tagesschau, die „Leserartikel” auf zeit.de, der YouTube-Kanal von Maybrit Illner – ganz offenkundig hat das Web 2.0 die deutsche Medienlandschaft stark ver&#228;ndert. Anwendungen wie Facebook und Twitter finden zunehmend Verbreitung, neuere Studien zu den gro&#223;en Verlagsh&#228;usern best&#228;tigen diesen Trend (z. B. Hoffmeister 2011). Dabei scheint sich insbesondere die Rolle des Publikums zu wandeln: Rezipienten werden nun nicht mehr nur als Leser, H&#246;rer oder Zuschauer angesprochen, sondern sind immer h&#228;ufiger auch eingeladen, mitzumachen im Journalismus – sei es als Kommentatoren, Feedback-Geber und Diskutanten oder als Augenzeugen, Experten und Informanten. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um ein Potenzial zur Beteiligung: Erste Nutzerstudien legen nahe, dass ein Gro&#223;teil des Publikums keinen gro&#223;en Wert darauf legt, sich einzubringen und mit Journalisten zu interagieren (vgl. u. a. Gehmlich 2012). Diese sind der Nutzerbeteiligung gegen&#252;ber ebenfalls nicht immer aufgeschlossen, wehren sich mitunter gegen die Ver&#228;nderung traditioneller Strukturen hin zu mehr Partizipation (vgl. u. a. Robinson 2010).</p>
<p>Trotz dieser Befunde: Die Frage, inwieweit web-basierte Formen der Beteiligung und des Feedbacks das Verh&#228;ltnis von Journalismus und Publikum ver&#228;ndern, bedarf einer genauen Betrachtung. Was konkret bedeutet die viel beschworene Aufweichung der Grenzen zwischen den klassischen Rollen des professionellen Kommunikators auf der einen und des Rezipienten auf der anderen Seite? Welche Beteiligungsm&#246;glichkeiten erwartet das Publikum &#252;berhaupt? Wie (erfolgreich) l&#246;sen Redaktionen diesen Anspruch ein? Und in welchem Zusammenhang steht dies zu ihrem journalistischen Selbstverst&#228;ndnis? Diese Fragen stehen derzeit im Fokus des Forschungsprojektes „Die (Wieder-)Entdeckung des Publikums“ am Hamburger Hans-Bredow-Institut.</p>
<p>Theoretisch fu&#223;t das Projekt zum einen auf dem in der deutschen systemtheoretischen Journalismusforschung etablierten Konzept der Inklusion, das allgemein die Teilnahme eines Individuums an Teilsystemen der Gesellschaft bezeichnet: etwa als Konsument oder Produzent in der Wirtschaft, als W&#228;hler oder Politiker in der Politik oder eben als Rezipient oder Journalist im Journalismus. Zum anderen orientiert sich die Studie am Konstrukt der „Kommunikationsdistanz“ (Weischenberg/von Bassewitz/Scholl 1989) zwischen Journalismus und Publikum, d. h. einem dynamisch-transaktionalen Verst&#228;ndnis dieser Beziehung. Das Zusammendenken beider Ans&#228;tze erm&#246;glicht nicht nur theoretisch, sondern auch empirisch die so notwendige Verkn&#252;pfung von Journalismus- und Pub­likumsperspektive: Mit Hilfe des darauf basierenden heuristischen Modells (vgl. Loosen/Schmidt 2012) kann &#252;berpr&#252;ft werden, inwieweit journalistisch-professionelles Handeln und Publikumsbeteiligung wechselseitig aufeinander wirken und gegenseitige Orientierungen ausbilden. Unterschieden wird hier zwischen Inklusionsleistungen und Inklusionserwartungen.</p>
<p>Inklusionsleistungen werden auf journalistischer Seite durch unterschiedliche Formen der Publikumsintegration erbracht, etwa durch Nutzerblogs. Eine Frage im empirischen Teil der Studie ist daher, welche Angebote der professionelle Journalismus bietet, um Rezipienten als Quellen, Kommentatoren, Feedback-Geber usw. zu integrieren. Dar&#252;ber hinaus wird gepr&#252;ft, in welcher Weise die Formen der Publikumsbeteiligung auch zu Anpassungen der redaktionellen Arbeitsabl&#228;ufe f&#252;hren. Das Pub­likum erbringt Inklusionsleistungen durch unterschiedliche Praktiken der Partizipation, z. B. in Kommentarbereichen. Diese Praktiken, so eine Annahme, variieren nach dem Grad ihrer Kollektivorientierung, also danach, ob Nutzer ihr Handeln als individuell oder als Teil einer aggregierten Publikums&#228;u&#223;erung verstehen. Indem die Inklusionsleistungen auf Seiten des journalistischen Angebots denjenigen der Nutzer gegen&#252;bergestellt werden, kann das Inklusionsniveau ermittelt werden.</p>
