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Redaktion | 31. März 2009

Zwischen Konvergenz und Kernkompetenz

Dortmunder Newsdesk-Konzept setzt neue Maßstäbe

Von Vanessa Giese & Michael Schulte

Die Zukunft des Journalismus ist crossmedial: Das Dortmunder Institut für Journalistik (IfJ) entwickelt den ersten Newsdesk, der die Medienkanäle Online, Print, Radio und Fernsehen bespielt. Das Crossmedia-Konzept setzt neue Maßstäbe in der akademischen Journalistenausbildung.

Am Newsdesk planen die vier IfJ-Lehrredaktionen Themen künftig gemeinsam, bereiten den Inhalt aber für jedes Medium anders auf. Dabei nehmen die Hauptstudierenden die Rolle der Redakteure ein. Sie entscheiden, welche Themen wie und für welchen Kanal umgesetzt werden. Und sie leiten die Grundstudierenden an, die als Reporter redaktionelle Beiträge zuliefern. Dadurch lernt jeder Studierende die crossmediale Arbeit am Newsdesk aus zwei unterschiedlichen Perspektiven kennen: als Planer und als Produzent.

Die Grenzen zwischen den Lehrredaktionen sind fließend: Zwei Drittel ihres Zeitbudgets verbringen die Journalistik-Studierenden in einer Stammredaktion. Dort erhalten sie die für ihr Medium erforderliche journalistische und technische Grundausbildung. Ein weiteres Drittel ist reserviert, um in einem zweiten Medium Erfahrungen zu sammeln. Bedingung: Die Mitglieder einer Stammredaktion müssen vorher einen Kursus besuchen, der auf das gewählte Zusatzmedium vorbereitet. Geplant ist, dass die Studierenden mindestens bimedial, im Idealfall trimedial ausgebildet werden.

Die größten inhaltlichen Überschneidungen besitzen die Lehrredaktionen Online, Print und Radio, sie spiegeln sich in vier übergeordneten Ressorts: Lokales, Campus, Wissenschaft, Kultur. In einer großen Konferenz kommen die Mitglieder eines jeden Ressorts und Medienkanals zur gemeinsamen Themenplanung zusammen. Anschließend bespricht jedes Medium für sich die Art der Aufbereitung eines Themas, bevor jede Redaktion einen Ressortvertreter in eine kleinere medienübergreifende Abschlusskonferenz schickt. Einen Sonderfall stellt die Fernseh-Lehrredaktion „do1“ dar, deren crossmediale Integration auf den Online-Bereich ausgelegt ist. Weil die Produktion von originären TV-Beiträgen zeitlich und technisch sehr viel Aufwand erfordert, produziert eine neu geschaffene VJ-Abteilung vor allem kürzere Video-Beiträge für die Webseite der Online-Lehrredaktion.

Mit dem Crossmedia-Konzept verfolgt das IfJ das Ziel, die Studierenden fit zu machen für die Medienkonvergenz im Berufsalltag. Ehemals getrennte Bereiche wie Zeitungen, Online-Portale, Radio- und TV-Stationen wachsen auf einer inhaltlichen, organisatorischen und technischen Ebene zusammen. Das erfordert eine starke Team- und Kommunikationsfähigkeit, das Mitdenken in mehreren Ausspielkanälen und die Qualifikation, verschiedene Medienformate zu bedienen. Am Newsdesk des IfJ werden diese Fertigkeiten künftig intensiv trainiert.

Technisches Herzstück des Newsdesk ist das Datenbanksystem DC-X von Digital Collections, das alle Inhalte der Lehrredaktionen speichert und einen zentralen Themenplaner bereitstellt. Das IfJ beauftragte den Hamburger Systemintegrator Snap Innovation, in der ersten Ausbaustufe das Printredaktionssytem K4 des Herstellers vjoon für die neue Studierendenzeitung „pflichtlektüre“ einzurichten. In der zweiten Stufe installiert Snap Innovation die Datenbank, sie integriert auch die IfJ-Lehrredaktionen „eldoradio*“ und „do1“. Die Integration eines neuen Online-Portals ist in der dritten Stufe vorgesehen. An den Planungen für den Newsdesk war eine Gruppe Studierender beteiligt. Zusammen mit Projektleiter Günther Rager, Michael Schulte und Lisa Griesing entwarfen sie in zwei Semestern ein Modell, das voraussichtlich im Sommersemester 2009 an den Start geht.

Mit dem Launch des ruhrgebietsweiten Studierendenmagazins „pflichtlektüre“ hat das IfJ 2008 bereits neue Standards in der Print-Ausbildung markiert. Leben, lernen und arbeiten – darum dreht sich das Studentenleben, darum dreht sich auch die „pflichtlektüre“. An sechs Terminen pro Semester erscheint das 16 bis 24 Seiten starke Heft an den Universitäten Bochum, Dortmund und Duis­burg-Essen. Im Mittelpunkt stehen die Studierenden und ihr Lernalltag, außerdem Themen aus Forschung, Wissenschaft und das Leben im Ruhrgebiet. Die Macher des Magazins sind Studierende der Universitäten.

Die Zentralredaktion der „pflichtlektüre“ ist gleichzeitig die Lehrredaktion Print des IfJ, eine von vier Redaktionen, die dem Newsdesk des Instituts zuarbeiten. In ihr laufen die inhaltlichen und organisatorischen Fäden des Magazins zusammen. Rund 30 Journalistik-Studierende schreiben, recherchieren, layouten, fotografieren und redigieren für den Mantel- und den Dortmunder Lokalteil der „pflichtlektüre“.

In Bochum und Duisburg-Essen sind Studierende der Medienwissenschaft, Germanistik und Politikwissenschaft, aber auch anderer Fächer unterwegs, um über ihre Uni in der „pflichtlektüre“ zu berichten. Sie liefern der Dortmunder Print- und Online-Redaktion zu, in der alle Seiten des Magazins – inklusive der lokalen Wechselseiten – 14-tägig an zwei Tagen fertig produziert werden.

Die „pflichtlektüre“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von IfJ und WAZ Mediengruppe. Das IfJ ist in dieser Partnerschaft für den redaktionellen Teil zuständig, während die WAZ Mediengruppe den verlagswirtschaftlichen Part übernimmt. Für die Journalistik-Studierenden und ihre Mitstreiter der anderen Universitäten bietet sich so die Chance, auf einem breiten Themenfeld und unter realistischen Bedingungen journalistisch zu arbeiten.

Im Sommersemester 2009 folgt ein neues Online-Portal, das sich inhaltlich mit der Printausgabe der „pflichtlektüre“ überschneidet. Multimedial angelegte Beiträge sollen der Webseite einen eigenständigen Charakter verleihen.


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