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Redaktion | 15. Oktober 2004

Auf dem Weg zu einer zeitgemäßen Selbstkontrolle

poettker_web1.jpgLiebe Kolleginnen und Kollegen,

alles fließt, auch der Journalismus. Wie stark er sich gewandelt hat, lässt sich besonders gut an seinem Verhältnis zum Sport studieren, dem sich diese Ausgabe des Journalistik Journals widmet. Veränderungen betreffen die journalistische Tätigkeit und die Anforderungen an diejenigen, die sie ausüben: Musste ein Sportjournalist früher vor allem von der Sache etwas verstehen, vielleicht sogar selbst Leistungssportler (gewesen) sein, sind heute Sinn für „human interest“ und kommunikative Kompetenzen gefragt. Veränderungen betreffen aber auch die Abgrenzung des Journalismus von anderen Tätigkeiten: Die Ränder des Berufs fransen aus; kann man, was die Stadionzeitschriften der Fußball-Bundesligavereine bieten, mit gutem Gewissen noch Journalismus nennen, oder ist es schon Öffentlichkeitsarbeit, wenn nicht Werbung?

Der Sportjournalismus ist nicht zuletzt deshalb ein ergiebiger Themenschwerpunkt, weil entsprechende Veränderungen sich auch in anderen Ressorts zeigen, wenn vielleicht auch weniger deutlich. Im Feuilleton, im Lokalteil, in der Innen- und Außenpolitik sieht es im Prinzip ja nicht anders aus. Allenfalls in der Wirtschaftsberichterstattung, die sich noch immer weniger um das breite Publikum kümmern muss, hat sich der Primat der Sachkompetenz erhalten. Ihr elitärer Stil, den Peter Glotz und Wolfgang R. Langenbucher schon vor über drei Jahrzehnten in ihrem Buch „Der mißachtete Leser“ beklagt haben, weist indirekt freilich auch auf die produktive Seite hin, die der kommunikationsorientierte Wandel des Journalismus für seine professionelle Aufgabe hat, Öffentlichkeit herzustellen.

Zu der selben Zeit, als Glotz und Langenbucher ihren Klassiker der Journalistik veröffentlichten, entwickelte der Deutsche Presserat seine „Publizistischen Verhaltensgrundsätze“ (Pressekodex), nach denen sich Journalisten, die bei Printmedien arbeiten, im Wesentlichen noch heute zu richten haben. Seitdem hat sich nicht nur der Journalismus grundlegend verändert, sondern auch die Gesellschaft, in der und für die er seine Aufgabe erfüllt. Weil beispielsweise der Krieg für Deutschland damals eine lange zurückliegende und für die Zukunft nicht absehbare Erfahrung war, kommen seine besonderen Anforderungen und Gefährdungen für den Journalismus im Pressekodex nicht vor, während auf Probleme der Kriminalitäts-, Gerichts- und Medizinberichterstattung dort ausdrücklich eingegangen wird.

Die Umbrüche der Gesellschaft wie die des Journalismus, vor allem seine Ausweitung auf neue Medien wie das Internet, wo er sich heute weitgehend regellos vollzieht, rufen förmlich danach, dass die Normen und Verfahren der publizistischen Selbstkontrolle an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Ein medienübergreifender und auch sonst zeitgemäßer Journalismus-Kodex könnte manches zur professionellen Profilbildung beitragen und so der Ausfransung des Berufs entgegenwirken. Auf den steinigen Weg dahin haben sich in diesem Jahr mehrere Initiativen gemacht. Zu ihnen gehört der „Verein zur Förderung der publizistischen Selbstkontrolle“ (FPS), der sich dabei um ein Zusammenwirken mit den diversen Organen der professionellen Selbstregulierung bemüht.

Mit guten Wünschen für erfolgreiche Arbeit

Ihr Horst Pöttker


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