<p>Die Inklusionserwartungen entstehen auf Seite der Journalisten, zumindest hypothetisch, &#252;ber ihr Publikumsbild und ihr Rollenselbstverst&#228;ndnis. Hinzu kommt die strategische Bedeutung, die Redaktionen der Publikumsinklusion aus publizistischen und &#246;konomischen Erw&#228;gungen zuschreiben. Auf der Publikumsseite manifestieren sich die Erwartungen in den Beteiligungsmotiven der Nutzer und darin, wie hoch sie ihren Einfluss auf die journalistische Arbeit einsch&#228;tzen. Vergleicht man die Erwartungen der Journalisten mit denen des Publikums, l&#228;sst sich das Ausma&#223; ihrer &#220;bereinstimmung ermitteln, das wir als Inklusionsdistanz bezeichnen.</p>
<p>Im Ganzen wird also im Rahmen des Projekts durch die Gegen­&#252;berstellung der Befunde auf Journalisten- und auf Publikumsseite ermittelt, wie hoch das Niveau der Publikumseinbindung ist und inwieweit die diesbez&#252;glichen Erwartungen der professionellen Kommunikatoren mit jenen der Nutzer &#252;bereinstimmen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Formen der Publikumsinklusion von den Bedingungen auf Seiten der journalistischen Angebote sowie auf Seiten der Nutzer abh&#228;ngig sind, dass also journalistische Medien, ihre Redaktionen und jeweiligen Publika sehr unterschiedlich sind und sich dies auch auf die Partizipationsleistungen und -erwartungen auswirkt.</p>
<p>Um diese These zu &#252;berpr&#252;fen, ist das Forschungsprojekt als multiple Fallstudie angelegt: Untersucht werden drei Print- und drei TV-Redaktionen, weil vermutet wird, dass diese unterschiedlichen Medientypen verschiedene M&#246;glichkeiten der Publikumseinbindung bieten. Weitere Dimensionen, nach denen die Fallstudien ausgew&#228;hlt werden, sind ihre inhaltliche Ausrichtung (eher informierend oder eher unterhaltend) und ihre Erscheinungsweise (t&#228;glich und w&#246;chentlich). Denn es scheint plausibel, dass sich die Formen der Publikumseinbindung und die Intensit&#228;t ihrer Nutzung auch hiernach unterscheiden. Nach Abschluss aller sechs Fallstudien lassen sich die Ergebnisse entlang dieser insgesamt drei Unterscheidungsdimensionen miteinander vergleichen.</p>
<p>Wir gehen au&#223;erdem davon aus, dass die neuen Formen der Publikumsbeteiligung den klassischen Print- und TV-Journalismus haupts&#228;chlich &#252;ber sein jeweiliges Online-Pendant erreichen. Unsere These: Online-Redaktionen, die in einem solchen Medienverbund arbeiten, k&#246;nnen &#252;ber web-basierte Formen der Publikumseinbindung zu Koordinationszentren f&#252;r Beteiligung und Feedback werden, die auch das jeweilige „Muttermedium“ betreffen. Dar&#252;ber hinaus kann vermutet werden, dass die Nutzer im Web neue M&#246;glichkeiten der Teilhabe kennenlernen und diese auf TV- und Print-Angebote &#252;bertragen. Deshalb wird in jeder der sechs Fallstudien auch die jeweilige Online-Redaktion einbezogen.</p>
<p>Die Untersuchung aller Fallstudien folgt dem gleichen Mehrmethodendesign: Auf Seite der Journalisten werden Leitfadeninterviews mit den publizistischen und &#246;konomischen Leitern der untersuchten Medien sowie mit Redakteuren gef&#252;hrt, die besonders mit Publikumsbeteiligung betraut sind. Dabei nehmen wir an, dass Journalisten mit verschiedenen Rollen auch unterschiedliche Sichtweisen in Bezug auf Publikumsbeteiligung haben. Die so gewonnenen Erkenntnisse werden mittels standardisierter Online-Befragung aller Redaktionsmitglieder der untersuchten Redaktionen auf eine breitere Datenbasis bezogen. Die Publikumsseite wird anhand der Online-Nutzer der sechs Medien untersucht, da wir annehmen, dass sich insbesondere im Online-Bereich die Beteiligungsleistungen und -erwartungen ver&#228;ndern und entsprechend abgefragt werden k&#246;nnen. Auch hier wird neben Leitfadeninterviews mit unterschiedlich aktiven Nutzern eine standardisierte Online-Befragung durchgef&#252;hrt. Dar&#252;ber hinaus sollen Inhaltsanalysen der sechs Angebote Aufschluss &#252;ber Art und Umfang der Beteiligungsangebote sowie deren Inanspruchnahme durch die Nutzer geben.</p>
