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Digitale Anker

Zur Bedeutung von Medienrechtsblogs

Von Lars Harden

Der englische Schriftsteller Michael Frayn hat kürzlich gesagt: „Die echte Welt ist eigentlich ein komplexes Gewirr von verschiedenen Strängen, und das ist schon schwer, sich dem direkt auszusetzen“. So mag es einem auch mit dem Internet gehen oder z. B. mit der Juristerei, oder genauer mit dem Medienrecht. Denn Rechtsexperten pflegen eine Fachsprache, die schwer zugänglich ist. Am besten verstehen sie sich – manchmal – untereinander. Viele von ihnen erkennen jedoch zunehmend Bedarf, sich der Öffentlichkeit zuzuwenden. Das können wir u. a. daran sehen, dass inzwischen nicht nur Anwälte medienwirksam die von ihnen betreuten Prozesse kommentieren, sondern auch Staatsanwälte.

Ein Teil dieser verstärkten Zuwendung zur Öffentlichkeit oder zumindest zur Teilöffentlichkeit der Internetnutzer zeigt sich in der so genannten „Blawgosphäre“. Eine ganze Reihe von „digitalen Tagebüchern“, die sich auf einzelne Rechtsgebiete spezialisiert haben, lassen sich im deutschsprachigen Raum ausmachen. Den „Rechts-Bloggern“ geht es vordergründig um die Verbreitung von Meinungen und Informationen; auf lange Sicht möchten sie ein Thema im (Experten-)Diskurs prägen und damit auch ein attraktiver Dienstleister für professionelle Anfragen sein, bleiben oder werden.

Die Nützlichkeit bzw. der Stellenwert von Blogs ist dann nicht zu unterschätzen, wenn es sich um spezialisierte, hochwertige und professionell aufbereitete Angebote handelt. Einige Medienrechtsblogs (z. B. kriegs-recht.de [1], spreerecht.de/blog [2], wbs-law.de [3], telemedicus.info [4]) stechen im deutschsprachigen Raum hervor.

Sie unterscheiden sich in mehrerlei Hinsicht von anderen Blogs. Viele der Betreiber sind Rechtsanwälte, die über fachspezifisches Wissen verfügen, wodurch die Voraussetzung für qualitativ hochwertige Inhalte geschaffen wird. Daneben verfassen auch Wissenschaftler oder Studierende Blogs im medienrechtlichen Bereich. Ein wesentliches Merkmal der Medienrechtsblogs stellt die stark ausgeprägte Vernetzung durch Verlinkungen zu anderen relevanten Angeboten und Autoren sowie Verknüpfungen mit Social Media Sites dar. Typisch für die Blogs ist die vergleichsweise geringe Beitragsfrequenz bei hoher Qualität der einzelnen Posts; meist werden nur wenige Artikel pro Monat veröffentlicht.

Dies mindert allerdings nicht die Nutzung solcher Blogs, vielmehr zeigen die zum Teil beeindruckenden Zahlen an Facebook-Freunden und virtuellen Lesezeichen, dass Medienrechtsblogs Beachtung finden und auf Interesse stoßen. Deutlich wird dies auch in den mitunter regen Diskussionen zu den veröffentlichten Beiträgen.

Die herausgestellten Eigenschaften lassen Medienrechtsblogs in güns­tigem Licht erscheinen. Aber haben sie „Wirkung“? Und wenn ja, für wen? Besitzen sie überhaupt einen Einfluss bzw. ist dieser stärker als jener durch andere Kanäle? Verändert sich die Wahrnehmung von Rechtsproblematiken?

Einige Effekte sind wahrscheinlich. Relevante Inhalte erzeugen starke Wirkungen: Wenn etwa ein kostenloser Online-Kommentar zur EU-Datenschutz-Grundverordnung bereitgestellt wird, dürfte die Zahl der Zugriffe und Downloads steigen. Gleiches wird vermutlich für die Bereitstellung von Fachaufsätzen gelten, was wiederum zur Popularität des Blogs sowie der Verfasser der Aufsätze beitragen dürfte.

Bloggende Medienrechtler steigern ihre Reputation unter Kollegen: Wer inhaltlich bedeutsame Blogeinträge liefert, steigt im Ansehen seiner Kollegen und erzeugt damit größere Aufmerksamkeit. Daraus können Kooperationen, Veröffentlichungen und letztlich (bei Anwälten) auch Mandate entstehen.

Die Qualität des medienrechtlichen Diskurses wird steigen: Das Lesen von Blogs regt zu intensiverer Beschäftigung mit einzelnen Aspekten des Medienrechts an, Leser von Blogs werden zur weiteren Lektüre animiert. Steigendes Wissen führt zu steigendem Informationsinteresse.

Die Forschungsaktivitäten werden verstärkt: Da auch von einer intensiven Nutzung der relevanten Medienrechtsblogs durch Wissenschaftler und Hochschullehrer auszugehen ist, wird sich die Forschungsaktivität im Bereich Medienrecht erhöhen. Für wirtschaftswissenschaftliche Blogs ist diese Tendenz bereits sichtbar.

Früher oder später werden herausragende Medienrechtsblogs zu digitalen Ankern und Orientierungspunkten für Interessierte – damit man sich im Gewirr der verschiedenen Stränge der Rechtsgelehrtheit zu Recht finden kann.

Foto: Dot.ti/photocase.com