<p>Neben der eigentlichen empirischen Arbeit m&#246;chte die Forschungsgruppe in den kommenden zwei Jahren auch Mehrwerte in theoretischer und praktischer Hinsicht generieren. Da etwa die theoretischen Weiterentwicklungen des soziologischen Inklusionskonzeptes in der Journalismusforschung nur unzureichend wahrgenommen und lediglich f&#252;r massenmediale Kontexte diskutiert wurden, soll es im Rahmen des Projekts f&#252;r die neuen Bedingungen der Online-Kommunikation weiterentwickelt werden. Hierbei soll sowohl das Konzept des sekund&#228;ren Leistungsrollentr&#228;gers deutlicher konturiert als auch mehr Klarheit dar&#252;ber geschaffen werden, in welchem Verh&#228;ltnis Inklusion zu anderen Begriffen wie Interaktion, Partizipation und Interaktivit&#228;t steht – auch mit Blick auf technische Oberfl&#228;chen und Anwendungsformen. In praktischer Perspektive soll das Projekt u. a. den kooperierenden Medien neue Sichtweisen auf das eigene Handeln und Denken und das ihres Publikums er&#246;ffnen, weshalb der Transfer der Erkenntnisse in die journalistische Praxis ein erkl&#228;rtes Ziel ist.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Gehmlich, Pierre (2012): Schnell, exklusiv und transparent. Was zeichnet journalistische Websites aus Nutzersicht aus? In: Message, 14 (1), S. 90-93.</li>
<li>Hoffmeister, Christian (2011): Social Media als Herausforderung f&#252;r Zeitungsverlage. Potenzial – Produkte – Perspektiven. Berlin.</li>
<li>Loosen, Wiebke/Schmidt, Jan (2012): (Re-)Discovering the Audience. The relationship between journalism and audience in networked digital media. In: Information, Communication &amp; Society (im Erscheinen).</li>
<li>Robinson, Sue (2010): Traditionalists vs. Convergers. Textual Privilege, Boundary Work, and the Journalist-Audience Relationship in the Commenting Policies of Online News Sites. In: Convergence, 16 (1), S. 125-143.</li>
<li>Weischenberg, Siegfried/Bassewitz, Susanne von/Scholl, Armin (1989): Konstellationen der Aussagenentstehung. Zur Handlungs- und Wirkungsrelevanz journalistischer Kommunikationsabsichten. In: Max Kaase/Winfried Schulz (Hrsg.): Massenkommunikation. Theorien, Methoden, Befunde. Opladen, S. 280-300.</li>
</ul>
<p><em>Hintergrund:</em></p>
<p>Das im Oktober 2011 am Hamburger Hans-Bredow-Institut gestartete Projekt wird f&#252;r zweieinhalb Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gef&#246;rdert. Verantwortliche Projektleiter sind PD Dr. Wiebke Loosen und Dr. Jan-Hinrik Schmidt, die Promotionsstudenten Nele Heise und Julius Reimer unterst&#252;tzen das Projekt als wissenschaftliche Mitarbeiter. Kontakt: Jan-Hinrik Schmidt (<a href="mailto:j.schmidt@hans-bredow-institut.de">j.schmidt@hans-bredow-institut.de</a>). Mehr Infos zum Projekt im Blog: <a href="http://jpub20.hans-bredow-institut.de" target="_blank">http://jpub20.hans-bredow-institut.de</a> und via Twitter: <a href="http://twitter.com/jpub20team" target="_blank">@jpub20team</a>.</p>
<p><em>Foto:stockwerk23/photocase.com</em></p>
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		<title>Die regionale L&#252;cke</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 17:58:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<h3>Europ&#228;ische &#214;ffentlichkeit ist zu einem Trendthema in der Medienforschung geworden. Das eigentliche Massenmedium wurde dabei aber kaum betrachtet: die Regionalzeitung.</h3>
<h4>Von Torsten Sch&#228;fer</h4>
<img class="aligncenter size-full wp-image-802" title="Sch&#228;fer" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Sch&#228;fer.jpg" alt="" width="230" />Das Forschungsfeld der europ&#228;ischen &#214;ffentlichkeit hat sich rasant entwickelt. Doch Regionalzeitungen wurde dabei kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei ist ihr Potenzial zur Europ&#228;isierung der &#214;ffentlichkeit, und damit zur Reduktion des &#214;ffentlichkeits- und Demokratiedefi­zits der Europ&#228;ischen Union, besonders gro&#223;: Die Regionalpresse ist das eigentliche Massenmedium; zwei Drittel der Deutschen nutzen sie als t&#228;gliche Informationsquelle. Und diese Mediengattung berichtet dort, wo die EU-Politik oft direkt Wirkung zeigt: in der Region, in Kreisen und Kommunen. Vor diesen Hintergr&#252;nden schien es geboten, die Entstehungsbedingungen der regionalen EU-Berichterstattung zu erkunden und offen zu legen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Europ&#228;ische &#214;ffentlichkeit ist zu einem Trendthema in der Medienforschung geworden. Das eigentliche Massenmedium wurde dabei aber kaum betrachtet: die Regionalzeitung.</h3>
<h4>Von Torsten Sch&#228;fer</h4>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-802" title="Sch&#228;fer" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2012/03/Sch&#228;fer.jpg" alt="" width="450" height="292" /></p>
<p>Das Forschungsfeld der europ&#228;ischen &#214;ffentlichkeit hat sich rasant entwickelt. Doch Regionalzeitungen wurde dabei kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei ist ihr Potenzial zur Europ&#228;isierung der &#214;ffentlichkeit, und damit zur Reduktion des &#214;ffentlichkeits- und Demokratiedefi­zits der Europ&#228;ischen Union, besonders gro&#223;: Die Regionalpresse ist das eigentliche Massenmedium; zwei Drittel der Deutschen nutzen sie als t&#228;gliche Informationsquelle. Und diese Mediengattung berichtet dort, wo die EU-Politik oft direkt Wirkung zeigt: in der Region, in Kreisen und Kommunen. Vor diesen Hintergr&#252;nden schien es geboten, die Entstehungsbedingungen der regionalen EU-Berichterstattung zu erkunden und offen zu legen.</p>
<p>Dies geschah auf Grundlage einer Aufarbeitung des bisherigen Kenntnisstandes zum EU-Journalismus, verbunden mit einer Analyse des EU-Demokratiedefizits. Bestandteile der empirischen Studie waren eine teilnehmende Redaktionsbeobachtung, auf die 24 Leitfadeninterviews mit Ressortleitern von Politikredaktionen folgten. Inhaltsanalysen, telefonische Experteninterviews und Frageb&#246;gen waren weitere Methoden, die zum Einsatz kamen. So gelang es erstmals, ein vielschichtiges Bild der regionalen EU-Berichterstattung in den Heimatredaktionen zu zeichnen, nachdem Deike Schmidt 2008 mit ihrer Analyse „Ein bisschen wie Volkshochschule“ bereits die Arbeit der EU-Korrespondenten deutscher Regionalzeitungen untersucht hatte.</p>
<p>Wenige Arbeiten zeigten, dass die regionale EU-Berichterstattung &#228;hnliche Schw&#228;chen hat wie die &#252;berregionale Berichterstattung. Dazu kommen andere Defizite, die verhindern, dass ein breiter europ&#228;ischer Mediendiskurs entsteht – wenn nicht ein Megathema wie die Schuldenkrise Europa zum Dauerbrenner macht. In normalen Zeiten wird, gemessen an ihrer innenpolitischen Bedeutung, zu wenig &#252;ber die EU berichtet. Rund 80 Prozent aller Vorschriften, die in Deutschland rechtliche Wirkung entfalten, gehen auf Vorgaben aus Br&#252;ssel zur&#252;ck. Dieser Einfluss wird jedoch nicht angemessen wiedergegeben. Gro&#223;ereignisse wie Ratsgipfel und Referenden &#252;berwinden durchaus die hohen H&#252;rden und gelangen ins Blatt. Weniger spektakul&#228;re Themen des politischen Alltags werden dagegen h&#228;ufig ausgeblendet.</p>
<p>Welche Strukturen stehen hinter dieser ausbleibenden Berichterstattung? Und wie berichten die Regionalbl&#228;tter, wenn sie es tun? Was denken die Redakteure &#252;ber die EU? Wie stehen sie zu ihr? All diese Fragen sollten gekl&#228;rt werden. Methodisch hie&#223; das, nach den Faktoren zu suchen, die auf die Redaktionen einwirken.</p>
<p>Zuerst sind grundlegende Punkte zu nennen: Die Medienkrisen der Jahre 2002 und 2008/9 bestimmen als konjunkturelle Gr&#246;&#223;en das Arbeitsumfeld massiv. Auflagen- und Anzeigenverluste sowie das Abwandern j&#252;ngerer Leserschichten beeinflussen als strukturelle, dauerhafte Komponenten die Rahmenbedingungen der regionalen EU-Berichterstattung ebenfalls stark. Infolge dieser Probleme ist der Platz f&#252;r politische Nachrichten in den Regionalzeitungen &#252;ber die Jahre vielerorts geschwunden. Aufgrund des Platzmangels wird oft erst gar nicht &#252;ber die EU und/oder ihre regionalen Auswirkungen berichtet, oder der hochkomplexe EU-Stoff wird bis zur Unverst&#228;ndlichkeit verk&#252;rzt. Beim K&#252;rzen geht oft der Hinweis verloren, dass die EU eine Rolle spielt – und es kommt zur so genannten verdeckten EU-Berichterstattung: Gesetze und Verordnungen werden mit rein deutschem Hintergrund berichtet, obwohl sie ihren Vorlauf in Br&#252;ssel genommen haben. Dass das Anti-Diskriminierungsgesetz Ergebnis von europ&#228;ischen Richtlinien ist, muss gesagt werden. Andernfalls erscheint die Politik immer nur national, obwohl sie europ&#228;isch ist.</p>
<p>&#196;hnlich tiefgreifend wie der Platzmangel wirkt sich der Personalmangel aus: Er verhindert Spezialisierungen, gr&#246;&#223;ere Recherchen sowie grunds&#228;tzlich Eigeninitiative.</p>
<p>Die strukturellen Zw&#228;nge verhindern also das regionale Engagement. Ideelles und kreatives Potenzial ist in den Redaktionen, so einer der Hauptbefunde der Studie, aber durchaus vorhanden. Es kann nur nicht gen&#252;gend abgerufen werden. Die befragten Leitungsredakteure sind fast durchweg integrationsfreundlich eingestellt; EU-Skepsis war nur in Einzelf&#228;llen zu beobachten. Die Einstellungen von Verlagen und Chefredaktionen erscheinen ebenfalls meist positiv. Neben den Wunsch der Blattmacher nach einer weiteren politischen Vertiefung tritt allerdings eine differenzierte EU-Kritik, die v. a. das EU-Demokratiedefizit in den Blick nimmt. Ein europapolitisches Demokratieverst&#228;ndnis, das u. a. nach mehr Subsidiarit&#228;t und regionaler Beachtung verlangt, pr&#228;gt zumeist das Denken der Redakteure, die sich auch h&#228;ufig gut mit grundlegenden EU-Fragen wie etwa dem Lissabonner Vertrag auskennen. Sachwissen ist also durchaus vorhanden. Im redaktionellen Kollegium fehlt es h&#228;ufiger, auch wenn hier ebenfalls meist eine gro&#223;e Aufgeschlossenheit gegen&#252;ber der EU zu finden ist. Wissen und Haltung klaffen weit auseinander.</p>
<p>St&#228;rker vorhanden als bisher vermutet sind nach Ansicht der Redaktionen die Interessen der Leser f&#252;r die EU bzw. f&#252;r bestimme Aspekte ihrer Politik. Denn f&#252;r die Redakteure bestehen zwei Gemeinschaften: Es gibt die „Verbraucher-Union“, die mit der Umsetzung ihrer Gesetze tief in den regionalen Alltag eingreift, was sich in einer mal st&#228;rkeren, mal schw&#228;cheren EU-Dimension einer regionalen, deutschen Thematik ausdr&#252;ckt. Und es gibt die rein politisch-institutionelle „Br&#252;ssel-Union“, die kaum das Leserinteresse bedient. Innerhalb dieses Deutungsmusters wird die EU als au&#223;enpolitisches Thema gesehen, aus der Perspektive der Verbraucher-Union ist sie ein innenpolitisches Thema. Insofern m&#252;ssen die bisherigen Forschungsergebnisse, wonach die EU in Redaktionen fast immer als au&#223;enpolitische Thematik wahrgenommen wird, revidiert werden.</p>
<p>Neben Verbraucherfragen ist die EU-Regionalpolitik mit ihren F&#246;rdert&#246;pfen das wichtigste Thema f&#252;r Regionalmedien. Danach folgen – au&#223;erhalb von Eurokrise und Schuldenstreit – die Agrar-, Umwelt- und Wettbewerbspolitik der Europ&#228;ischen Union. An der K&#252;ste ist zudem die Fischereipolitik ein gro&#223;es Thema, die 2012 umfassend reformiert wird.</p>
<p>Themenkomplexit&#228;t, Konfliktmangel in der konsensorientierten EU-Politik und das Fehlen von politischem Personal sind in der Forschung oft beschriebene allgemeine Determinanten, die Journalisten in Br&#252;ssel wie in Deutschland die Arbeit erschweren. In diesen Bereich f&#228;llt auch die EU-Presse- und &#214;ffentlichkeitsarbeit, die unterschiedlich stark wirkt: Einer Scheu gegen&#252;ber der Kommission in Br&#252;ssel steht die regelm&#228;&#223;ige Nutzung der – &#246;fter gelobten – Pressearbeit deutscher Kommissionsvertretungen gegen&#252;ber. Die europapolitische Pressearbeit von Land, Kommunen und Kreisen wird von den Redaktionen kaum genutzt – obwohl deren wichtigste allgemeine Strategie die Regionalisierung von Ereignissen ist, die auf den vorderen Seiten zugenommen hat. Europa ist jedoch nicht Teil der Strategie. Bei der Recherche fallen zwei andere Dinge auf: die Vermeidung von Kontakten mit der Br&#252;sseler Ebene und die Pr&#228;ferenz f&#252;r Europaabgeordnete als Recherchequelle. Die Abgeordneten sind mit das entscheidende Scharnier f&#252;r die Regionalbl&#228;tter. Von der Quantit&#228;t und Qualit&#228;t der Pressearbeit und dem pers&#246;nlichen Engagement des lokalen Europaabgeordneten, das mal existiert, teils aber auch ausf&#228;llt, h&#228;ngt stark ab, wie oft sie berichten. Die gro&#223;e Unkenntnis europapolitischer Onlinequellen ist ein weiterer Befund. Selbst die wichtigsten EU-Fachdienste wie Euractiv.com, EUobserver.com oder politikportal.eu sind den wenigsten Ressortleitern und Leitungsredakteuren ein Begriff. Geschweige denn der wertvolle Themen-Newsletter „Europa vor Ort“ eines Korrespondentenb&#252;ros in Br&#252;ssel.</p>
<p>Der Kontakt zu einem Korrespondenten ist keineswegs Standard. Viele kleinere Lokal- und Regionalbl&#228;tter haben keinen Mitarbeiter in Br&#252;ssel, was folgenschwer ist: Hat eine Zeitung einen Korrespondenten, bekommt sie eigene EU-Geschichten, lernt das sperrige ‚Br&#252;ssel‘ &#252;ber den pers&#246;nlichen Kontakt besser kennen. Wenn nicht, bleibt all dies aus und f&#228;llt ein wichtiger Einflussfaktor weg. Die Regionalkorrespondenten in Br&#252;ssel arbeiten meist f&#252;r mehrere Bl&#228;tter, mehr als zehn Zeitungen k&#246;nnen es sein. Bei dieser breiten Streuung ist ein Korrespondent oft nur zum bundesweiten Rundumschlag f&#228;hig. Eine stete Berichterstattung &#252;ber die speziellen Themen einer Region – wie etwa die Hafenrichtlinie f&#252;r Norddeutschland oder die Weinmarktreform f&#252;r Rheinland-Pfalz – kann er aus zeitlichen Gr&#252;nden nicht immer leisten. Beeinflusst wird die Zusammenarbeit mit den Redaktionen auch durch deren Organisa-tion der Nachrichtenauswahl: Systeme mit vollst&#228;ndiger Personalrotation wie das Newsdesk-System sind ung&#252;nstig, reine Ressortstrukturen oder Mischformen mit h&#246;chstens zwei zust&#228;ndigen Kontaktpersonen g&#252;nstig f&#252;r die Zusammenarbeit mit dem Kollegen in Br&#252;ssel.</p>
<p>Defizite ergeben sich auch bei der redaktionellen Organisation: EU-Fachredakteure, also Kollegen, die nach formeller Festlegung ein Auge auf ‚Europa‘ haben, fehlen &#246;fter in den Redaktionen als sie vorhanden sind. Unterentwickelt sind redaktionelle Kommunikation und Kooperation: Strategien wie Teambildungen und Planungskonferenzen spielen kaum eine Rolle in der regionalen EU-Berichterstattung. Umso wichtiger sind daf&#252;r die – oft gelobten – Nachrichtenagenturen, da sie die Inhalte der Berichterstattung zu gro&#223;en Teilen bestimmen. Und sie wirken durch ihr Agenda-Setting auf die Nachrichtenauswahl der Redakteure und deren Verhalten gegen&#252;ber den Korrespondenten ein.</p>
<p>Das Offenlegen ihrer Gr&#252;nde &#228;ndert zun&#228;chst nichts an der Hauptproblematik: Dort, wo die EU in vielen Teilen das Leben beeinflusst und die B&#252;rger Politik hautnah erleben, ist die Medienberichterstattung wenig europ&#228;isch: in der Region. Um die regionale EU-Berichterstattung zu f&#246;rdern, m&#252;ssten Regionalzeitungen zum einen ihre Korrespondentenstellen in Br&#252;ssel ausbauen. Das wird aufgrund ihrer finanziellen Situation nicht geschehen. Wichtiger und deutlich g&#252;nstiger ist die zweite Ver&#228;nderungsstrategie: Aus- und Weiterbildung im EU-Bereich. Die Zahl der Angebote an Hochschulen und Akademien hat zugenommen. Jedoch gibt es keine verpflichtenden Strukturen. Es bleibt nach wie vor dem Zufall &#252;berlassen, ob sich ein Journalist in seiner Ausbildung – angefangen in der Schule bis hin zu Studium und Journalistenschule – mit der EU besch&#228;ftigt. Deutsche Staatskunde ist dagegen Pflicht, auf mindestens einer Bildungsebene. Die EU ist aber zu wichtig, um sie dem Zufall zu &#252;berlassen. Deshalb w&#228;re eine fl&#228;chendeckende Strukturierung der europajournalistischen Aus- und Weiterbildung w&#252;nschenswert; Berufsverb&#228;nde, Verb&#252;nde von Hochschulen oder die Bundesverb&#228;nde von Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern k&#246;nnten hierf&#252;r Modelle entwickeln.</p>
<p>In j&#252;ngster Zeit ist ein Trend in Redaktionen zu erkennen, Weiterbildungsetats zu k&#252;rzen und Redakteure nicht mehr so oft freizustellen. Dem muss zuallererst Vorschub geleistet werden. Denn wenn sie nicht genutzt werden, streichen Weiterbildungsstellen ihre aufgebauten EU-Kurse wieder. Erste Beispiele daf&#252;r gibt es schon jetzt.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Sch&#228;fer, Torsten (2011): Br&#252;ssel – vermeintlich fern. Zum europ&#228;ischen Denken und Handeln deutscher Regionalzeitungen. Konstanz: UVK.</li>
</ul>
<p><em>Foto: krockenmitte/photocase.com</em></p>
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		<title>Alles neu?</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Sep 2011 21:43:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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<h4>Von Tobias Eberwein</h4>
<img class="alignleft size-full wp-image-774" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2011/09/Eberwein.jpg" alt="" width="100" />Medienkritik ist nichts Neues. Auch wenn der kritische Diskurs &#252;ber Journalismus und Medien in der heutigen Erregungsgesellschaft, befl&#252;gelt durch web-basierte Themenschleudern wie Twitter oder Facebook, so lebendig ist wie nie zuvor – es gibt ihn schon lange, so lange, wie es Medien gibt. In kaum einem Bereich wurde und wird dieser Diskurs jedoch so lautstark und emotional gef&#252;hrt wie im Sportjournalismus. Warum das so ist, zeigen die Beitr&#228;ge zum Titelthema dieser Ausgabe des „Journalistik Journals“. „Kein anderes Ressort im Journalismus ist derart von &#214;konomisierungs- und Kommerzialisierungsprozessen betroffen wie das Sportressort“, stellt Michael Schaffrath in seiner kritischen Bilanz zur bisherigen Sportkommunikatorforschung fest.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Editorial</h3>
<h4>Von Tobias Eberwein</h4>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-774" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2011/09/Eberwein.jpg" alt="" width="140" height="210" />Medienkritik ist nichts Neues. Auch wenn der kritische Diskurs &#252;ber Journalismus und Medien in der heutigen Erregungsgesellschaft, befl&#252;gelt durch web-basierte Themenschleudern wie Twitter oder Facebook, so lebendig ist wie nie zuvor – es gibt ihn schon lange, so lange, wie es Medien gibt.</p>
<p>In kaum einem Bereich wurde und wird dieser Diskurs jedoch so lautstark und emotional gef&#252;hrt wie im Sportjournalismus. Warum das so ist, zeigen die Beitr&#228;ge zum Titelthema dieser Ausgabe des „Journalistik Journals“. „Kein anderes Ressort im Journalismus ist derart von &#214;konomisierungs- und Kommerzialisierungsprozessen betroffen wie das Sportressort“, stellt <a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=718">Michael Schaffrath</a> in seiner kritischen Bilanz zur bisherigen Sportkommunikatorforschung fest. Christoph Bertling beschreibt eine „schwierige Gratwanderung des Sportjournalismus“ zwischen Aufkl&#228;rung und Entertainment. Weitere Analysen widmen sich spezifischen Problemen und Herausforderungen des Berichterstattungsfeldes: unter anderem dem (Vor-)Urteil, dass Sportjournalisten in Wirklichkeit schlecht getarnte Fans sind, die am liebsten selbst eine Sportkarriere gestartet h&#228;tten (<a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=709">Michael Steinbrecher</a>); dem un&#252;bersehbaren „Sexualisierungsdruck“, der sich vor allem in der redaktionellen Darstellung von Sportlerinnen bemerkbar macht (<a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=703">J&#246;rg-Uwe Nieland und Daniela Schaaf</a>); und den zahlreichen Widrigkeiten, mit denen Sportjournalisten bei der Berichterstattung etwa &#252;ber Korruption (Daniel Drepper) und Doping (<a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=698">Angelika Mikus</a>) zu k&#228;mpfen haben.</p>
<p>Einfache L&#246;sungen f&#252;r diese Probleme k&#246;nnen unsere Autoren nicht anbieten. So verweist <a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=683">Thomas Horky</a> zwar auf die besonderen Chancen, die beispielsweise soziale Netzwerkmedien bei der Berichterstattung &#252;ber Sport-Gro&#223;ereignisse mit sich bringen. Gleichzeitig stellt er jedoch fest, dass ein verst&#228;rkter Einsatz von Social Media auch mit zahlreichen Folgeproblemen verbunden ist, die den vermeintlichen Mehrwert relativieren. Ein Vademecum f&#252;r den Sportjournalisten ist dieses Heft also nicht.</p>
<p>Wohl aber kann es helfen, viele der h&#228;ufig beklagten Fehlentwicklungen der Sportberichterstattung zu verstehen, ohne sie damit entschuldigen zu wollen. So erkl&#228;rt etwa Christoph Bertling, dass Sportjournalismus, historisch betrachtet, gerade nicht aus einem aufkl&#228;renden Anspruch heraus entstanden ist, sondern als Unterhaltungsprodukt: „Von Anfang an wurde Sport als Berichterstattungsobjekt genutzt, um die Massen durch popul&#228;re Inhalte anzusprechen. Zahlreiche Events, beispielsweise die Tour de France, wurden seitens der Medien als Berichterstattungsobjekt geschaffen. Entsprechend entwickelte sich nicht das gleiche Selbstverst&#228;ndnis wie in anderen Ressorts: Viele Sportjournalisten verstehen sich als Teil der Unterhaltungsindustrie, haben nicht dieselbe Distanz.“ W&#228;hrend emotional aufgeheizte Pauschal-Kritiken meist wenig Kon­struktives leisten, tragen Analysen wie diese zu einer Versachlichung der Diskussion &#252;ber den Sportjournalismus bei – und k&#246;nnen damit, hoffentlich, das Qualit&#228;tsbewusstsein bei seinen Akteuren umso nachhaltiger steigern.</p>
<p>Einen faktenbasierten Diskurs &#252;ber den Journalismus in der Gesellschaft, einen Austausch zwischen journalistischer Praxis und Journalismusforschung – diese Ziele verfolgt das „Journalistik Journal“ nun bereits seit &#252;ber 13 Jahren. Auch in dieser Hinsicht bietet das neue Heft also wenig Neues. Daran &#228;ndert auch der Umstand nichts, dass der Gr&#252;ndungsherausgeber dieser Zeitschrift, Horst P&#246;ttker, die Verantwortung f&#252;r die Publikation mit der vorliegenden Ausgabe in andere H&#228;nde &#252;bergibt: Gemeinsam mit der bisherigen Redaktion f&#252;hrt ab sofort <a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?page_id=4">Susanne Fengler</a>, Professorin f&#252;r internationalen Journalismus am Dortmunder Institut f&#252;r Journalistik und Gesch&#228;ftsf&#252;hrerin des Erich-Brost-Instituts f&#252;r internationalen Journalismus, das Konzept des „Journalistik Journals“ fort. Damit sind einige inhaltliche Innovationen verbunden:</p>
<p>Zum einen wird der internationalen Medienberichterstattung k&#252;nftig mehr Raum gegeben. Im Heft macht sich dies durch die Einrichtung eines dauerhaften Ressorts „<a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?category_name=journalismus-international">Journalismus international</a>“ bemerkbar. Die Beitr&#228;ge dieses Ressorts entstehen in Zusammenarbeit mit der Redaktion der deutschsprachigen Webseite des „<a href="http://de.ejo-online.eu" target="_blank">European Journalism Observatory</a>“, die ebenfalls am Erich-Brost-Institut angesiedelt ist und von Tina Bettels geleitet wird.</p>
<p>Zum anderen wird auch der erste Heftteil, urspr&#252;nglich einem kurzen Nachrichten&#252;berblick vorbehalten, in das Ressort „<a href="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?category_name=journalismus-in-deutschland">Journalismus in Deutschland</a>“ ausgeweitet. Ziel ist es, ein breiteres Forum f&#252;r Diskussionen jenseits des Schwerpunktthemas zu schaffen – und das „Journalistik Journal“ damit zu einer Fachzeitschrift f&#252;r die gesamte Journalistik zu machen, nicht nur f&#252;r einen kleinen Ausschnitt daraus.</p>
<p>Es ist somit nicht alles neu in dieser JoJo-Ausgabe. Ich hoffe aber, dass das Neue ebenso gef&#228;llt wie das Bew&#228;hrte. Kritik ist nat&#252;rlich trotzdem willkommen – am Sportjournalismus ebenso wie an dieser Zeitschrift.</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-746" src="http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2011/09/Unterschrift.jpg" alt="" width="200" height="39" /></p>
<p>&nbsp;</p>
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